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Rostock Rostocker Straßenbahn bangt um Fördermittel vom Land
Mecklenburg Rostock Rostocker Straßenbahn bangt um Fördermittel vom Land
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04:34 13.09.2013
Fördermitteleinsatz am Steintor: Die Schienen sind stark abgefahren und müssen ausgewechselt werden. Quelle: Thomas Ulrich
Reutershagen

Veraltete Busse, kaputte Gleisanlagen und erhöhte Fahrpreise: Streicht das Land die Fördermittel für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), könnte das bald Wirklichkeit in der Hansestadt werden. Deshalb appelliert die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) im Rahmen des gestrigen Deutschland-Tages des Nahverkehrs an Bund und Land, zukünftige Finanzierungen zu sichern. 5,3 Millionen Euro schießt das Land 2013 zu. Eine Millionen weniger als im Jahr davor.

„Die Mittel von Land und Bund brauchen wir für die Sanierung und Erneuerung der Infrastruktur. Wir brauchen die Investitionsmittel, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Catrin Dumrath, RSAG-Abteilungsleiterin für Marketing und Vertrieb. Zur Infrastruktur gehören nicht nur Gleisanlagen, Fahrzeuge und Fahrkartenautomaten. Auch Trafostationen, Betriebshöfe, Tunnel und Brücken werden von dem Geld instand gehalten. 2,67 Millionen Euro gibt es vom Land als Infrastrukturkostenzuschuss für den laufenden Unterhalt und noch mal 2,67 Millionen Euro für Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge.

Im vergangenen Jahr wurden eine Millionen Euro Fördermittel gestrichen. „Die hatten wir schon mit eingeplant“, sagt Jochen Bruhn, kaufmännischer Vorstand der RSAG. Das heißt, nicht alle geplanten Maßnahmen konnten realisiert werden. Bei dringenden Sanierungen muss das Unternehmen Kredite aufnehmen.

Die RSAG finanziert sich über die Einnahmen aus Fahrkartenverkauf und einem Zuschuss von zehn Millionen Euro von der Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding (RVV). Damit ist der Gesamtbedarf gedeckelt. Fehlen die Fördermittel „müsste entweder die Stadt diese Kosten zusätzlich tragen, bestimmte Abschnitte stillgelegt werden oder die Fahrpreise würden exorbitant steigen“, teilt Sprecherin Beate Langner mit. Jährlich müssen aufgrund von Materialverschleiß und Schienenbrüchen 2000 Meter Gleis ausgewechselt werden. Außerdem wird in den nächsten zwei Jahren noch das Fahrleitungssystem geändert. Zudem werden regelmäßig neue Busse angeschafft. Die maximale Nutzungszeit beträgt 14 Jahre.

„Ich würde mir statt 5,3 Millionen Euro acht bis neun Millionen Euro Fördermittel wünschen, um der Instandhaltung gerecht zu werden und in neue Technik und Mobilität zu investieren“, sagt Bruhn.

„Groß sparen werden wir nicht mehr können“, kündigt der kaufmännische Vorstand an.

Das Verkehrsministerium bestätigt, dass der Bund plant, Fördermittel zu kürzen. „Wenn der Bund, wie angedacht, diese Mittel kürzt, dann können wir entsprechend weniger in den ÖPNV geben“, so Sprecher Steffen Wehner.

Rostocker Straßenbahn AG in Zahlen

35,6 Kilometer Straßenbahnnetz ziehen sich durch Rostock. Zwischen 1998 und 2006 hat sich dieses um 30 Prozent erweitert.

1999 zählte das Unternehmen noch mehr als 800 Mitarbeiter, 2012 waren es rund 650.

13 Niederflurstraßenbahnen erhält die RSAG ab 2014. Kosten: 37,6 Millionen Euro. 50 Prozent sind Fördermittel, 50 Prozent Kredit.

150 000 Fahrgäste befördert die RSAG täglich mit Bus und Bahn.

Anja Levien