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Rostock droht die Umweltzone

Stadtmitte Rostock droht die Umweltzone

Schadstoffwerte bewegen sich über dem Limit. Verwaltung prüft Machbarkeit.

Stadtmitte. Städte wie Berlin oder München haben Ernst gemacht: Dieselfahrzeuge ohne Filter dürfen nicht in die Innenstadt. Die Messwerte der „Zonen-Städte“ sind ernüchternd:

Die Luftqualität bleibt mies. Dennoch könnte die grüne Plakette bald in Rostock ein Muss sein. Die Stadt lässt die Machbarkeit prüfen. Grund: Die Stadt liegt bei der Stickstoffdioxid-Belastung über den von der Europäischen Union geforderten Grenzwerten. Das fällige Bußgeld hat Brüssel per Ausnahmeregelung aufgehoben. Aber nur bis 2015. Dann muss die Hansestadt in Sachen Luftqualität ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die Verwaltung will mit Umweltzone oder Drosselung des Verkehrs reagieren.

Der Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft darf laut EU nicht überschritten werden. In Rostock waren es im Vorjahr 44 Mikrogramm im Schnitt. „Zu viel“, sagt Thomas Draheim, Dezernent im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung). An manchen Tagen verzeichnete das Amt mehr als 66 Mikrogramm auf der Skala. Registriert von einer der drei Rostocker Messstationen — am Holbeinplatz, am Stuthof und Am Strande. An Letzterer gibt es extreme Ausschläge. Draheim: „Wenn wir nicht die Hände in den Schoß legen, kann Rostock das Ziel bis 2015 schaffen.“

Sonst würde es auch teuer. Das Bußgeld kann, wenn die Richtlinien nicht eingehalten werden, schnell einen fünfstelligen Wert erreichen — pro Tag. Grund für Draheims Optimismus: Die Maßnahmen des Luftreinhalteplans von 2008 hätten gegriffen. Etwa die Reduzierung des Tempos von 60 auf 50 auf der L 22 und die besser aufeinander abgestimmten Ampelphasen. Draheim hat den Eindruck, „dass die Rostocker verstärkt Bus, Bahn und Rad nutzen“. Alarmierende Durchschnittswerte bei der Stickstoffdioxid-Belastung von 51,1 Mikrogramm, wie noch 2004 und 2005 verzeichnet, würden auch dadurch „eindeutig der „Vergangenheit angehören“.

Gute Nachrichten bei der Feinstaubbelastung. Die EU-Auflage, nach der der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Quadratmeter an maximal 35 Tagen überschritten sein darf, ist für Rostock kein Problem.

„Im Vorjahr wurden nur an 14 Tagen Grenzwerte überschritten“, so Draheim. Anders bei giftigen Stickstoffen: Die Ursache sei die nach wie vor hohe Zahl an Autos, die die L 22 passieren, sind sich Lung und Stadt einig. „Bis zu 40 000 hat das Umweltamt Rostock pro Jahr gezählt“, sagt Abteilungsleiterin Dagmar Koziolek. Düstere Prognose fürs Verkehrsaufkommen: „Das dürfte zunehmen als Folge der Entwicklung von Werftdreieck, Holz- und Silohalbinsel sowie Ansiedlungen von Gewerbe und Unternehmen.“ Die zögen Kunden — zumeist Autofahrer.

Obwohl die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bedenken geäußert habe. „Die Ergebnisse sollten in diesem Jahr vorgestellt und diskutiert werden“, wünscht sich Koziolek. Die Verwaltung plant das sogenannte „umweltsensitive Verkehrsmanagement“. Damit könne das Verkehrsaufkommen gemessen und reagiert werden, so Koziolek. „Mittels Drosselung — durch sich anpassende Ampelschaltungen.“ Das Konzept habe einen Haken, so die Fachfrau: die Kosten. Die spielen beim Ausbau des Radwegenetzes keine Rolle. In das wird künftig investiert. „Eine Mil- lion Euro pro Jahr.“ Das Radewegekonzept werde weitergeschrieben. Nicht von ungefähr: „Allein von den 16 000 Studenten radeln 70 Prozent.“

 

Katrin Starke

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