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Rostock Forscher warnen vor Ghettos in MV
Mecklenburg Rostock Forscher warnen vor Ghettos in MV
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Mecklenburg-Vorpommern ist noch immer das Armenhaus von Deutschland, sagt Professor Ulf Groth von der Hochschule Neubrandenburg. Quelle: Reinhard Amler
Rostock

Arm und Reich leben in den großen Städten unseres Landes so getrennt wie kaum irgendwo sonst in der Bundesrepublik. Nach Ansicht von Wissenschaftlern ist in Rostock und Schwerin die Entstehung von Armen-Ghettos besonders stark entwickelt. Das angesehene Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) hat untersucht, wie sich in 74 deutschen Großstädten Einwohner, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, mit Normalverdienern mischen.

Das Ergebnis: In Rostock und Schwerin ist die soziale Spaltung unter allen untersuchten Städten in Ost und West am stärksten ausgeprägt. Diese Entwicklung beschleunigt sich zudem in beiden Städten am schnellsten. In ihnen wachsen außerdem Kinder besonders oft in einer von Armut geprägten Umgebung auf: In Rostock lebt demnach jedes dritte Kind in einer Nachbarschaft, in der mindestens 50 Prozent der Familien von Hartz IV leben.

Lesen Sie den OZ-Kommentar: Plattenbauviertel brauchen endlich mehr Aufmerksamkeit

„Das ist besorgniserregend, vor allem für Kinder“, sagt Ulf Groth, Professor an der Fachhochschule Neubrandenburg. Wer in einer Umgebung groß wird, in der Hartz IV Alltag ist, wird später mit hoher Wahrscheinlichkeit auch so leben, warnt Groth. Überraschend ist das Ergebnis nicht: „MV ist noch immer Deutschlands Armenhaus“. Er fordert mehr Sozialarbeiter in den Brennpunkten: „Es reicht nicht aus, ein Mehrgenerationenhaus ins Viertel zu stellen. Wir müssen richtig Geld in die Hand nehmen.“ Die Folgekosten würden sonst „deutlich teurer“ – wenn aus Tausenden Kindern künftige Sozialleistungsempfänger werden.

Kinderreiche Familien ziehen an den Stadtrand

Im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel, der als Brennpunkt gilt, beobachtet Stadtteilmanager Jens Anders die Entwicklung. In den vergangenen Jahren seien viele kinderreiche Familien und Alleinerziehende hergezogen, die „nur eine geringe Miete zahlen können.“ Noch immer wären Auswirkungen der Nachwendezeit zu spüren, als Besserverdienende wegzogen. Anders sieht aber auch positive Zeichen: In Toitenwinkel sind neue Mietshäuser mit Sozialwohnungen geplant, aber auch Wohnraum für Normalverdiener – was die soziale Durchmischung verbessern würde. Günstige Wohnungen gebe es eigentlich genug, meint Matthias Horn, Referent für Stadtentwicklung im Rostocker Rathaus – nur nicht in der Innenstadt, wo eher die Einwohner mit höheren Einkommen wohnen. „Die räumliche Konzentration in den Plattenbaugebieten ist das Kernproblem“, sagt Horn. Dort würden neue Sozialwohnungen das Problem eher verschärfen, meint er. Eine Lösung könne sein, Studenten und eine „junge kreative Klientel“ anzusiedeln.

Linke: Landesregierung reagiert butterweich

Die Schweriner Regierungskoalition nimmt die Studie zum Anlass, neue Konzepte für den sozialen Wohnungsbau zu entwickeln. Förderinstrumente sollen angepasst werden, heißt es in einem Antrag von SPD und CDU für die nächste Landtagssitzung. Im Gespräch ist der sogenannte Zweite Förderweg, der sich an Mieter mit etwas höheren Einkommen richtet. Die Linke wirft der Regierung vor, bei diesem Thema „butterweich“ zu reagieren. „Warum dauert das so lange“, sagt Eva-Maria Kröger (Linke). Schon seit Monaten beschäftige sich Bauminister Christian Pegel (SPD) damit, ohne Ergebnisse zu liefern.

In Ostdeutschland hat sich die Ghettobildung, in der Fachsprache Segregation genannt, nach Ansicht der WZB-Forscher unterschiedlich stark entwickelt. Rostock und Schwerin sind vor allem wegen ihrer ausgedehnten Neubauviertel in den Außenbezirken stark betroffen. Dresden und Magdeburg dagegen nicht: Dort wurden im Zweiten Weltkrieg die Innenstädte völlig zerstört. Und genau dort entstanden nach 1950 die neuen Wohnungen, und nicht am Stadtrand.

Brodkorbs Zaubertricks

Ausgaben von 30,6 Millionen Euro hat die Schweriner Landesregierung 2018 für den sozialen Wohnungsbau veranschlagt. Damit seien alle Mittel, die der Bund bereitstellt, aufgebraucht, betont Finanzminister Matthias Brodkorb (SPD). Allerdings überweist der Bund weitere, formal nicht zweckgebundene, 21,4 Millionen Euro für den Wohnungsbau, die Brodkorb nicht nennt. Eva-Maria Kröger (Linke) wirft ihm „Täuschung und Zaubertricks“ vor. Große Teile der Wohnungsbau-Millionen fließen seit Jahren in ein Sparvermögen.

Gerald Kleine Wördemann

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