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Rostock Migranten aus MV werden psychosoziale Berater
Mecklenburg Rostock Migranten aus MV werden psychosoziale Berater
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05:00 01.12.2018
Team des Weiterbildungsprojekts: Leiterin Sophie Kortenbruck (l.), Trainer Lothar Dunkel und Rita Wiese-Kochankaite von Ipso zusammen mit dem Leiter des Malteser-Migrationsbüros Christian Schapat und der Malteser-Projektleiterin Charleen Brügmann Quelle: Rabea Osol
Rostock

Wie verarbeite ich den Tod meiner Kinder? Kann ich die schrecklichen Erfahrungen hinter mir lassen? Wo finde ich Kleidung und etwas zu Essen? Wie komme ich mit der deutschen Bürokratie zurecht? Wo kann ich die neue Sprache lernen? Wie finde ich Arbeit? All das sind Fragen, mit denen zahlreiche geflüchtete Opfer aus Nahost seit ihrer Ankunft in Deutschland zu kämpfen haben. Oftmals finden sie selbst keine Antwort und versinken so in Verzweiflung. Helfen kann ihnen unter anderem Rita Wiese-Kochankaite. Sie unterstützt Migranten durch psychosoziale Beratung dabei, zurück ins Leben zu finden.

Der Ipso-Beratungsansatz

Dieser Ansatz stammt von der internationalen Organisation Ipso, die psychische Gesundheitsversorgung für Menschen in Kriegs- und Katastrophenregionen anbietet. 2015 entwickelte Ipso gemeinsam mit den Malteser Werken in Deutschland ein zwölf-monatiges Trainingsprogramm, bei dem bereits hier ansässige Migranten zu qualifizierten Beratern ausgebildet werden. Sie sollen anderen Flüchtlingen durch intensive Gesprächen helfen, Traumata zu bewältigen und ihnen zugleich die Integration erleichtern. Im Rahmen dieser Weiterbildung wurden innerhalb der letzten drei Jahre bereits 80 Menschen qualifiziert, die in den Malteser-Unterkünften Flüchtlinge in 15 verschiedenen Muttersprachen unterstützen. Eine von ihnen ist auch Wiese-Kochankaite. Das Training beendete sie vor einem Jahr in Berlin.

Rita Wiese-Kochankaite (38) aus Rostock: „Es begeistert mich, wenn die Menschen es schaffen, ihr Leben selbst zu gestalten und ihren kulturellen Hintergrund als Ressource zu begreifen.“ Quelle: Rabea Osol

Weiterbildung bald auch in Rostock

Die Herausforderungen der Integration bekam die 38-Jährige selbst zu spüren, als sie vor 16 Jahren von Litauen nach Deutschland zog. Dort studierte sie zunächst Geschichte und Politik in Rostock, wo sie bis heute lebt. „Ich fand das Thema Migration schon immer spannend“, berichtet Wiese-Kochankaite. So beteiligte sie sich immer wieder an unterschiedlichen Projekten zur Migrations- und Integrationsförderung. Heute unterrichtet sie an der Baltic-Schule in Rostock Deutsch als Fremdsprache und ist ehrenamtliche Sprecherin vom Ostdeutschen Dachverband der Migrantenorganisationen, sowie von Migranet-MV, einem Netzwerk von Migrantenorganisationen, das sich vor allem für die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Zuwanderern einsetzt. Zudem unterstützt sie Ipso und die Malteser Werke bei einem neuen Projekt: ab Februar werden in Rostock Migranten aus MV zu psychosozialen Beratern ausgebildet. Die Beratung wird bisher nur in Berlin, Hamburg und Erfurt angeboten.

„Wir suchen Menschen, die ein Interesse daran haben, ihren Landsleuten zu helfen. Und wir werden sie dazu befähigen“, sagt Ipso-Projektleiterin Sophie Kortenbruck. Sie erklärt, dass die Betroffenen weder pathologisiert noch therapiert werden. Stattdessen soll eine offene Gesprächssituation auf Augenhöhe geschaffen werden. „Bei Ipso begegnen wir jedem Menschen so, wie er zu uns kommt.“ Wiese-Kochankaite erklärt, was das Besondere an dieser Arbeit ist: „Durch die psychosoziale Beratung lernen die Menschen, was sie für sich selbst tun können, um sich aus der Opferperspektive zu befreien.“ Vor allem begeistere sie, wenn Menschen es schaffen, ihr Leben wieder selbst zu gestalten und ihren kulturellen Hintergrund als Ressource zu begreifen.

Zustimmung der Landesregierung

Noch bis Januar können sich Migranten aus MV für die Weiterbildung in Rostock bewerben. Finanziert wird diese für die auserwählten Teilnehmer in Form eines Stipendiums von den Malteser Werken. Nach dem ersten Weiterbildungsjahr soll eine neue Beratungsstelle in Rostock eröffnet werden. Charleen Brügmann, die das Projekt von Seiten der Malteser leitet, ist optimistisch: „Das Land bietet in diesem Bereich ein ganz neues Feld. Und wir haben hier auch die Zustimmung der Landesregierung hinter uns.“ Das sei nicht selbstverständlich. Sie betont: „Das Grundkonzept, das uns alle vereint, ist Menschen zu helfen.“

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