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Rostock Rostock wird modernster Werft-Standort der Welt
Mecklenburg Rostock Rostock wird modernster Werft-Standort der Welt
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19:57 28.11.2018
Die Schiffbauer Ralf Golzer (l.) und Jens Wegner setzen Profile auf ein Deck. Quelle: Ove Arscholl
Warnemünde

Michael Scheffsky steht am Rande des riesigen Baudocks und blickt auf das, was einmal das größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff werden soll. Scheffsky lächelt: „Ich habe alles richtig gemacht“, sagt er, Bauleiter bei den MV Werften in Rostock. 1985 hat er als Schiffbauer in Warnemünde angefangen. „Ich habe die Insolvenz und jeden Eigentümerwechsel mitgemacht – weil ich nie den Glauben an den Schiffbau in MV verloren habe.“ Jetzt wird Scheffsky für diese Treue „belohnt“: „Seine“ Werft wird zu einem der modernsten Schiffbau-Standorte der Welt. Am Mittwoch haben die MV Werften ihr bis dato größtes Neubauvorhaben offiziell in Betrieb genommen – die Schiffbau-Halle 11 in Warnemünde samt der modernsten Schweißanlage der Welt. 100 Millionen Euro hat allein dieses Vorhaben gekostet.

Riesiger Bau, wenig Personal

Die reinen Zahlen zu der neuen Halle sind beeindruckend: 400 Meter ist der Bau lang. 17 000 Kubikmeter Beton und 4000 Tonnen Stahl wurden im vergangenen Jahr verbaut. Innen drin ist es frostig kalt – und dennoch arbeitet die Präzisionstechnik aus Finnland seit Mittwoch ohne Probleme: Auf der sogenannten Laser-Paneellinie schweißt eine Anlage des Herstellers Pema sogenannte Dünnbleche millimetergenau zusammen. Gerade mal zwölf Mitarbeiter sind noch vonnöten, um die Anlage zu steuern und zu bedienen. Sinn und Zweck: Um die ehrgeizigen Zeitpläne für den Bau der 342 Meter langen Global-Class-Schiffe einhalten zu können, müssen ganze Sektionen vorgefertigt werden – in kürzester Zeit. Die neue Laseranlage fertigt bis zu 25 x 11 Meter große Teile. „Schnell und in höchster Qualität“, betont Projektleiter Frank Politz. „Wenn wir uns der Konkurrenz im Kreuzfahrt-Schiffbau stellen wollen, müssen wir effizient bauen. Das ermöglicht diese Anlage.“

In einem anderen Teil der neuen Halle sollen dann komplette Sektionen der neuen Schiffe zusammengefügt und ausgerüstet werden. Knapp 135 Mitarbeiter werden in diesem Bereich arbeiten. Gut die Hälfte aller Stahlteile für die neuen Riesen-Schiffe sollen dort entstehen, erklärt Tan Sri Lim Kok Thay, Vorstandsvorsitzender der Genting-Gruppe. „Die neue Anlage ermöglicht es uns, effektiv und zu geringen Kosten zu produzieren.“ Der Werft-Standort Warnemünde werde zu einem Beispiel für die „Industrie 4.0“ in Deutschland – automatisiert, effektiv, präzise. „Nur zweieinhalb Jahre, nachdem wir die Werften in MV gekauft haben, haben wir bereits vier Flusskreuzfahrtschiffe gebaut. Mitte 2019 wird in Stralsund das luxuriöseste Expeditionsschiff der Welt zu Wasser gelassen. Und nur einen Monat später geht die Mittelsektion des ersten Global Class-Schiffes auf Reise von Rostock nach Wismar. Das werden die Schiffe mit der höchsten Qualität weltweit – die sichersten und innovativsten zudem.“ Eine Bilanz, die auch den Arbeitern auf den Werften Mut macht.

