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Ron Timer baut sich Künstlerexistenz auf

Warnemünde Ron Timer baut sich Künstlerexistenz auf

Ron Timer hat es in seine Heimat zurückgezogen. Nach Jahren in den alten Bundesländern baut er sich jetzt eine Existenz als Künstler im Seebad Warnemünde auf. Er versucht, die Einheimischen und die Gäste für seine Kunst zu begeistern. Ohne alle Sicherheit ist das gar nicht so einfach.

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Ausdrucksstarke Farben: Ein Stier vor knallrotem Hintergrund, gemalt von Ron Timer.

Warnemünde. Ron Timer ist neu in Warnemünde. Besucher erreichen den Künstler von der Alexandrinenstraße aus durch einen schmalen Gang zwischen den Häusern. Dort hat er sich sein Atelier eingerichtet. Hier ist alles eins: Über drei Etagen erstrecken sich Ausstellungsraum, Wohnung und eben das Atelier. „Ich bin froh, dass ich in Warnemünde bin“, sagt der 52-Jährige.

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Ron Timer hat es in seine Heimat zurückgezogen. Nach Jahren in den alten Bundesländern baut er sich jetzt eine Existenz als Künstler im Seebad Warnemünde auf. Er versucht, die Einheimischen und die Gäste für seine Kunst zu begeistern. Ohne alle Sicherheit ist das gar nicht so einfach.

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Dabei ist ihm tatsächlich eine Erleichterung anzumerken. „Warnemünde ist mein Exil und Warnemünde ist auch mein Neuanfang“, sagt Ron Timer. Seit einem knappen Jahr wohnt er im Seebad und ihm ist klar: „Ich werde noch 150 Jahre brauchen, um ein richtiger Warnemünder zu werden“.

Während der ersten Monate in Warnemünde sei er nur zweimal in der Rostocker Innenstadt gewesen. Er habe keine guten Erfahrungen mit großen Städten gemacht. „Städte wie Berlin und Karlsruhe sind so unruhig, dass sich jetzt schon viele Menschen nicht mehr trauen, dorthin zu gehen“, sagt Timer.

Geboren wurde Timer in der Kleinstadt Güstrow. Später hat er ein Architekturstudium in Weimar begonnen, dann ist er mit seiner Familie nach Karlsruhe gegangen. „Das war alles ganz normal“, sagt Ron Timer, „bis ich die Nase einfach voll hatte.“ Und er sich seinen großen Lebenswunsch, in Warnemünde zu wohnen, erfüllen konnte. Seinen sicheren Job an der Karlsruher Universität gab er gern auf, um im Seebad als Künstler zu leben. „Was ich jetzt hier mache, ist mein Lebensinhalt. Ich will die Leute dazu bringen, mehr Zeit mit Kunst zu verbringen“, erklärt er.

Deswegen nutzt Timer auch die sozialen Medien. „Mit 5000 Leuten spreche ich auf Facebook nur noch über die Kunst und über Warnemünde“, sagt er und berichtet dann auch, was ihn fasziniert am Seebad:

„Das Meer und die Menschen und die Kreuzfahrtschiffe.“

Was er auf die Leinwand bringt, hat allerdings nicht nicht viel mit dem maritimen Flair seiner neuen Heimat zu tun. Zumindest auf den ersten Blick. „Ich mache informelle Kunst. Ich male, was man nicht sehen kann, und zwar male ich so, dass die Bilder eine Harmonie ausstrahlen.“

Leicht hat Ron Timer es nicht mit seiner Mission, Menschen für Kunst zu begeistern, wenn auch mehr und mehr seine Ausstellung besuchen. „Als ich im Sommer draußen vor dem Haus gemalt habe, kamen viele Touristen vorbei, die mir den ,Scheibenwischer’ gezeigt haben.“ Aber wer zu ihm komme, sich seine Bilder ansehe, „der geht dann auch wieder mit einem guten Gefühl hier hinaus“, sagt der Maler, der offenbar mit seiner Kunst den Nerv seiner Besucher trifft. „Viele Menschen wollen gern so wie ich aus ihrem Hamsterrad heraus und die Finger in Farbe stecken, etwas Kreatives tun“, sagt Timer.

Von den Nachbarn in der Alexandrinenstraße sei er mit offenen Armen aufgenommen worden. Die Warnemünder sind gegenüber ihren Künstlern eben aufgeschlossen. Daran mag es auch liegen, dass Ron Timer – kaum war er im Seebad angekommen – einen Job gefunden hat. „Allein von der Kunst kann ich nicht leben“, sagt er. Ab März arbeitet er dann wieder in einem Fahrradverleih. In der Winterpause ist er ausschließlich in seinem Atelier zu finden. „An sieben von sechs Tagen habe ich Farbe an den Fingern.“

In seinem zweiten Jahr in Warnemünde will er sich auf die Suche nach Ausstellungsmöglichkeiten für seine Bilder machen. Erfahrung hat er damit schon. In Neustadt an der Weinstraße habe er eine kleine Galerie betrieben: „Da hatte ich als Maler schon einigen Erfolg.“ Und warum sollte sich der im Seebad Warnemünde nicht wieder einstellen?

Michael Schißler

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