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Rostock Rostock rüstet gegen Hacker auf
Mecklenburg Rostock Rostock rüstet gegen Hacker auf
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00:00 04.12.2017
Die dunkle Gefahr aus den Tiefen des Internets: Verwaltung, Versorger und Behörden in Rostock rüsten gegen Kriminelle aus dem World Wide Web auf. Dabei geht es nicht mehr nur darum, Daten zu schützen (Symbolbild). Quelle: Foto: Ove Arscholl
Stadtmitte

Die Angreifer wissen vermutlich nicht mal genau, wo Rostock liegt. Aber sie wissen, wie sie in der Hansestadt sensible Daten stehlen, Stromnetze oder auch die Wasserversorgung lahmlegen können – über das Internet: Bei Behörden und auch Versorgern in der Hansestadt wächst die Angst vor großen Cyber-Attacken, vor Hacker-Angriffen auf kritische oder gar lebenswichtige Systeme. Deshalb rüsten sie jetzt auf: Die Stadtwerke und die Stadtverwaltung, aber auch die Landesregierung und der Wasserversorger Eurawasser wollen ihre Technik stärker denn je vor Bedrohungen von außen schützen. Wie genau das gehen soll – darüber schweigen die Akteure aber.

Stadtwerke, Eurawasser und auch das Rathaus investieren in den Schutz ihrer Computersysteme: Denn die Zahl der Angriffe aus dem Internet nimmt weiter zu – vor allem per E-Mail.

Unsere Strom-, Gas- und Wärmenetze zählen zur kritischen Infrastruktur. Deshalb haben wir aufgerüstet.Thomas Schneider

Sprecher Stadtwerke

Stadtwerke: „Verstärkte Cyber-Attacken“

Spätestens seitdem Hacker vor rund zwei Jahren in das Computernetz des Deutschen Bundestages eindrangen, steht das Thema „Internet-Sicherheit“ bei den Behörden ganz oben auf der Agenda. Im jüngsten Lagebericht von August 2017 spricht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) von einer „weiterhin auf hohem Niveau angespannten Gefährdungslage“. Die Landesregierung teilt diese Sicht – und das nicht nur für staatliche Stellen: Vor allem die hohe Dunkelziffer bei den Angriffen auf die Privatwirtschaft bereite dem Infrastrukturministerium Sorgen, so Sprecherin Renate Gundlach.

Die Stadtwerke Rostock AG etwa meldet „verstärkte Cyber-Attacken“. „Wir haben unsere Technologien überprüft und angepasst, ein komplett neues Informations-Sicherheitsmanagement aufgebaut“, sagt Unternehmenssprecher Thomas Schneider. „Unsere Anlagen der Strom-, Gas- und Wärmeversorgung zählen zur kritischen Infrastruktur.“ Deshalb müssten sie auch in der digitalen Welt besonders geschützt werden. Details nennt Schneider nicht. Die große Angst bei den Stadtwerken: Von außen knackt jemand das System und schaltet in ganz Rostock den Strom ab. Chaos wäre die Folge.

Eurawasser sucht Schwachstellen

Auch Peer Steinbrückner, Sprecher des Rostocker Wasserversorgers Eurawasser, ist bei dem brisanten Thema Internet-Sicherheit zugeknöpft. Nur so viel sagt er: Ja, die Anlagen von Eurawasser ließen sich auch aus der Ferne steuern, und genau deshalb habe das Unternehmen aufgerüstet. „Wir haben in den vergangenen Jahren regelmäßig in die IT-Sicherheit investiert, um unsere Systeme an die sich verändernde Bedrohungslage anzupassen.“ Dazu zählten zum Beispiel „intelligente Firewalls“ – Programme, die Angriffe von außen selbstständig erkennen und ein System dann abriegeln, damit niemand aus der Ferne Rostock den (Wasser-)Hahn abdrehen kann. Der Mutterkonzern von Eurawasser, die Remondis-Gruppe, habe zudem personell aufgestockt: „Die IT-Sicherheit sucht Schwachstellen in unseren Systemen und behebt sie.“ Auch das Rostocker Kraftwerk vertraut auf das Wissen und die Sicherheit eines Großkonzerns: „Wir sind in das Sicherheitsmanagement der EnBW AG integriert“, sagt Kraftwerkssprecherin Jana Hinz.

Hunderttausende gefährliche Mails pro Tag

In der Landesregierung befassen sich gleich mehrere Stellen und Ministerien mit der Daten- und Systemsicherheit. Bereits 2015 wurde deshalb eine Sondereinheit für digitale Angriffe auf die Regierung gegründet: „Vier Mitarbeiter sind dort dauerhaft mit der Abwehr von Angriffen beschäftigt – zwei aus dem Infrastrukturministerium und zwei aus dem Datenverarbeitungszentrum MV“, sagt Renate Gundlach, Sprecherin des zuständigen Ressorts von Minister Christian Pegel (SPD). „Im Bedarfsfall können weitere Experten hinzugezogen werden – zum Beispiel Cybercrime-Experten und IT-Forensiker des Landeskriminalamtes.“

Die größte Gefahr gehe derzeit, so Gundlach, von E-Mails aus – sogenannten Spam-Mails, die mit Viren oder Schadprogrammen belastet sind. Das Ziel: die Rechner der Empfänger infizieren, ausspionieren und fernsteuern. „Im September 2017 erreichten im Durchschnitt zwischen 190 000 und 750000 E-Mails pro Tag die Landesregierung. 94 Prozent davon wurden als gefährlich erkannt und von unseren Systemen abgewiesen“, so Gundlach. Bisher scheinen die Vorsichtsmaßnahmen zu funktionieren: „IT-Angriffe auf kritische Infrastrukturen sind uns nicht bekannt“, sagt Anna Herrmann, Sprecherin des Landeskriminalamtes.

Rettungsleitstelle hat Ersatzsysteme

Die Hansestadt Rostock hat „aufgrund der letzten Hacker-Aktivitäten“ eine „Sondereinheit“ zum Schutz ihrer Computersysteme gegründet – „damit wir schnell auf Angriffe reagieren können“, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Diese Koordinierungsstelle habe in den vergangenen Jahren verschiedenste Szenarien durchgespielt und Gegenmaßnahmen geprobt. Auch aus Sicht der Stadt geht die größte Gefahr von E-Mails aus – zum Beispiel von solchen, die Spionageprogramme, „Trojaner“ genannt, in die Netze der Hansestadt einschleppen. „Es gibt immer wieder Versuche, unsere Systeme zu kompromittieren, Informationen abzugreifen oder Rechner arbeitsunfähig zu machen“, sagt Kunze.

Schon jetzt werde ein Großteil der Kommunikation verschlüsselt – zum Beispiel die Sprachkommunikation des Brandschutz- und Rettungsamtes oder auch die Datenübermittlung im Pass- und Meldewesen zur Bundesdruckerei. Das größte Augenmerk liegt bei der Stadt auf dem Schutz des Brandschutz- und Rettungsamtes: Damit auch im Fall eines erfolgreichen Hacker-Angriffs Feuerwehr und Rettungsdienst funktionieren, habe das Amt mehrere „Rückfallebenen“. Im Klartext: Fällt das digitale Netz aus, greift die Feuerwehr wieder auf das analoge, autonome Funksystem zurück.

Andreas Meyer

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