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Rostock Rostock plant Hochhäuser gegen Wohnungsnot
Mecklenburg Rostock Rostock plant Hochhäuser gegen Wohnungsnot
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06:00 28.11.2018
Zugegeben: So wird Rostock wohl nie aussehen. Aber die Hansestadt plant gegen die Wohnungsnot nun den Bau von Hochhäusern an der Warnow. Quelle: Benjamin Barz (Montage), Ove Arscholl, Andreas Meyer (Fotos)
Rostock

Das höchste (Wohn-)Gebäude der Hansestadt – es ist 77 Meter hoch, gehört der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Wiro und dominiert die Silhouette Rostocks. Jedenfalls aus der Ferne gesehen. Doch schon bald könnte das Hochhaus an der August-Bebel-Straße Konkurrenz bekommen: Sozialsenator und OB-Kandidat Steffen Bockhahn (Linke) und sein Senatskollege Holger Matthäus (Bauen & Umwelt, Grüne) wollen, dass die Hansestadt in den Himmel wächst. „Wenn wir unsere Wohnungsnot effektiv und kostengünstig lösen wollen, müssen wir über neue Hochhäuser nachdenken“, sagt Matthäus. Unterstützung bekommen die beiden auch von der SPD – von Experten aus der Landtagsfraktion.

Amt sucht Standorte

Schon seit knapp zwei Jahren sind neue Hochhäuser ein Thema in der Verwaltung: „Damals hatte die WG Union gerade ihre Pläne für den Bau eines 66 Meter hohen Wohnturms in Lütten Klein vorgestellt“, sagt Bausenator Matthäus. Die Idee für das Areal der einstigen Allende-Klinik hat sich mittlerweile zerschlagen, die Genossenschaft hat die Fläche verkauft und der neue Eigentümer will lieber „klassisch“ bauen. Doch in den Ämtern sind neue Hochhäuser seitdem ein Thema: „Wir arbeiten einem Hochhaus-Konzept für Rostock“, sagt Monika Fritsche, stellvertretende Leiterin der Rostocker Stadtplanung. Das Amt lässt untersuchen, wo neue Türme möglich wären – und will diese Flächen dann gezielt Investoren für den ganz hohen Hochbau anbieten.

Matthäus hat schon ein paar Ideen, wo aus seiner Sicht Hochhäuser passen könnten: „In der Südstadt zum Beispiel wären Hochhäuser vorstellbar.“ Zwischen Bahnhof und Stadthalle plant die OstseeSparkasse bereits ein solchen „Tower“ – für eine Jugendherberge und eine neue Bankzentrale. „Dort passt es aus meiner Sicht“, sagt der Bausenator. Auch auf dem Gelände des ehemaligen Dieselmotorenwerks Rostock (DMR) und den angrenzenden Parkplätzen (ebenfalls Südstadt), an der Spitze des Werftdreiecks oder Rand des Iga-Parks in Schmarl (zwischen der Grünanlage und dem S-Bahnhof Groß Klein) seien große Wohntürme vorstellbare. „Da könnten wir auch ruhig mal 18, 19 oder 20 Stockwerke nach oben bauen.“ Der Vorteil aus seiner Sicht: „Wenn wir in diesen Bereichen bauen, ist die Infrastruktur bereits vorhanden. Wir müssten keine neuen Strom- und Wasserleitungen verlegen, keine neuen Straßen bauen und keine Bahnlinien.“

Billigere Mieten, weniger Fläche

Ob es gleich 20 Geschosse sein müssen – das weiß Sozialsenator Steffen Bockhahn noch nicht so genau. Aber auch er ist dafür, in die Höhe zu bauen. Das ist Teil seiner Ziele, sollte er Ende Mai 2019 zum neuen Oberbürgermeister gewählt werden. „Fakt ist, wir diskutieren seit Jahren, wo wir bauen können – und wir diskutieren, wer dafür Flächen aufgeben muss.“ In die Höhe zu wachsen, könnte aus Bockhahns Sicht zwei Probleme lösen: „Wir brauchen bei Hochhäusern wenig Grundfläche, um viel Wohnraum zu schaffen. Wenn wir das konsequent zu Ende denken, können wir unseren Flächenbedarf minimieren – und so zum Beispiel Grünanlagen oder Kleingärten schützen.“ Und außerdem: Bei Hochhäusern seien die Baukosten im Idealfall geringer als bei „normalen“ Wohnblöcken – weil die Investoren mehr Wohnungen auf kleiner (Grund-)Fläche schaffen können. „Vorstellbar ist also auch, dass Hochhäuser ein Weg zu bezahlbaren Mieten sein könnten.“

