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Rostock Kraftwerk in Rostock: Wie gefährlich sind Rauchwolken?
Mecklenburg Rostock Kraftwerk in Rostock: Wie gefährlich sind Rauchwolken?
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11:28 09.10.2018
Blick auf das Kraftwerk im Rostocker Überseehafen. Quelle: Dietmar Lilienthal
Seehafen/Stadtmitte

Der Himmel ist schwarz. „Dicke Rauchwolken ziehen wie bei einem Großbrand in Richtung Rostock“, beschreibt Monika Peters aus Dierkow ihre Beobachtungen am vergangenen Sonntag gegen 19 Uhr. Erinnerungen an die Großfeuer bei Abfallbetrieben im zurückliegenden Sommer werden wach. Doch diesmal brennt es nicht. „Verursacher ist das Steinkohlekraftwerk, das seit 18 Uhr Dampf ablässt“, sagt Peters. Sie ärgert sich darüber. „Es ist unerhört, dass so etwas genehmigt und der Umweltschutz hier nicht tätig wird.“ Es sei nicht das erste Mal, dass die Rostocker derartigen Vergiftungen ausgesetzt würden, so die Anwohnerin.

Der Leiter des Kraftwerks, Axel Becker, betont jedoch, dass es am Sonntag-Abend zu keinen besonderen Ausstößen oder Vorfällen gekommen sei. „Wir haben nichts anderes betrieben als sonst auch“, so Becker. Beschwerden über schwarze Rauchwolken seien nicht ungewöhnlich. „Die gehen hin und wieder bei uns ein.“ Die Beobachtungen sind jedoch optische Täuschungen, sagt der Kraftwerksleiter. Das bestätigt auch die zuständige Überwachungsbehörde, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) in Rostock.

Stalu gibt Entwarnung

„Bei den beschriebenen ,schwarzen Rauchwolken’ handelt es sich ausschließlich um sichtbaren Wasserdampf aus dem Kühlturm, der bei bestimmten optischen Rahmenbedingungen – zum Beispiel Gegenlicht – dunkel erscheinen kann“, sagt Stalu-Mitarbeiterin Peggy Hesse. Die gereinigte Abluft aus dem Verbrennungsprozess des Steinkohlekraftwerks werde durch die Anlage in den Kühlturm geleitet. „Dort wird sie zusammen mit dem Verdunstungsdampf aus dem Kühlturm in die Höhe geleitet und weiter verdünnt“, so Hesse weiter. Sie betont: „Die verschiedenen Parameter der Verbrennungsabluft sind in den auftretenden Konzentrationen nicht sichtbar und können auch geruchlich nicht wahrgenommen werden.“

Das Stalu überprüfe die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte durch kontinuierliche Messungen der Abluftparameter, die per „Live-Übertragung“ an die Behörde gesendet werden. „Die Überprüfung der Online-Messwerte zum Sonntag ergab, dass keine Abweichungen vom bestimmungsgemäßen Betrieb vorlagen“, sagt Hesse. Auftretende Belästigungen seien bei einem bestimmungsgemäßen Betrieb der Anlage im Seehafen auch ausgeschlossen.

Verschärfte Grenzwerte ab 2019

Ab dem Jahr 2019 muss die Rostocker Kraftwerksgesellschaft KNG verschärfte Grenzwerte beim Ausstoß von Quecksilber einhalten. Der Jahresmittelwert muss hier dann unterhalb von zehn Mikrogramm pro Normkubikmeter liegen –bisher galten 15 Mikrogramm. „Das erreichen wir jetzt schon“, sagt Kraftwerksleiter Becker. Den Grünen geht das jedoch nicht weit genug: Dass da deutlich mehr möglich sei, zeige sich in den USA, wo künftig ein Grenzwert von einem Mikrogramm Quecksilber pro Normkubikmeter Abluft gelte.

Für Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) ist klar: „Die Stilllegung des Steinkohlekraftwerks im Seehafen sollte eher früher als später erfolgen.“ Ein Kühlturm sei heute kein Zeichen von Fortschritt und Zukunftsfähigkeit, sondern der alte Zopf der Energieversorgung. Der Senator setzt hier auch auf die Rostocker Stadtwerke, die aufbauend auf dem gesamtstädtischen Masterplan „Klimaschutz“ einen Zukunftsplan erarbeiten zu möglichen Energieträgern wie Erdwärme, Wind, Biomasse, Faulgas, Klärschlamm und Ähnlichem.

Eines der modernsten Kraftwerke Europas

Vielleicht lasse sich ja zukünftig der Kühlturm des Kraftwerks als Energiespeicher für die städtische Energieversorgung einsetzen, was überlegenswert wäre, so der Senator. „Grundsätzlich können wir und wollen wir auf Kohlewärme und Kohlestrom verzichten“, sagt Matthäus.

Landesenergieminister Christian Pegel (SPD) sagte im OZ-Interview zuletzt jedoch, dass das Rostocker Steinkohlekraftwerk eines der letzten Kraftwerke sein sollte, das vom Netz gehe, wenn der Ablauf des Kohleausstiegs verbindlich beschlossen sei. Denn: „Es ist eines der modernsten und effizientesten in Europa“, so Pegel.

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