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Rostock Rostock schnüffelt Hundehaltern hinterher
Mecklenburg Rostock Rostock schnüffelt Hundehaltern hinterher
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00:00 22.03.2013
Stadtmitte

Hunde schnüffeln ja gern, sei es an Laternenmasten, Häuserwänden oder den Hinterteilen von Artgenossen. Seit dieser Woche sind die Rostocker Vierbeiner allerdings selbst Ziel einer menschlichen Schnüffelaktion. Im Auftrag der Stadtverwaltung klingeln 20 Mitarbeiter einer Dienstleistungsfirma an allen Haustüren der Hansestadt, um Hundehaltern auf die Spur zu kommen, die ihren Liebling nicht bei der Steuer angemeldet haben. Der Grund: „Wir gehen davon aus, dass jeder fünfte Hund in Rostock keine Steuermarke hat“, sagte Stadtsprecher Ulrich Kunze gestern. Von der Aktion erhoffe man sich pro Jahr „einen höheren fünfstelligen Betrag“.

Der Auftrag ging an die Firma Springer Kommunale Dienste mit Sitz in Düren (Nordrhein-Westfalen), die vor allem Rentner und Studenten aus Rostock engagierte. „Die Mitarbeiter werden pro befragtem Haushalt bezahlt“, sagt Projektleiterin Gaby Kulartz. „Dabei ist sichergestellt, dass der Rostocker Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde erreicht wird.“

Vor ihrem Einsatz wurden die Befrager darin geschult, wie sie sich verhalten sollen und was sie fragen dürfen. Und dabei seien enge Grenzen gesetzt, betont Kulartz: „In den Haushalten wird nur abgefragt, ob ein Hund gehalten wird und ob er gemeldet ist.“ Genauere Nachfragen sind nicht erlaubt, auch wenn sich ein Verdacht ergibt: Wenn etwa ein Hundenapf im Flur steht oder im Hintergrund ein Bellen zu hören ist, müssen ihre Mitarbeiter das ignorieren. „ Das ist eine Befragung und keine Detektivarbeit“, sagt Kulartz.

Nur wenn ein Hund dem Befrager wirklich vor die Füße laufe und der Bewohner abstreite, dass er ihm gehöre, dürfe ersterer das melden, erklärt Angelika Peters, Abteilungsleiterin Steuern im Rostocker Finanzverwaltungsamt. „Wir schreiben die Person dann an und bitten um Klärung. Wenn das nicht glaubhaft geschieht, werden unsere eigenen Kontrolleure aktiv.“ Und dann muss der Halter doch noch zahlen. Allerdings wird die Stadt erst nach Ende der Befragung am 21. Juni selbst aktiv. Die Aktion sei vorher mit dem Landesbeauftragten für Datenschutz abgeklärt worden, sagt Peters. „Bedingung war, dass nur die Daten von Hundehaltern erhoben werden dürfen, nicht von allen Bürgern.“

Ob sich der ganze Aufwand lohnt, wird sich erst im kommenden Jahr zeigen, denn die zusätzlichen Einnahmen der ertappten Steuersünder sollen in diesem Jahr wohl komplett an die beauftragte Firma fließen. Stadtsprecher Kunze wollte dies allerdings nicht bestätigen. In anderen Städten haben sich solche Überprüfungen schon ausgezahlt: Im baden-württembergischen Stuttgart hat man gute Erfahrungen gemacht. „Bei uns wurden 1900 Hunde nachträglich gemeldet“, sagt Sprecher Sven Matis. „Das brachte uns Mehreinnahmen von 200 000 Euro.“ Im thüringischen Erfurt war man sogar positiv überrascht: „Mehr als 1000 Hunde wurden neu erfasst, wir hatten nur mit der Hälfte gerechnet“, sagt Kämmerer Alfred Müller. 122 000 Euro werden nun pro Jahr zusätzlich in die Stadtkasse gespült.

Axel Büssem

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