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Rostock Vorstand der Uniklinik Rostock freigestellt
Mecklenburg Rostock Vorstand der Uniklinik Rostock freigestellt
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22:20 28.06.2018
Christian Schmidt, Ärztlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock Quelle: Arscholl Ove
Rostock

Der größten Klinik des Landes droht ein Riesen-Skandal: Der Aufsichtsrat der Uni-Medizin in Rostock hat am Mittwoch Vorstandschef Christian Schmidt „bis auf Weiteres“ freigestellt und von allen Aufgaben entbunden. Gegen den 51-Jährigen, der 2017 zu Deutschlands Klinik-Manager des Jahres gekürt worden war, laufen interne Ermittlungen des Bildungsministeriums. Schmidt wird – unter anderem von Professoren der Klinik – der Versuch vorgeworfen, sich auf Kosten der Uni-Medizin persönlich bereichert zu haben. Auch die Staatsanwaltschaft Rostock hat sich eingeschaltet: „Wir prüfen Vorermittlungen“, so Sprecher Harald Nowack.

Hintergrund: Schmidt führt seit 2014 die Uni-Klinik Rostock und hat das Krankenhaus zu einem hochprofitablen Unternehmen gemacht. Allein 2017 fuhr die Klinik fast sieben Millionen Euro Gewinn ein. Die erhobenen Vorwürfe wiegen offenbar so schwer, dass sich der Aufsichtsrat zum Handeln gezwungen sah: Nach OZ-Informationen geht es um drei Anschuldigungen. Der heikelste Vorwurf: Der Manager habe bei der Einführung einer neuen Software im Klinikum Geld vom Hersteller der Computerprogramme erhalten. Als Beleg für die angebliche Korruption werden E-Mails der Geschäftsführerin der Berliner Firma an Ärzte und Unternehmer aus Rostock genannt. Mit einem Grundgehalt von mehr als 400 000 Euro ist Schmidt bestbezahlter Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in MV.

Das Bildungsministerium äußerte sich zu den Vorgängen um den Manager, der zuletzt auch bei der Sanierung der defizitären UniKlinik in Greifswald helfen sollte, nur knapp: Der Aufsichtsrat habe sich mit den Vorwürfen befasst und gehe den Hinweisen „weiter konsequent nach“, so Sprecher Henning Lipski. Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) hatte vor dem Landtag erklärt, dass die Regierung die Staatsanwaltschaft über die Vorwürfe informiert habe. Schmidt wollte gestern zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen: Aufsichtsratschef Sebastian Schröder (SPD), Staatssekretär im Bildungsministerium, habe ihm die Freistellung mitgeteilt und weitere Fragen angekündigt. „Solange ich den Fragenkatalog des Aufsichtsrates nicht kenne, kann ich mich nicht äußern“, sagte Schmidt der OZ.

Die Linke im Landtag fordert indes, die Rolle des Aufsichtsrates zu untersuchen. Für Wirbel sorgen unter anderem inzwischen gekündigte Verträge mit einer Beraterfirma, deren Konzernmutter ihren Sitz im Steuerparadies Jersey hat. Mit Wissen des Klinik-Vorstandes hätten die Berater versucht, Aufträge für Prothesen, Verbandsmaterial und ähnliche Leistungen innerhalb der Firmengruppe statt an lokale Unternehmen zu vergeben. Die Medizintechnik-Branche sah 600 Jobs in Rostock in Gefahr. „Der Aufsichtsrat muss die Verträge gekannt haben. Und wenn nicht, reden wir über Aufsichtsversagen“, so Torsten Koplin, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken.

Andreas Meayer

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