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Rostock Rostocker Tauschbörse bringt Saatgut unter die Leute
Mecklenburg Rostock Rostocker Tauschbörse bringt Saatgut unter die Leute
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18:03 17.03.2019
Bei Daniel Daedlow tauschen Karin Tanz und Enkel Levon Kürbissamen gegen Spaghettibohnen und Tomatenpflanzen. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Rostock

„Ich freue mich so sehr, dass es regnet!“ Sabine Krüger schaut durch die gläserne Tür der Frieda 23, die sich ohne Unterlass öffnet und immer neue Besucher zur Rostocker Saatgutbörse bringt. „Bei zu gutem Wetter wären alle im Garten. Jetzt sind sie hier und haben jede Menge Samen zum Tauschen mitgebracht“, sagt Krüger, die bei Renn Nord, der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien, arbeitet und zu den Organisatoren der Veranstaltung gehört.

Haben die Saatgutbörse organisiert und freuen sich über die riesige Resonanz: Sabine Krüger von Renn Nord (li.) und Christine Decker von der Heinrich Böll-Stiftung MV. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Die Idee, Saatgut zu tauschen und so auch viele alte Gemüse- und Pflanzensorten wieder vermehrt unter die Leute und in die Erde zu bringen, entstand vergangenes Jahr. Nachdem die Heinrich-Böll-Stiftung einen Dokumentarfilm zur Gefährdung der Saatenvielfalt gezeigt hatte, sei im Publikum nach einer Tauschbörse für Rostock gefragt worden.

Deshalb holten die Organisatoren auch die Experten vom Hof Ulenkrug aus Dargun ins Boot. „Wir veranstalten schon seit 2009 Saatgutbörsen“, sagt Jürgen Schröder, der sich auf dem Hof um die Arbeitspferde für den Gartenbau kümmert. „Es geht darum, dass das nichtkontaminierte Saatgut wieder vermehrt und nicht verdrängt wird“, so Schröder.

Vom Hof Ulenkrug bei Dargun hat Gärtnerin Solveig Götz vielfältiges Saatgut mitgebracht. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Ulenkrug-Gärtnerin Solveig Götz hat nach Rostock vor allem zahlreiche Bohnensorten mitgebracht, aber auch Samen für Erbsen, Möhren, rote Bete, Spinat und vieles mehr. Interessenten erhalten bei Bedarf zum Saatgut auch entsprechende Anzucht-Tipps und selbst, wer nichts zum Tauschen mit hat, wird nicht weggeschickt.

Kürbissamen im Tausch gegen Spaghettibohnen

Kleingärtnerin Karin Tanz ist mit Enkel Levon gekommen, der gern mit seiner Oma Zeit im Garten in der Gehlsdorfer Anlage Fährhufe verbringt. „Nicht nur zum Obst-Naschen, sondern ich darf auch beim Unkrautentfernen und Einpflanzen helfen – bei einem Apfelbaum und für dieses Jahr haben wir schon Weintrauben da“, sagt der Zehnjährige. Er lotst seine Oma zum Stand von Daniel Daedlow und hat es dort auf eine Spaghettibohne abgesehen. Karin Tanz greift in die Handtasche und holt ihr Tauschangebot hervor – Kürbissamen. „Ich finde eine solche Börse super und schlage das auch mal für unsere Kleingartenanlage vor“, sagt die Rostockerin.

Wiederholung nächstes Jahr steht bereits fest

Sabine Krüger vom Organisationsteam bekommt beim Anblick der regen Tauschgeschäfte das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht. „Es ist großartig, dass so viele Interessierte aus allen Altersgruppen gekommen sind“, sagt sie. Besonders beeindruckt sei sie davon „wie viele erfahrene Gärtner darunter sind, die sogar eigens angefertigte Saatbänder mitgebracht haben“.

Marlen Niederle hat Feuerbohnen sowie dunklen Mais mitgebracht. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Aus der Börsen-Premiere in der Frieda 23 soll deshalb eine Tradition werden. „Das gibt ja auch die Chance, dass sich das verselbstständigt. Wer heute etwas mitnimmt, kann davon dann zum Ende des Gartenjahres wieder etwas zum Tauschen aufheben“, sagt Marlen Niederle, die unter anderem Feuerbohnen sowie dunklen Mais aus ihrem Garten dabeihatte.

Samenbomben erfreuen vor allem Insekten

Im Foyer des Kunst- und Medienzentrums hilft Jörg Schmiedel beim Bombenbau. Allerdings sind die kleinen Lehmkugeln vor ihm auf dem Tisch nicht gefährlich, sondern vielmehr nützlich. „Die ideale Größe liegt zwischen Hasen- und Schafsköttel“, erklärt der Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz anschaulich.

Jürgen Schmiedel vom BUND zeigte dem zehnjährigen Levon, wie Saatbomben gebaut werden. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Das, was die Besucher bei ihm zusammenmischen, erfreut später vor allem Insekten. „Auf Asphaltplatten sollte man sie nicht ausbringen, die Saatbomben brauchen schon die Chance, keimen zu können“, so Schmiedel. Ideal wären Baumscheiben – „die können mehr sein als ein Hundeklo“, sagt der BUND-Vertreter. Das Nachbasteln der nützlichen Kugeln ginge auch zu Hause. „Geeignet sind leicht keimende Saatgut-Arten, die hart im Nehmen sind und nicht invasiv, also nicht auswuchern.“

Florale Schätze der Küste erhalten

Zum Verteilen hatte Schmiedel auch Informationsblätter mit kleinen Tütchen mitgebracht, in denen sich Saat von Wildpflanzen aus der Region Rostock befand, wie die Sand-Grasnelke oder die Kanadische Goldrute. „Wir haben vor drei Jahren diese nicht geschützten Arten gesammelt, kultiviert und können sie jetzt durch das gewonnene Saatgut wieder ausbringen“, erklärt Schmiedel das Prinzip, die floralen Schätze der Küste zu erhalten.

Claudia Labude-Gericke

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