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Rostock Rostocker Oma (74) zockt andere Rentner ab
Mecklenburg Rostock Rostocker Oma (74) zockt andere Rentner ab
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17:00 12.10.2018
Mit diesem Fahndungsplakat warnte die Rostocker Polizei vor der Kleptomanin in Lütten Klein. Im Bild sind Polizeihauptmeister Gerd Schwarz und Kriminalkommissarin Antje Wille. Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Der Rostocker Polizei ist in einer außergewöhnlichen Verbrechensserie ein besonderer Coup gelungen. Drei Jahre lang suchte die Polizei nach einer Trickdiebin, die sich besonders perfide das Vertrauen von Rentnern auf der Straße erschlich. Jetzt hatten die Ermittler Erfolg. Das Überraschende: Die Serientäterin ist selbst bereits 74 Jahre alt.

Ältere Menschen werden häufig Opfer von Diebstählen – fast immer jedoch von jungen Kriminellen mit dem so genannten Enkeltrick. Aber dass eine Seniorin andere Seniorinnen im großen Stil ausnimmt – das ist selbst langjährigen Polizeibeamten noch nicht oft untergekommen. „Ein solcher Fall in dem Alter ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Dörte Lembke, Sprecherin der Rostocker Polizeiinspektion, dazu. An einen ähnlichen Fall kann sie sich nicht erinnern. Und auch die Zahlen belegen: Nur 6,5 Prozent aller Tatverdächtigen in Rostock waren im vergangenen Jahr Menschen über 60 Jahre alt. Knapp 500 von über 7500. Landesweit liegt die Verbrecher-Quote bei Senioren bei 8,5 Prozent. Die Zahl der über 70-jährigen Verbrecher wird in der Statistik nicht ausgewiesen, dürfte aber verschwindend gering sein.

Täterin bot Senioren scheinbar selbstlos ihre Hilfe an

Die Betrügerin aus Rostock hat bei ihren Opfern den so genannten „Taschenträgertrick“ angewandt. Scheinbar selbstlos bot sie – meist Frauen – ihre Hilfe auf der Straße an. „Die Masche der Täterin war immer gleich. Sie beobachtete Senioren eine Weile und sprach sie an, wenn sie beim Einkaufen aus dem Geschäft oder der Bank kommen“, berichtete eine Kripo-Mitarbeiterin während der Ermittlungen gegenüber der OZ. Um sich das Vertrauen zu erschleichen, gebe sich die Täterin auch als ehemalige Mitarbeiterin eines Pflegedienstes aus.

Die meisten Opfer sind weiblich und zwischen 75 und 93 Jahre alt und vermuteten bei einer nahezu Gleichaltrigen keinen bösen Willen. Sie ließen sich die Einkaufstaschen von der 74-Jährigen nach Hause tragen. In der Wohnung angekommen nutzte die Kriminelle einen unbeobachteten Moment, um die Portemonnaies der Opfer zu stehlen.

Polizei: „Der Fall war echte Puzzlearbeit“

Ein schwieriger Fall für die Polizei, denn die aufgeregten Opfer konnten oft nur ungenaue Angaben zum Aussehen machen, viele schätzten die Täterin auch deutlich jünger. „Es war eine echte Puzzlearbeit, den Fall zu lösen“, sagt Sprecherin Lembke. Im vergangenen Herbst wagten die Beamten dann eine ungewöhnliche Aktion, um der diebischen Dame auf die Schliche zu kommen: Fahndungsplakate mit Warnungen wurden in der Stadt verteilt. Die Polizeipräsenz in Rostock/Lütten Klein erhöht. Daraufhin stellte die Frau – offenbar alarmiert – ihre Aktivitäten zunächst ein.

Erst in der vergangenen Woche wurde dann ein weiterer Fall bekannt, der starke Parallelen aufwies. Diesmal gab es Hinweise auf die Täterin – die 74-Jährige konnte ermittelt werden. In ihrer ersten Vernehmung räumte sie laut Angaben der Polizei die Taten ein. Nun wird gegen sie wegen Diebstahl und Betrug ermittelt.

Offiziell hat die betagte Banditin 19 Mal zugeschlagen. Die Polizei geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, weil sich viele ältere Menschen schämen oder den Diebstahl erst später bemerken, und nicht mit der Taschenträgerin in Verbindung bringen. Weitere Opfer werden gebeten sich bei der Rostocker Polizei zu melden.

Virginie Wolfram

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