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Rostock setzt auf Superreiche

Stadthafen Rostock setzt auf Superreiche

Um den Stadthafen zu beleben, will die Hansestadt Milliardäre und ihre Mega-Yachten locken

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Im Sommer 2014 lag die 50-Millionen-Dollar-Yacht „Souvereign“ im Rostocker Stadthafen. Bald könnten hier noch mehr Luxus-Schiffe festmachen.

Quelle: Foto: Frank Söllner

Stadthafen. Sie soll 50 Millionen US-Dollar gekostet haben und lockte scharenweise Neugierige an die Kai-Kante: Als im Sommer 2014 die „Sovereign“, die 55 Meter lange Luxusyacht eines bis heute unbekannten Superreichen, im Stadthafen festmachte, war sie für einige Tage die neue Attraktion Rostocks. „Das Schiff war ein echter Hingucker. Und Geld hat es der Stadt auch noch gebracht“, sagt Andreas Schubert aus dem Amt für Stadtentwicklung.

 

OZ-Bild

Die Vision für den Stadthafen der Zukunft: Auch ein Mini-Terminal für Kreuzfahrer soll an der Warnow entstehen. ENTWURF: HANSESTADT ROSTOCK

Quelle:
OZ-Bild

„Das Geschäft mit kleinen

Kreuzfahrern und Yachten ist weltweit umkämpft.Christian Hardt

Rostock Port

Geht es nach ihm und seinen Chefs im Rathaus, dann machen solche Schiffe bald wieder häufiger in Rostock fest: Die Hansestadt will in Zukunft mehr Mega-Yachten, Großsegler und vor allem kleine Kreuzfahrtschiffe in den Stadthafen locken – und bekommt dabei Hilfe von der Europäischen Union.

Die Hansestadt ist federführend bei einem neuen EU-Projekt: Gemeinsam mit Wismar und Stralsund, Kaliningrad (Russland), Gdynia und Szczecin in Polen sowie Karlskrona und Kalmar in Schweden soll die Hansestadt konkrete Maßnahmen entwickeln, um die historischen Häfen in den Altstädten an der Ostsee zu beleben. „Und das geht am besten, in dem wir Schiffe und Passagiere in die Häfen holen“, sagt Schubert. Dass Rostock bei dem Projekt, für das es aus Brüssel immerhin 2,2 Millionen Euro gibt, den Ton angibt, sei kein Zufall: Seit Jahren schon ist in der Hansestadt der Stadthafen das große Sorgenkind der Stadtplaner. „Er hat in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung verloren“, so Schubert. Ähnliche Probleme wie Rostock hätten auch viele andere Städte an der Ostsee:

Schiffsverkehr findet in den alten Häfen fast gar nicht mehr statt, stattdessen sind an den Kaikanten Restaurants, neue Wohn- oder Geschäftshäuser entstanden. „Wenn wir die Häfen langfristig als Häfen erhalten wollen, brauchen wir aber Verkehr auf dem Wasser“, so Schubert.

Erst vor wenigen Tagen hat Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) erstmals eine konkrete Vision für die Umgestaltung des Stadthafens vorgelegt – und das Geschäft mit Schiffsgästen spielt dabei eine entscheidende Rolle. „Wir reden seit Jahren darüber, kleine Kreuzfahrer in den Stadthafen zu locken. Aber wirklich weiter gekommen sind wir bisher nicht.“ Das soll sich nun ändern: „Wenn wir das Geschäft mit Yachten und kleinen Luxusliner ankurbeln wollen, geht das nur gemeinsam mit Partnern entlang der Ostsee.“ Schubert träumt nicht nur von kleinen Kreuzfahrtschiffen, sondern auch von Yachten: „Die Lage in Nordafrika und im Mittelmeer ist nach wie vor angespannt. Deshalb wollen wir den Reichen die Ostsee als Alternative schmackhaft machen.“ Welche Maßnahmen in Rostock nötig seien, kann er schon relativ konkret benennen: „Der Stadthafen muss ausgebaggert werden. Wir haben nicht mehr den Tiefgang, den diese Schiffe benötigen.“ Doch über genau diesen Punkt streiten die Hansestadt sowie das Wasser- und Schifffahrtsamt seit Monaten. „Wenn es uns gelingt, dass die Wasserstraße ’Stadthafen’ wieder eine wirtschaftliche Bedeutung hat, dann hat der Bund gar keine andere Wahl als auszubaggern.“ Auch die Stadt muss Geld in die Hand nehmen: Am Stadthafen gibt es keinen Sicherheitsbereich für solche Schiffe, keine Toiletten für die Passagiere und auch keine Möglichkeiten für eine Abfertigung durch den Zoll. Denkbar wäre, so Schubert, der Bau eines Mini-Kreuzfahrtterminals. „Oder wir integrieren diese Einrichtungen in andere Bauten.“ Etwa die geplanten MuseumsNeubauten am Stadthafen. Unterstützung bekommt das Rathaus auch vom Hafenbetreiber Rostock Port. Doch dort warnen die Fachleute vor überzogenen Erwartungen: „Das Geschäft mit kleinen Kreuzfahrern und Luxus-Yachten ist in der Ostsee noch sehr überschaubar – und zudem hart umkämpft“, sagt Christian Hardt, Kreuzfahrt-Koordinator bei Rostock Port. „Wir werben ja bereits auf Messen nicht nur für Warnemünde oder Seehafen – nein, auch für die Innenstadt.“

Noch würden sich viele Reedereien aber scheuen, die Warnow stromaufwärts zu befahren: „Das kostet Zeit und Geld. Denn dafür brauchen die Schiffe Lotsen.“ Und Luxusyachten würden außerdem abgelegene Liegeplätze bevorzugen. „Diese Klientel mag es diskret.“

Andreas Meyer

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