„Wir alle sind begeistert“

Im Baudock in Warnemünde werden bereits die riesigen Schiffsteile, die in Wismar zum „großen Ganzen“ zusammengefügt werden sollen, ausgerüstet. „Einige Segmente haben wir aus Zeitgründen von Partnern in Polen und Litauen bauen lassen“, sagt Klaus Paschen, Leiter der Endfertigung in Warnemünde. „Wir bauen jetzt alles ein, was wir schon einbauen können.“ Abwasser-Aufbereitungsanlagen wurden schon angeliefert, ein System zur Müllverbrennung an Bord ebenfalls. Gebaut wird unter freiem Himmel im Dock, nur zum Teil in der großen Schiffshalle. „Die ist nicht hoch und nicht lang genug für das fertige Mittelschiff“, so Paschen. „Ein Glück, das Wetter spielt mit.“ Er ist seit 2011 auf der Werft. Nun zu sehen, dass in Warnemünde wieder richtige, große Schiffe entstehen – „das ist ein tolles Gefühl. Endlich bauen wir wieder rund und nicht nur eckig.“ Mit „eckig“ meint er die Konverterplattformen für Offshore-Windparks, die vom vorherigen Eigentümer der Werft gebaut wurden. „Für Schiffbauer sind aber Schiffe das Nonplusultra. Was jetzt passiert, begeistert uns alle.“

Die MV Werften haben am Mittwoch ihre neue, 400 Meter lange Produktionshalle 11 in Rostock-Warnemünde in Betrieb genommen – und die modernste Schweißanlage der Welt.

Michael Scheffsky sieht das genauso: Seit 2004 ist er Bauleiter auf der Werft, seit 1. Januar 2018 bei den MV Werften. „Ich hatte auch Gänsehaut, als die Plattformen zu Wasser gelassen wurden. Aber wenn unser Mittelteil für die Global Class auf Reisen geht – das wird noch mal viel emotionaler.“ Schon sein Vater habe auf der Werft gearbeitet. „Natürlich erfüllt es einen mit Stolz, so riesige Schiffe zu bauen. Ich habe hier gelernt, ich wollte nie weg.“ Nur ein einziges Mal, im Insolvenzjahr 2009, musste er zwei Monate zu Hause bleiben. Das war hart für Scheffsky. Nun aber ist alles richtig gut.

Eine Milliarde bereits investiert

Insgesamt eine Milliarde Euro hat die Genting-Gruppe bereits für ihren neuen Schiffbau-Standort im Nordosten ausgegeben, sagt Werft-Sprecher Stefan Sprunk. Mehr als 300 Millionen Euro seien in neue Anlagen und Technik geflossen – in die Halle 11 in Rostock, in die Kabinenfertigung in Wismar und viele weitere Vorhaben. „Wir haben mehr ausgegeben, als wir ursprünglich geplant hatten“, räumt Werften-Chef Peter Fetten ein. „Aber wir wollen die besten Kreuzfahrt-Schiffe der Welt bauen.“ Die Ausgaben seien deshalb nötig gewesen. Seit zwei Jahren werden zudem die Mitarbeiter bezahlt, Material musste gekauft und geordert werden. „Wir sind jetzt schon dabei, Teile für das zweite Global-Schiff zu kaufen“, so Sprunk. Für den ersten Riesen „made in MV“ stehen in Warnemünde schon die sechs riesigen Schiffsdiesel von MAN bereit. Gelbe Ungetüme.

Doch auch die MV Werften stellen schon jetzt die Weichen, künftig Kreuzfahrt-Schiffe zu bauen, die nicht mit Schweröl oder Schiffsdiesel fahren – sondern umweltfreundlicher unterwegs sind: Werft-Sprecher Sprunk bestätigt, dass auch in Wismar, Rostock und Stralsund an Konzepten für Antriebe mit dem emissionsärmeren Flüssiggas LNG gearbeitet werde. „Ja, das dritte Global-Schiff könnte schon einen LNG-Antrieb bekommen. Wir sind aber noch in einer sehr frühen Design-Phase.“ Damit würde Rostock endgültig zu dem Standort für saubere Kreuzfahrten werden: Das erste komplett mit LNG-betriebene Kreuzfahrtschiff der Welt wird die „Aidanova“ der Rostocker Reederei Aida Cruises. Der Motor wurde bei Caterpillar an der Warnow gebaut, das komplette Maschinen-Segment des Schiffes auf der Neptun Werft. Ebenfalls in Warnemünde.

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