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Rostock Rostocker 24-Stunden-Kita gerettet
Mecklenburg Rostock Rostocker 24-Stunden-Kita gerettet
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06:30 27.11.2018
Patrick Stritz ist Koordinator der 24-Stunden-Kita im Komponistenviertel – und macht den kleinen „Übernachtungsgästen“ auch die Betten. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Anfangs lief es schleppend an. Daraus macht Patrick Stritz auch gar keinen Hehl. „Als wir vor drei Jahren gestartet sind, hatten wir vielleicht eine Übernachtung im halben Jahr“, sagt der Koordinator der ersten Rostocker 24-Stunden-Kita. „Doch mittlerweile haben wir fast jeden Tag und auch jedes Wochenende Kinder, die über Nacht bei uns bleiben – weil ihre Eltern arbeiten müssen.“ Die gute Nachricht für die Berufstätigkeiten im Schicht- und Nachtdienst: Das Pilotprojekt in der Hansestadt ist aus Sicht des Betreibers ein Erfolg. Und: Die Finanzierung für die Zukunft ist gesichert. Die Stadt springt ein.

Idee spaltete die Stadtpolitik

Als die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP) vor knapp vier Jahren den Anlauf nahm, eine 24-Stunden-Kindertagesstätte aufzubauen, waren die Debatten noch groß: In der Bürgerschaft gab es zwar schnell eine Mehrheit für das Vorhaben, doch die Stadtverwaltung hatte Bedenken. Allen voran Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Selbst das Innenministerium mischte sich ein, warb für eine Rund-um-die-Uhr-Kita – damit die Kinder von Polizisten auch bei Nachtdiensten betreut sind. Vom Bund gab es für das Vorhaben eine Förderung. Immerhin knapp 200 000 Euro stellte Berlin für die ersten drei Jahre in Aussicht.

Und nach dem zögerlichen Beginn, ist die Kita an der Humperdinckstraße nun für viele Eltern aus ihrem Alltag auch nicht mehr wegzudenken: „Wir haben aktuell 24 Kinder, die das Angebot nutzen“, sagt Koordinator Stritz. Neun Jungen und Mädchen bleiben regelmäßig über Nacht in der Kita. Tendenz steigend. „Im November hatten wir an 25 von 30 Tagen Kinder über Nacht hier. Den größten Bedarf gibt es aber weiterhin an Wochenenden und Feiertagen.“

Ärzte, Musiker, Pfleger nutzen Kita

Wann immer Eltern die Betreuung am Wochenende oder in der Nacht nutzen wollen, müssen sie eine „Notwendigkeit“ nachweisen: Als Ersatz für Babysitter, damit Mama und Papa mal allein ins Kino gehen können – nein, dafür ist die 24-Stunden-Kita nicht gedacht. „Die Eltern müssen den Bedarf nachweisen. Wir lassen uns die Dienstpläne vorlegen. Es reicht auch nicht, wenn ein Elternteil im Schichtdienst arbeitet. Mama und Papa müssen beide beruflich verhindert sein, damit die Betreuung übernehmen“, erklärt Stritz.

Die meisten Eltern, die auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten ihre Jüngsten in die Kita der GGP bringen, würden in medizinischen Berufen arbeiten: Ärzte aus der Südstadt- und der Uni-Klinik, Alten- und Krankenpfleger. „Wir haben aber auch Musiker und Künstler, die am Wochenende und abends Auftritte haben und nicht bei ihren Kindern sein können.“ Die Landespolizei, die ganz offensiv für das 24-Stunden-Angebot gekämpft hatte, hingegen ist unter den Eltern bisher kaum vertreten: Nur ein Vater arbeite bei der Polizei. Auch aus der Gastronomie und Hotellerie gäbe es Eltern, die auf die GGP-Kita angewiesen seien.

Junges Team betreut die Kinder

Die Betreuung der Kinder nachts und an Wochenende übernehmen vornehmlich junge Kollegen, erzählt Stritz. „Erzieher, die familiär noch ungebunden sind. Wir erhalten dafür Zuschläge für Nacht- und Wochenend-Arbeit – und natürlich Freizeitausgleich.“ Für die Erzieher sei die Arbeit zu den ungewöhnlichen Zeiten durchaus attraktiv: „Im Regelbetrieb tagsüber betreuen wir bis zu 18 Kinder. An den Wochenende sind es nur fünf oder sechs. Da bleibt viel mehr Zeit, um mit den Kindern individuell zu arbeiten.“ Und es bleibt auch mehr Zeit, um mal etwas Besonderes zu machen – für einen Ausflug in den Zoo zum Beispiel.

Die meisten Kinder würden es als „Abenteuer“ empfinden, mal in der Kita zu schlafen: „Natürlich bekommt jedes Kind seine Eingewöhnungszeit. Aber wir versuchen, es den Jungen und Mädchen so heimisch wie möglich zu machen“, sagt Stritz. Die Kinder dürfen ihre Kuscheltiere mitbringen, die Erzieher lesen die Lieblings-Gute-Nacht-Geschichten vor oder spielen das vertraute Einschlaf-Lied.

Viele Interessenten für Angebot

„Wir haben viele Eltern, die einen Bedarf an der 24-Stunden-Betreuung für ihre Kinder haben und gerne unser Angebot nutzen würden“, sagt auch GGP-Sprecher Wolfgang Richter. „Aktuell haben wir zehn feste Anmeldungen. Und wir könnten jederzeit noch weitere Kinder in die Betreuung aufnehmen. Wir haben einen Puffer.“ Einer Studie zufolge gäbe es in ganz Rostock einen Bedarf von bis zu 200 Plätzen in der Einrichtung. „In Schwerin gibt bereits zwei 24-Stunden-Kitas. Dort werden insgesamt 120 Kinder betreut“, so Richter. In Rostock jedoch seien viele Eltern bisher zurückhaltend gewesen: „Es war ja nicht sicher, ob wir die 24-Stunden-Angebote über die vom Bund geförderten drei Jahre hinaus anbieten können.“ Doch jetzt endlich gäbe es Sicherheit: „Wir haben von der Stadt die Nachricht erhalten, dass sie die notwendigen Mittel bereitstellt.“ 2019 zahlt die Stadtkasse, ab 2020 sollen Kita- und Krippenplätze im Land eh kostenfrei sein für die Eltern.

Sozialsenator Bockhahn bestätigte gegenüber der OZ, dass die Stadt das Angebot der GGP absichern wird: „Es gibt dazu einen Beschluss der Bürgerschaft. 2019 stellen wir bis zu 160 000 Euro dafür bereit“, sagt er. Aber: Diese Geld werden nicht pauschal gezahlt. „Wir rechnen nach tatsächlichem Bedarf und nach tatsächlichen Kosten ab.“ Bisher habe die 24-Stunden-Kita die vorhandenen Mittel nicht gänzlich ausgeschöpft.

Andreas Meyer

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