Noch lieber aber will Bockhahn an vorhandenen Standorten aufstocken – und auch diese Idee teilt er mit Bausenator Matthäus: „Wir müssen auch darüber nachdenken, ob wir bestehenden Gebäude aufstocken. Ob wir auf Häuser, die bisher vier Geschosse haben noch ein fünftes bauen.“ Die Wiro mache das derzeit in der Südstadt vor, so Matthäus. „Das ist vergleichsweise günstig und hat auch für die Mieter, die jetzt schon in den Häusern wohnen, einen Vorteil: In der Regel bauen die Vermieter beim Aufstocken auch gleich einen Fahrstuhl ein und machen so das ganze Haus barrierefrei.“ Bockhahn denkt beim Aufstocken aber nicht nur an Wohnhäuser: „In Berlin, Frankfurt am Main, München ist es längst gängige Praxis, dass auch auf Supermärkten Wohnungen entstehen. Auf die Flachdächer der Märkte werden dann noch ein, zwei Geschosse gebaut. Da haben auch die Eigentümer was von.“

Unterstützung aus Schwerin

Die Rostocker Senatoren bekommen für ihren Hochhaus-Vorstoß Rückendeckung aus Schwerin: „Ich habe mich eher gewundert, dass Rostock beim Thema Hochhäuser bisher so zurückhaltend war. Wir haben wenige freie Flächen – aber viele Neubau-Blöcke, die sich nach oben ausbauen ließen“, sagt auch der baupolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, der Rostocker Abgeordnete Rainer Albrecht. „An vielen Stellen ließe sich problemlos ein sechstes Geschoss auf die Blöcke bauen. Samt Fahrstuhl. Bisher war Rostocks Bauamt in diesem Punkt aber sperrig.“ In Dierkow sei einer Wohnungsgenossenschaft ein solches Projekt verweigert worden, in Schmarl durfte eine andere Genossenschaft nur vier Stockwerke bauen – „obwohl dort problemlos auch fünf oder sechs denkbar gewesen wären“, sagt Albrecht. Auch er verspricht sich vom „Hochbau“ bezahlbare Mieten: „Ich hätte gerne das Hochhaus in Lütten Klein gehabt. Fakt ist, Rostock braucht solche Leuchttürme, wenn wir nicht mehr und mehr Grün vernichten wollen. Als Land können wir aber immer nur darauf hinweisen, auch mal darüber nachzudenken, in den Himmel zu wachsen.“

In der Wohnungswirtschaft ist das längst angekommen: Andreas Breitner, Direktor des Verbandes Norddeutscher Wohnungsunternehmen, forderte unlängst bei einer Sitzung in Travemünde den Bau von Hochhäusern gegen die Wohnungsnot in den großen Ostseestädten Kiel, Lübeck und Rostock. „Ich plädiere für die Renaissance des Hochhauses“, sagte Breitner. Lübeck hat sein Ansinnen bereits unisono abgelehnt, Rostock hingegen denkt groß.

Keine Pläne in den anderen Städten

In den anderen Großstädten des Landes hingegen sind Hochhäuser überhaupt kein Thema – im Gegenteil: Im Schweriner Stadtteil Neu Zippendorf werden aktuell zwei Hochhäuser sogar zurückgebaut. Über den Bau eines Zehn-Stockwerke-Wohnhauses am Ziegelsee gibt es kontroverse Debatten. „Bei uns ist die Lage am Wohnungsmarkt weniger angespannt als in Rostock“, sagt Stadtsprecherin Michaela Christen. Auch Stralsund erteilt dem Bau neuer Hochhäuser eine Abfuhr: „Wir sind bei diesem Thema sehr zurückhaltend“, sagt Rathaus-Sprecher Peter Koslik. Ein Grund: Stralsund ist Unesco-Weltkulturerbe. Neue Bauten, die höher als 22 Meter sind, könnten die Silhouette und den begehrten Titel gefährden. „In der Regel begrenzen wir Neubauten auf vier oder fünf Geschosse.“ Auch aus Wismar heißt es: „Der Bau von Hochhäuser ist bei uns kein Thema“, so Pressesprecher Marco Trunk. Die Hansestadt wachse zwar auch, entwickle derzeit aber vor allem Baugebiete für Einfamilienhäuser.

Andreas Meyer

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