Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Drogen und Gewalt: Problemkids von Rostock sollen rund um die Uhr betreut werden
Mecklenburg Rostock Drogen und Gewalt: Problemkids von Rostock sollen rund um die Uhr betreut werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:20 25.01.2019
Schlägerei am Doberaner Platz im Jahr 2017: Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) will Problemkids jetzt unter Dauer-Betreuung stellen (Symbolbild). Quelle: Stefan Tretropp
Rostock

Mehr als 1500 Mal musste Rostocks Polizei im vergangenen Jahr nach vermissten Personen suchen. So oft wie noch nie. Und in mehr als drei Viertel der Fälle ging es um Jugendliche, die aus Heimen der Stadt getürmt waren. Doch damit nicht genug: Schlägereien in der Innenstadt, Drogenhandel in den Wallanlagen – seit Jahren sorgt eine Gruppe junger Rostocker, die in Obhut der Hansestadt lebt, für Ärger. Jetzt aber greift Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) durch – und will Rostocks Problemkids unter Dauerbeobachtung stellen. „Wir planen eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für Jugendliche, die besondere Aufmerksamkeit benötigen“, kündigt der Oberbürgermeister-Kandidat seiner Partei an.

Jugendliche machen seit 2017 Ärger

Die erste Vorfälle mit den so genannten Problemkids gab es bereits 2017. Damals prügelten sich Jugendgruppen vor dem Kröpeliner Tor und auch am Doberaner Platz. Im vergangenen Jahr eskalierte die Lage dann zunehmend. Die Händler in der Innenstadt riefen um Hilfe, die Rostocker Polizei setzt seit Jahresmitte sogar eine Spezialeinheit ein und die Bürgerschaft gründete eine Arbeitsgruppe, um Lösungen für das Problem zu entwickeln. Doch die hat noch nicht ein einziges Mal getagt. Sozialsenator Bockhahn kann und will aber nicht länger warten – und legt jetzt eine eigene Strategie vor. „Wir wollen zwei unterschiedliche Konzepte ausprobieren“, sagt er.

Beide richten sich an 15 bis 20 Jugendliche, die aus Sicht von Verwaltung und Polizei besonders auffällig sind. Bockhahn selbst sprach in der Vergangenheit von „Systemsprengern“. Von Heranwachsenden, die sich nicht an Regeln halten können und wollen. Und Rostocks Polizeichef Michael Ebert erklärte im Sommer, dass diese Jugendliche aus Sicht der Ermittler so etwas wie die „Rädelsführer“ der Problemkids seien – und weitere Jugendliche zu Fehlverhalten oder Straftaten anstiften würden. „So weit würde ich nicht gehen“, sagt Bockhahn. „Aber fest steht, dass diese Jungen und Mädchen jedenfalls keine positiven Vorbilder für andere sind.“

„Der Betreuer ist immer da“

Und genau diesen Jugendlichen will der Senator nun rund um die Uhr einen Betreuer an die Seite stellen. Die Zeiten, in denen die Jugendlichen morgens das Heim verlassen mussten und dann tun oder lassen konnten, was sie wollten, sind vorbei. „Der Betreuer ist morgens da, wenn die Jugendlichen aufstehen. Und er ist abends immer noch da, wenn sie ins Bett gehen.“ Der komplette Tag der Problemkids wird durchgeplant. Zeit ohne Aufsicht gibt es nicht. „Wir wollen mit den Jugendlichen eine Vereinbarung treffen. So schreibt es das Gesetz auch vor“, sagt Senator und Wahlkämpfer Bockhahn. Wenn die Jungen und Mädchen Zeit ohne Aufsicht und für sich allein haben wollen, müssen sie sich die erst mal verdienen – durch Zuverlässigkeit, durch Verbindlichkeit und ordentliches Verhalten.

„Diese Eins-zu-eins-Betreuung kostet aber richtig Geld. Das muss uns klar sein“, sagt der Sozialsenator. Zwei Betreuer pro Problem-Kind müsse die Stadt engagieren. „Im Idealfall gelingt es uns aber, die jungen Menschen ans Strukturen zu gewöhnen. Wir kriegen das Ausreißer-Thema in den Griff – und wir unterbinden ganz direkt auch Kriminalität.“ Einziges Manko: Die Jugendlichen müssen dieser Überwachung zustimmen. So schreibt es das Gesetz vor. Im Zweifel, so Bockhahn, könnte die Stadt auch von einem Gericht die Rund-um-die-Uhr-Betreuung anordnen lassen.

Pädagogen wollen die „lange Leine“

Der zweite Weg, den das Amt ausprobieren will, ist das genaue Gegenteil von dem restriktiven „Recht-und-Ordnung-Kurs“: „Die Pädagogen habe sich für ein sehr niedrig-schwelliges Angebot ausgesprochen. Für das so genannte ,Bett ohne Bedingungen’“, erklärt Bockhahn. Im Klartext: Die Erzieher wollen den Problemkids sogar noch mehr Freiheiten geben. Sie sollen einen Platz zum Schlafen haben und ansonsten sich selbst überlassen bleiben – und so lernen, mit Freiheit umzugehen. Regelverstöße seien dabei in einem gewissen Rahmen zu akzeptieren. „Aber wir wollen zeitgleich die aufsuchende Sozialarbeit ausbauen, mehr Streetworker einsetzen. Die sollen die Jugendlichen aufsuchen und in der Freizeit begleiten“, sagt Bockhahn. „Auch dafür brauchen wir mehr Personal und mehr Geld.“

Land berät über neue Wege

Offiziell sagt Bockhahn, er wolle beide Wege ausprobieren. Nach OZ-Informationen hat er sich intern aber klar für die restriktive Rund-um-die-Uhr-Betreuung ausgesprochen. Begründung: Das Fehlverhalten der „Systemsprenger“ sei längst nicht mehr nur ein erzieherisches Problem mit einigen wenigen Jugendlichen, sondern ein Thema für die gesamte Stadtgesellschaft. „Wir wollen die konkreten Konzepte Mitte Februar in der Arbeitsgruppe vorstellen und schon jetzt das Gespräch mit den Betreibern der Heime suchen, wie viel Personal sie zusätzlich benötigen“, so der Senator. Bis zum Sommer sollen die neuen Konzepte umsetzungsreif sein. Anfang Februar wird es zu dem Thema zudem eine Beratung in Schwerin geben: „Denn Problemkids sind landesweit ein Thema. Das Ministerium arbeitet an einer gemeinsamen Lösung für ganz MV.“

Andreas Meyer

Der Skandal um die Unimedizin in Rostock zieht weiter Kreise: Bildungsministerin Birgt Hesse (SPD) sagt, es habe keine Sonderboni für Manager der Uniklinik Rostock gegeben. Aus der Opposition werden hingegen Stimmen laut, die den Rücktritt Hesses fordern.

25.01.2019

Die Ferdinand-Schulz-Nachfolger Fördertechnik GmbH vertreibt die neuen Streetscooter der Deutschen Post in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem mittelständische Unternehmen und Kommunen sollen angesprochen werden.

24.01.2019

Der Schauspieler, Musiker, Regisseur und Produzent geht mit seinem Debütalbum „Weinen Lachen Tanzen“ erneut auf Tournee. Am 1. Februar kommt der Musiker und Schauspieler nach Rostock in die Stadthalle.

24.01.2019