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Rostock Rostock wird zum Atom-Drehkreuz
Mecklenburg Rostock Rostock wird zum Atom-Drehkreuz
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11:27 14.04.2018
Das Brennelemente-Lagerbecken im Kernkraftwerk Geesthacht bei Hamburg: Ein großer Teil des Kernbrennstoffs für Europas Reaktoren wird über Rostock verschifft (Symbolbild). Quelle: Bodo Marks/dpa
Rostock

Der Rostocker Seehafen wächst – allerdings nicht nur im Geschäft mit Papier, Stückgut und anderen „harmlosen“ Waren: Die Hansestadt entwickelt sich mehr und mehr zu der europäischen Drehscheibe für Atom-Transporte. Seit 2011 wurde mehr als 260 Mal meldepflichtige nukleare Fracht im Seehafen umgeschlagen. Und diese Zahl könnte in Zukunft noch deutlich steigen: Denn Bremen kämpft vor dem Bundesverfassungsgericht für ein Verbot nuklearer Fracht in seinen Häfen, in Emden darf schon jetzt keine radioaktive Ware mehr über die Kaikanten gehen, und nun haben in Hamburg zwei große Hafenbetreiber einen freiwilligen Verzicht auf Atom- Fracht erklärt. „Die Gefahr ist groß, dass noch mehr dieser Transporte nun auf Rostock ausweichen werden“, sagt Rostocks Grünen-Chef Uwe Flachsmeyer.

270 Atom-Transporte seit 2011

Während Deutschland bereits 2011 den Atom-Ausstieg beschlossen hat, rüsten andere Länder in Europa auf: In Frankreich, Finnland, der Türkei und Weißrussland sind neue Kernkraftwerke im Bau. Bei der Versorgung der Reaktoren mit Brennstoff spielt Rostock schon jetzt eine zentrale Rolle. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Links- Fraktion um den Rostocker Bundestagsabgeordneten Dietmar Bartsch hervor. Exakt 260 Atom-Transporte via Rostock über die Ostsee listet die Regierung für die Zeit von Januar 2011 bis zum März 2018 auf. Von Hamburg aus waren es im selben Zeitraum nur 77.

Drehscheibe für Brennelemente

Gemeint sind damit aber nicht hoch radioaktive Abfälle oder sogenannte „Castoren“: Laut Transportlisten des Bundes werden über Deutschlands größten Ostseehafen hauptsächlich neue, frische Brennstäbe verschifft. Rostocks Ordnungssenator Chris Müller- von Wrycz Rekowski (SPD) spricht von „schwach radioaktivem Material“. Fast alle Transporte laufen über die Fährlinie nach Trelleborg, werden von Stenalines befördert. Die Brennelemente stammen aus einer Atom-Fabrik bei Stockholm. Insgesamt 18 Kernkraftwerke in Frankreich, der Schweiz und Deutschland sind seit 2011 von Rostock aus beliefert worden. Aber auch in andere Richtung laufen die Transporte: Brennstäbe aus Lingen werden nach Schweden und Finnland verschifft. Und: 54 Mal wurde Uranhexafluorid verladen. Der Stoff wird unter anderem für den Bau von Atomwaffen verwendet.

Stadt und Land können Transporte nicht verbieten

Im Rostocker Seehafen ist bisher nur der Transport von Atom-Müll verboten. Brennstäbe aber dürfen verschifft werden: „Rostock Port hat als öffentlicher Hafenbetreiber keinen Einfluss auf bundesbehördlich genehmigte Gefahrguttransporte und kann diese nicht untersagen“, so Hafen-Sprecher Christian Hardt. „Ob sich ein Verzicht Hamburgs auf die Zahl der Atom-Transporte in Rostock auswirkt, können wir heute noch nicht sagen“, heißt es aus dem Schweriner Innenministerium. Senator Müller-von Wrycz Rekowski sagt: „Wir sind als Stadt an den uns vorgegebenen Rechtsrahmen gebunden.“

Andreas Meyer

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