Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Rostock: 526 Bäume müssen gefällt werden
Mecklenburg Rostock Rostock: 526 Bäume müssen gefällt werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:21 13.02.2019
Steffie Soldan (55) ist Leiterin des Teams „Stadtbäume“ im Rostocker Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege. Sie hat mehrere Lieblingsbäume: Hainbuche, Feldahorn und Eiche. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Der neue Baumbericht der Hansestadt liegt vor. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Steffie Soldan, der Leiterin des Fachteams „Stadtbäume“ im städtischen Grünamt, über die Bilanz für das Jahr 2018, Beschwerden und notwendige Fällungen.

OZ: Frau Soldan, wie geht es Rostocks Bäumen?

Steffie Soldan: Rostock ist eine sehr grüne Stadt mit einem sehr guten Baumbestand. Das wird uns von Fachkollegen aus anderen Kommunen immer wieder bestätigt. An schwierigen Standorten geht es unseren Bäumen jedoch nicht so besonders gut. Vor allem Straßenbäume haben es schwer, gerade nach diesem trockenen Sommer.

Wie fällt die Bilanz für 2018 aus?

Wir hatten deutlich mehr zu tun als sonst. Kaum war der Baumbruch von Sturm Herwart beräumt, da kam schon der Oster-Schnee und hat zu sehr vielen weiteren Brüchen geführt. Teilweise waren ganze Bäume betroffen. Und dann folgte bereits der heiße, trockene Sommer. Wir mussten mithilfe der Feuerwehr und Wassersäcken vor allem die Jungbäume wässern. Es war schon ein sehr spezielles Jahr.

Wie viele Bäume mussten gefällt werden?

Im Durchschnitt haben wir 500 Fällungen pro Winterhalbjahr, im aktuellen liegt die Zahl bei 526. Insgesamt sind wir für rund 75 000 Bäume zuständig, die verkehrsrelevant sind, also zum Beispiel an einer Straße oder einem Weg stehen. Den Fällungen stehen 804 Nachpflanzungen gegenüber. Darunter relativ viele kleine Bäume, sogenannte Heister.

Was ist ein Heister?

Das ist ein ganz junger Baum, der noch keinen Stamm ausgebildet hat. Die Heister haben wir vor allem für flächige Anpflanzungen genutzt.

Was sind die häufigsten Ursachen für Baumfällungen?

125 Bäume sind Sturm und Schnee zum Opfer gefallen. Rund 100 sind abgestorben. 82 Bäume müssen wir fällen, weil Bruchgefahr besteht. Aber auch Pilzbefall spielt eine Rolle. Hier sind 36 Bäume betroffen.

Welche Krankheiten setzen den Bäumen zu?

Wir kämpfen seit zwei, drei Jahren, wie andere Kommunen auch, mit der Rosskastanien-Erkrankung. Dagegen gibt es nichts. Die Erkrankung ist durch schwarze Leckstellen am Baumstamm zu erkennen. Und spätestens wenn die Pilze erscheinen, müssen wir den Bäumen fällen, weil er dann jederzeit brechen kann. Auch der Birnbaumprachtkäfer macht uns das Leben schwer. Und dann gibt es noch das Ulmensterben.

Team pflegt 115 000 Bäume

Das Team „Stadtbäume der Hansestadt Rostock ist für rund 75 000 verkehrsrelevante Bäume zuständig. Hinzu kommen etwa 40 000 Bäume auf städtischen Liegenschaften. Wälder, wie die Rostocker Heide, zählen nicht dazu. Diese sind dem Forstamt zugeordnet. Zum Team „Stadtbäume“ gehören zehn Baumpfleger und neun Baumkontrolleure. Die gebürtige Rostockerin Steffie Soldan ist seit 1990 in dem Sachgebiet des städtischen Grünamtes tätig.

Bekommen Sie häufig Beschwerden?

Bäume sind ein sehr sensibles Thema. Dabei dreht sich immer alles um die Fällungen. Das ist auch das, was man sieht: Wenn die Säge heult und der Baum vor dem Haus, der so schön ist, plötzlich auf der Seite liegt. Doch nicht jeder Bürger hat ein Auge dafür, dass es dem Baum wirklich schlecht ging. Auf der anderen Seite gibt es auch absichtliche Schädigungen. Wenn Bäume zum Beispiel vor dem Haus nicht gewollt sind, werden sie mit Streusalz umgebracht oder es wird ihnen die Spitze abgeschnitten, um besser auf die Ostsee gucken zu können. Das ist natürlich sehr, sehr traurig.

Warum gibt es gerade jetzt so viele Fällungen?

Weil wir die Bäume vornehmlich im Winterhalbjahr fällen und nicht, wenn die Vögel brüten. Denn wir wollen möglichst wenig Schaden im Naturhaushalt anrichten. Dadurch bekommen wir gerade jetzt vermehrt Fragen und Beschwerden, darunter auch Unsachliches. Ich habe einen Brief erhalten, der nur aus Beleidigungen bestand. Insgesamt ist die Resonanz auf unsere Aktivitäten in den vergangenen Jahren aber eher positiv geworden. Weil wir viel mehr mit Bäumen machen, als sie nur zu fällen.

Welche Projekte gibt es?

Wir nehmen an bundesweiten Testpflanzungen von Klimabäumen teil. Auf diese Weise soll erprobt werden, welche Bäume mit den veränderten Klimabedingungen besonders gut zurecht kommen und selten von Krankheiten oder Schädlingen befallen werden. Auch tun wir viel dafür, die alten Obstbäume zu erhalten. Im vergangenen Jahr haben wir die Bäume auf der Obstwiese in Kassebohm zum ersten Mal nach einer Methode aus der Schweiz ausgelichtet und entlastet. Die Bäume haben sich dadurch hervorragend entwickelt. In diesem Jahr sind nun die Obstbäume an der August-Bebel-Straße dran und eine Mitarbeiterin absolviert eine zweijährige Baumwart-Ausbildung zu diesem Thema.

Was können die Rostocker für ihre Bäume tun?

Baumpatenschaften sind ganz wichtig. Gerade wenn die Sommer immer heißer werden, hilft es, wenn Menschen die Bäume vor ihrem Haus zu wässern. Wir schaffen das nicht komplett. Auch Baumspenden sind möglich. Insgesamt hat das Engagement der Bevölkerung zugenommen.

André Wornowski

In Sexfalle getappt: Eine Unbekannte hat einen jungen Mann dazu gebracht, sich vor der Computerkamera zu entblößen und erpresst ihn nun mit den Bildern. Die Rostocker Polizei ermittelt.

13.02.2019

Beim Ausparken auf einen Parkplatz eines Discounters in Rostock ist der 64-Jährigen Passanten aufgefallen – unter anderem rammte er eine Laterne. Er hatte 2,49 Promille intus.

13.02.2019

Rund 1500 Marsianer feierten den grünen Kult-Rapper im ausverkauften Rostocker Moya

14.02.2019