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Rostock Rostock: Kleingärtner kämpfen um Anlagen
Mecklenburg Rostock Rostock: Kleingärtner kämpfen um Anlagen
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400 Kleingärtner demonstrierten in Rostock für den Erhalt ihrer grünen Oasen. Quelle: Thomas Niebuhr
Rostock

Bei Rostocks Kleingärtnern kocht aktuell nicht nur die Marmelade auf dem Herd. Die Stimmung ist gereizt. Viele fürchten, dass sie ihr kleines grünes Idyll zugunsten von neuen Wohnungen oder Gewerbe aufgeben müssen. Etwa 400 nutzten am Sonnabend die Gelegenheit, um vor dem Zukunftsforum zur Stadtentwicklung vor der Nikolaikirche gegen das mögliche Verschwinden von Gartenanlagen zu protestieren. „Wir kämpfen bis zum letzten Stamm“, stand auf Plakaten.

Verband massiver Eingriff ins Kleingartenwesen

Rostock arbeitet gerade an einem neuen Flächennutzungsplan. „In allen Szenarien wird massiv in das Kleingartenwesen eingegriffen“, kritisiert Christian Seifert, Vorsitzender vom Verband der Gartenfreunde. Dieser vertritt 153 Vereine mit etwa 15 000 Parzellen. Schon beim letzten Flächennutzungsplan sei über das Verschwinden von 1000 Gärten entschieden worden. „Jetzt ist die Schmerzgrenze erreicht und dieses Mal werden wir rechtzeitig widersprechen“, sagt Seifert und fürchtet den Verlust von Hunderten Parzellen. Rostocks Vize-Ob Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) versucht zu beruhigen. „Das Verfahren steht ganz am Anfang und dauert noch Jahre.“

Senator: Konflikte in wachsender Stadt nicht zu vermeiden

In einer wachsenden Stadt wie Rostock werde es zwangsläufig Konflikte zwischen Wohnen, Gewerbe und eben auch Kleingärten geben, erläutert Chris Müller-von Wrycz Rekowski. Rostock arbeite an einem Kleingartenkonzept, teilt Chef-Stadtplaner Ralph Müller mit. Die Stimmung vor der Kirche war dennoch angespannt. „Wir kämpfen bis zum letzten Stamm“ war auf einem Plakat zu lesen. Und immer wieder wurde auf die Bedeutung der Gärten für die Stadt und das soziale Klima hingewiesen.

„Unsere Anlage im Verbindungsweg ist nicht betroffen, aber man weiß ja nie. Wir sind hier, um uns mit den betroffenen Kleingärtnern zu solidarisieren“, sagt Kathrin Ansorg. Quelle: Thomas Niebuhr

Kathrin Ansorg hat einen Garten im Verbindungsweg. „Wir sind nicht betroffen, aber man weiß ja nie.“ Zur Demo kam sie, um sich mit anderen zu solidarisieren. Einige Anlagen sind bereits akut betroffen, wie der Toitenwinkler Weg in Gehlsdorf. „Unsere Anlage ist eine der ältesten in Rostock. Jetzt sollen von 196 Parzellen etwa 30 verschwinden“, beklagt Kleingärtner Wolfgang Wallner. Der Pütterweg am Südring steht schon lange auf der Streichliste. „Die Kündigung unserer Gärten war rechtswidrig, weil es noch keinen Bebauungsplan gibt. Wir klagen dagegen“, sagt Gabriele Schmidt und kritisiert Verbandschef Christian Seifert für sein Verhalten gegenüber der Stadt. Das taten auch andere zum Teil mit persönlichen Angriffen und Beleidigungen. Politiker wie Sibille Bachmann (Rostocker Bund) und Johann-Georg Jaeger (Grüne) warnten eindringlich vor einer Spaltung des Verbands, was zu einer Schwächung der Kleingärtner führen würde.

Drei Szenarien für neue Wohngebiete

In der Nikolaikirche diskutierten dann mehr als 100 Rostocker darüber, wo Wohngebiete entstehen sollen. Das Zukunftsforum ist Bestandteil der Bürgerbeteiligung für die Aufstellung des neuen Flächennutzungsplans (FNP). „Dadurch dauert das Verfahren länger, aber diese Zeit nehmen wir uns“, sagte Senator Müller-von Wrycz Rekowski, eben um Konflikte im Vorfeld zu besprechen. Der FNP regelt grundsätzlich, wie Flächen künftig genutzt werden, ob für Wohnungen, Gewerbe oder eben Kleingärten. Am Sonnabend ging es zunächst ums Wohnen. Drei Varianten hatte die Stadt im Vorfeld online zur Diskussion gestellt: Ein neues großes Wohngebiet Biestow, drei Areale mit jeweils mehr als 5000 Einwohnern in Lichtenhagen, Evershagen und eben Biestow, was eine Mehrheit favorisierte, oder kleinere Wohngebiete im gesamten Stadtgebiet verteilt. Am Sonnabend saßen die Teilnehmer in kleinen Gruppen zusammen, um über die drei Szenarien zu diskutieren oder neue Ideen einzubringen. Prognosen zufolge braucht Rostock bis 2035 etwa 26 000 neue Wohneinheiten. Erst Anfang 2019 soll es konkretere Aussagen geben, teilt Stadtplaner Ralph Müller mit.

Grundlage für jede Planung

Der Flächennutzungsplan (FNP) legt für ganz Rostock in groben Zügen die künftige Nutzung fest: Wo wird gewohnt? Wo ist welches Gewerbe? Wo sind welche Infrastrukturen? Welche Flächen werden nicht bebaut? Auf Grundlage des FNP entstehen rechtsverbindliche Bebauungspläne. Nach dem abschließenden Forum werden die Ergebnisse der Beteiligung in einer Broschüre zusammengefasst, die als Entscheidungshilfe an die Politik geht. Ab 2019 wird mit der Erarbeitung des Vorentwurfs des Flächennutzungsplans begonnen. Dieser wird wieder öffentlich diskutiert. Alle Beiträge (Online-Beteiligung, Mitmach-Tour, Veranstaltungen) werden öffentlich gemacht.

Thomas Niebuhr

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