Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Rostock kassiert Hundehalter kräftig ab
Mecklenburg Rostock Rostock kassiert Hundehalter kräftig ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.09.2013
Stadtmitte

Hundehalter sollen im kommenden Jahr noch mehr zur Sanierung der Kommunalfinanzen beitragen. Die Stadt plant eine Erhöhung der Hundesteuer ab Januar um satte 29 Prozent.

Die Rostocker müssen dann statt 84 jährlich 108 Euro für ihren treuen Begleiter bezahlen. Zuletzt war die Hundesteuer 2008 um zwölf Euro angehoben worden. Weil es sich bei der Vierbeiner-Abgabe um eine Steuer handelt, ist diese nicht zweckgebunden. Das heißt, die erwarteten Mehreinnahmen von 180 000 Euro fließen in den Haushalt und müssen nicht für Hundetoiletten oder Gehwegreinigung ausgegeben werden.

Bereits im vergangenen Herbst beschloss die Bürgerschaft, dass im Rahmen der Haushaltssicherung die Hundesteuer und weitere Abgaben steigen sollen. Jetzt, wo Zahlen vorliegen, zeichnet sich Widerstand ab. „Das findet nicht statt“, sagt Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken. „Nicht tragbar, die Steigerung ist viel zu hoch“, meint Sybille Bachmann (Rostocker Bund). Ein Hund übernehme schließlich soziale Aufgaben. Manchen Alleinstehenden ersetze er die fehlende Familie, sozial schwache Rentner treffe die Anhebung besonders stark.

„Steuererhöhungen sind nie populär“, sagt Steffen Wandschneider (SPD). Er will eine „Entscheidung mit Augenmaß“, lehnt eine Anhebung aber nicht ab. „Wer sich ein Haustier anschafft, sollte die notwendigen Ressourcen für den Unterhalt haben“, findet Simone Briese-Finke (Bündnis 90/Grüne). Sie hat keine Probleme mit der geplanten Erhöhung. Auch die CDU ist nicht dagegen: „Alle Fraktionen haben im Haushaltssicherungskonzept dafür gestimmt“, sagt Fraktionschef Dieter Neßelmann. Die Details müsse man sich aber noch einmal anschauen.

6146 Hunde waren Ende 2012 in der Hansestadt angemeldet. Ihre Zahl schrumpft. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 bezahlten die Rostocker noch für 7150 Hunde Steuern. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass jeder fünfte Halter sein Tier nicht angemeldet hat und somit Steuern hinterzieht. Anfang des Jahres beauftragte sie deshalb eine private Firma mit einer Bestandsaufnahme. 20 Rentner und Studenten sollten ab März in jedem Haushalt nach nicht gemeldeten Hunden fragen. Die Firma kassiert dafür eine Gebühr und im Erfolgsfall eine Prämie für jeden Vierbeiner ohne Marke. Statt Besuch vom Hundezähler bekamen viele Rostocker bisher nur einen Flyer in den Briefkasten gesteckt, mit der Aufforderung, eventuell vorhandene Hunde anzumelden. Ergebnisse der Aktion konnte die Stadtverwaltung gestern nicht vorlegen.

„Da werden viele Hundehalter dicke Backen machen“, meint Cordula Brüsch vom Tierheim in der Thierfelder Straße zu den Steuerplänen. Schon jetzt meldeten manche ihren Bello bei Freunden oder Verwandten im Landkreis Rostock an, obwohl weder sie noch der Hund dort leben. Im Umland ist die Hundesteuer deutlich niedriger.

Gerald Kleine Wördemann

Anzeige