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Mecklenburg Rostock Rostock will Europas Fairtrade-Hauptstadt werden
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15:21 14.03.2018
Marlis Ott (r.) und Elfi Hansen verkaufen im Eine-Welt-Laden in Rostock fair gehandelte Produkte. Weltläden sind allerdings nur ein Nischenmarkt und spielen quantitativ im Fairen Handel eher eine kleinere Rolle. Quelle: Fotos: Ove Arscholl, Privat
Stadtmitte

Rostock möchte die erste europäische Hauptstadt des fairen Handels werden. Schon von 2013 bis 2015 schmückte sich die Stadt mit dem Titel in Deutschland. Jetzt könnte sich die Hansestadt auch europaweit als Vorreiter hervortun und sich um die Auszeichnung „EU-Stadt für fairen und ethischen Handel“ bewerben. Die Europäische Kommission vergibt den Titel für die beiden Jahre 2019 und 2020. Doch dazu muss auch der Verkauf von fair gehandelten Produkten weiter angekurbelt werden.

Bewerbung um EU-Auszeichnung / Mehr fairer Handel in der Hansestadt

Mit der Bewerbung zeigen wir, dass wir aktiv sind.Elisabeth Möser

Fairtrade-Stadt

13 Euro pro Kopf gaben Verbraucher in Deutschland 2016 nach Angaben des Vereins Transfair für Fairtrade-Produkte aus.

Insgesamt waren es 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 18 Prozent.

„Mit der Bewerbung wollen wir zeigen, dass wir aktiv sind und hier etwas passiert“, sagt Elisabeth Möser, Koordinatorin der Fairtrade-Stadt Rostock. Sie arbeitet gerade an der Bewerbung, die im nächsten Monat durch die Bürgerschaft beschlossen und am 13. April abgegeben werden muss. Konkurrenten könnten so Schwergewichte wie Paris oder Hamburg sein. Wie viele Städte sich bei der Premiere bewerben, könne sie nicht sagen.

Unabhängig davon will Rostock das Thema Fairer Handel, durch den sich die Lebensbedingungen für Produzenten in aller Welt nachhaltig verbessern sollen, weiter voranbringen. Eine Steuerungsgruppe aus Ämtern, Unternehmen und Vereinen und Verbänden legte jetzt ein Konzept für die Zeit bis 2020 vor. Ziel ist es, die öffentliche Beschaffung umzustellen, Unternehmen fit für den fairen Handel zu machen und die Bildung in diesem Bereich zu fördern. Die klare Vorstellung ist eine quantitative Absatzsteigerung fair gehandelter Produkte.

Elisabeth Möser freut sich deshalb, dass sich die Bürgerschaft vergangene Woche für die Beschaffung von fair gehandeltem Kaffee und weiteren fairen Produkten sowie von Milcherzeugnissen aus regionaler Herkunft in der gesamten Stadtverwaltung und allen kommunalen Eigenbetrieben und Unternehmen ausgesprochen hat. Kaufe beispielsweise das städtische Klinikum nur noch fair gehandelten Kafee „wäre das bei den Mengen ein Riesenschritt“, berichtet Elisabeth Möser. Kaffee ist laut Verein Transfair der Klassiker unter den Produkten, 17000 Tonnen wurden 2016 verkauft, 25 Prozent mehr als im Jahr davor. Elisabeth Möser kann sich vorstellen, dass das Klinikum als wichtiger Partner auch bei anderen Produkten umstellt.

Das Problem in Rostock sei, berichtet Elisabeth Möser, dass es für die kommunalen Unternehmen keinen zentralen Einkauf gebe. „Das mit dem Kaffee läuft jetzt nach dem Bürgerschaftsbeschluss an.“ Die Fairtrade-Koordinatorin wünscht sich, in einem der Unternehmen ein Pilotprojekt zu starten, um zu ermitteln, in welchen Bereichen konventionelle durch fair gehandelte Produkte ersetzt werden können.

Für die Stadtverwaltung hat Elisabeth Möser auch die kleinen Gastgeschenke oder Schokolade im Blick, die aus nachhaltiger Produktion gekauft werden können. „ Wir sind derzeit mit städtischen Einrichtungen im Gespräch über die Möglichkeiten der Umsetzung einer öko-sozialen Beschaffung.“

Beim Kauf von Berufsbekleidung zum Beispiel für die Stadtgärtner gebe es weitere Möglichkeiten. Die Absätze von Textilien mit fairer Baumwolle gingen 2016 nach Angaben von Transfair zwar um sieben Prozent leicht zurück, gleichzeitig stieg jedoch der Umsatz aufgrund des höheren Anteils von Qualitätsware im Sektor Berufsbekleidung. „Da gibt es einen kleinen Markt, aber das kann durchaus teurer sein“, erklärt Elisabeth Möser. „Es muss ja auch nicht gleich die komplette Ausrüstung sein, vielleicht reicht es ja, mit den Handschuhen zu beginnen.“

Ob Rostock mit seinem Konzept im europaweiten Wettbewerb mithalten kann, lässt sich nicht im voraussagen. „Wichtig ist, dass wir ein Signal setzen.“ Die Preisverleihung findet am 27. Juni statt.

Neben dem Hauptpreis lobt die EU- Kommission auch mehrere Sonderpreise aus, die sich mit Beschaffungspolitik, Innovation und externer Kooperation auseinandersetzen.

Thomas Niebuhr

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