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Rostock Klärschlamm-Kraftwerk stinkt den Rostockern
Mecklenburg Rostock Klärschlamm-Kraftwerk stinkt den Rostockern
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07:18 11.01.2019
Klaus Rhode von der Klärschlamm-Kooperation MV stellte sich mit Patric Heidecke (Umweltbundesamt, v. l.), Ulrich Jacobs, Katja Gödke und Ute Fischer-Gäde den Fragen der Rostocker. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Dieses Projekt stinkt vielen Rostockern. Vor allem in der KTV: Für 50 Millionen Euro will die Klärschlamm-Kooperation MV in dem Stadtteil ein neues Mini-Kraftwerk bauen, eine Verbrennungsanlage für 100 000 Tonnen Klärschlamm aus dem gesamten Land. Bereits in wenigen Wochen soll die Bürgerschaft über das Vorhaben abstimmen – und darüber, ob die Anlage am Klärwerk gebaut werden darf. Aus der KTV gibt es aber Widerstand: Der Stadtteil möchte die umstrittene Anlage gerne auf das Ost-Ufer der Warnow „verschieben“.

80 Zuhörer bei Einwohnerversammlung

Klaus Rhode hat es nicht leicht an diesem Abend in der Borwinschule. Um die 80 Zuhörer sind zur ersten und bislang einzigen Einwohnerversammlung zum geplanten Bau der Klärschlamm-Verbrennung an der Carl-Hopp-Straße gekommen. Der Sprecher der Klärschlamm-Kooperation MV (KKMV) – einem Zusammenschluss von 15 kommunalen Wasserversorgern aus dem gesamten Land – versucht die Rostocker von den Vorzügen der Anlage zu überzeugen. Spätestens ab 2029 dürfe der Schlamm aus den Klärwerken im Land nicht mehr auf den Äckern der Bauern ausgebracht werden. Der Bund will Böden und Grundwasser schützen. Stattdessen soll aus den Überresten von Fäkalien und Abwässern Phospor gewonnen werden. Denn dieser Rohstoff ist knapp, Deutschland muss ihn importieren.

Also sollen die Abfälle aus den Kläranlagen verbrannt werden. „Die Alternative wäre, den Klärschlamm in Anlagen in Brandenburg, in Hamburg oder in Niedersachsen zu fahren. Aber das ist teuer“, so Katja Gödke, Chefin des Warnow-Wasser- und Abwasserverbandes (WWAV). Mit dem Bau in Rostock soll ein anderer, effizienterer Weg beschritten werden: Statt fünf Lastwagen pro Tag mit Klärschlamm aus Rostock auf die Reise zu schicken, sollen zwölf aus dem gesamten Land ans Warnow-Ufer rollen. Der Klärschlamm wird verbrannt, die Wärme wird in das Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist. Strom entsteht dabei auch noch. Aber den braucht die Kooperation selbst. „Wir können ganzjährig den Wärmebedarf von zehn Prozent aller Rostocker Haushalte decken – eines Stadtteils von der Größe Gehlsdorf. Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz“, so Ulrich Jacobs, Geschäftsführer der KKMV. Zusammen mit der Uni und gefördert vom Bund soll dann untersucht werden, wie aus der übriggebliebenen Asche Phosphor als Düngemittel für die Landwirtschaft gewonnen werden kann.

Widerstand aus der KTV

Planungs- und Preissicherheit für die Wasserkunden in Rostock und im gesamten Land, „grüne“ Energie für die Hansestadt und 300 000 Euro Gewerbesteuer zusätzlich für die Stadtkassen: Und dennoch ist die Stimmung bei der Versammlung alles andere als „Pro Verbrennung“. Die 50-Millionen-Euro-Investition leisten sich der Versorger größtenteils „auf Pumpe“. „Was aber wenn Sie nicht ausreichend Klärschlamm zusammenbekommen und das Geld zum Problem wird. Zahlen dann die Kunden für das Experiment?“, will beispielsweise ein junger Mann wissen. „Haben Sie auch mal an die Menschen bei diesem Projekt gedacht?“, fragt Reinhard Lübker, der ehemalige Chef des WWAV. Er wohnt gleich neben dem Klärwerk. Die Anlage soll in seiner Sichtweit entstehen. „In unmittelbarer Nähe wohnen 13 Familien, 40 Menschen.“ Die Verbrennungsanlage werde „keine kleine Hütte, sondern ein großer Klotz“. Er habe sich selbst solche Anlagen angesehen – in Kopenhagen zum Beispiel. „Gestunken hat das nichts. Aber das heißt ja nicht, dass es keine Belastungen und Emissionen gibt.“ Michael Berger (CDU), Ortsbeiratschef aus Schmarl, will es genau wissen – und auch die Belastungen bei kritischen Wetterlagen erfahren.

Ja, aus dem 35 Meter hohen Schornstein werden auch Abgase aufsteigen, sagt KKMV-Chef Jacobs. „Aber wir simulieren sämtliche Wind- und Wetterlagen, beziehen alle örtlichen Gegebenheiten ein. Die zusätzliche Belastung durch Schadstoffe darf laut Gesetz zu keiner Zeit zwei Prozent der bisherigen Wert übersteigen. Daran halten wir uns.“ Und: Bisher würden die Schlämme in Container abgefahren, künftig werde alles abgeschottet. „Die Anwohner profitieren. Da riecht nichts mehr.“ Patric Heidecke vom Umweltbundesamt versichert, dass fast alle Schadstoffe zuvor aus dem Rauch gefiltert werden: „Quecksilber beispielsweise gelangt nicht mehr auf die Böden, sondern wir rausgefiltert.“

„Warum nicht im Hafen?“

Dass MV und auch Rostock eine solche Anlagen brauchen – ja, das sehen die meisten Zuhörer an diesem Abend ein. Aber der Standort – nein, der gehe nicht: „Sie wollen uns partout diesen Standort verkaufen. Aber es ist übereilt, sich schon jetzt festzulegen“, schimpft der Rostocker FDP-Chef Christoph Eisfeld. „Warum darf die Bürgerschaft nur über den Standort und nicht über das Verfahren entschieden?“, fragt Mediziner Marcus von Stenglin. Ein anderer Mann fordert, doch bitte sehr mit der Anlage in den Nordosten zu gehen – statt in die KTV. Der Überseehafen, wo auch das Kohle- und das Abfallkraftwerk gebaut wurden – sei ein besserer Standort. „Wir haben neun Standorte im ganzen Land analysiert“, versichert KKMV-Sprecher Rhode. „Das Klärwerk ist die ideale Fläche.“ Sollte die Bürgerschaft das aber ablehnen, wäre der Hafen tatsächlich die zweite Wahl.

Andreas Meyer

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