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Rostock Größter Vermieter in MV gründet Pflegedienst
Mecklenburg Rostock Größter Vermieter in MV gründet Pflegedienst
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19:46 29.11.2018
Rostock altert, doch die ambulanten Pflegedienste stoßen bereits jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Vermieter Wiro gründet deshalb seinen eigenen Pflegeanbieter (Symbolbild). Quelle: Oliver Berg/dpa
Rostock

58 ambulante Pflegedienste gibt es bereits in Rostock. Doch das reicht nicht mal annähernd, um den Bedarf in der Zukunft zu decken: Denn die Hansestadt wird – trotz des Zuzugs und steigender Einwohnerzahlen – immer älter. Schon jetzt sind knapp ein Viertel der fast 210 000 Einwohner älter als 65 Jahre. Damit diese Rostocker bis ins hohe Alter in ihrem Zuhause bleiben können, steigt der größte Vermieter des Landes nun auch ins Pflegegeschäft ein: Der Aufsichtsrat der stadteigenen Wiro hat grünes Licht für die Gründung eines Pflegedienstes gegeben. „PIR“ soll der heißen – „Pflege in Rostock“.

Service für die Mieter

Bereits seit einem halben Jahr arbeitet die Wiro intern an den Planungen für das neue Angebot. „Ich kenne niemanden, der ins Pflegeheim möchte. Die Menschen möchten lieber in ihrer Wohnung bleiben. Doch die Kapazitäten bei den Pflegediensten sind begrenzt“, hatte Ralf Zimlich, Chef der Wohnungsgesellschaft, bereits im Sommer gesagt. Fehlende Kapazitäten am Pflegemarkt, zweifelhafte Qualität bei einigen Anbietern: Das seien die Gründe, weshalb die Wiro selbst aktiv werden wolle. Und die Zahlen versprechen nicht nur einen enormen Bedarf, sondern auch ein gutes Geschäft für die Wiro, die schon jetzt pro Jahr 14 Millionen Euro Gewinn an die Stadt abführt: Bis 2024 – so heißt es in einer Analyse des Unternehmens – wird die Zahl der Rostocker, die gepflegt werden müssen, um 10 000 Personen steigen.

Außerdem sind viele der Rostocker, die in Zukunft über Pflege nachdenken müssen, eh schon Kunden – besser gesagt: Mieter – beim Branchenprimus. Vor allem in den großen Neubau-Stadtteilen ist die Wiro stark vertreten – in Evershagen etwa, in der Südstadt oder auch in Lütten Klein. Diese Viertel wurden in den 1970ern errichtet und „altern“ aktuell am schnellsten. In Lütten Klein etwa leben bereits 6152 Menschen, die älter als 65 Jahre sind. In Reutershagen sind es 5143 und in der Südstadt 5032. Eine weitere Zahl: Allein in Lütten Klein hat die Wiro 393 Mieter, die älter als 80 Jahre sind und allein leben. Gerade diese Rostocker haben es, so die Annahme der Wiro, aber schwer, einen Pflegedienst oder Unterstützung im Alltag zu finden: Denn in Lütten Klein und der Südstadt gibt es bisher gerade mal fünf Anbieter. Die „PIR“ soll diese Lücke schließen.

Individuelle Angebote

Wann genau der Pflegedienst der Wiro seine Arbeit aufnehmen soll, ist nach OZ-Informationen noch offen. Zunächst muss die Bürgerschaft noch ihren Segen erteilen, dann wird die neue Gesellschaft offiziell gegründet. Liegen dann auch die nötigen Genehmigungen der Gesundheitsbehörden vor, sollen zunächst ausschließlich Mieter der Wiro auch Kunden der „PIR“ werden dürfen. Mit sieben Mitarbeitern soll das Unternehmen laut den Planungen starten. Das könnte bereits 2019 der Fall sein. Bereits ab dem dritten Jahr will die „PIR“ dann eigene Pflegekräfte selbst ausbilden und kontinuierlich wachsen. An der Badstüberstraße soll die Zentrale des Pflegedienstes entstehen, im ersten Schritt werden drei Elektro-Autos für die Pflegekräfte angeschafft.

Der Schwerpunkt der Arbeit soll darauf liegen, Menschen in ihren „eigenen vier Wänden“ zu betreuen – sowohl medizinisch als auch bei Alltagsaufgaben, wie der Körperpflege. Zudem soll die „PIR“ auch Angebote wie Hausnotrufe, Fahrdienste, Essenslieferungen und Intensivpflege anbieten. Auch „unterstützende“ Dienstleistungen soll der neue Dienst der Wiro anbieten – etwa Hilfe beim Putzen, Kochen oder bei den Einkäufen.

Wiro will Mieter binden

Die Wiro verspricht sich von ihrem Angebot perspektivisch auch finanziell einen Erfolg – nicht nur durch das neue Geschäft, sondern auch in der Vermietung: Das Unternehmen möchte die Mieter so lange wie möglich an sich binden. In Lütten Klein war das zuletzt nicht möglich: Weil kein ambulanter Pflegedienst gefunden werden konnte, mussten zwei Wiro-Mieter aus ihren Wohnungen aus- und in eine Pflegeeinrichtung einziehen. „Ziel ist es, Fluktuationsraten zu verringern und damit auch die Erträge für die Wiro langfristig zu sichern“, heißt es in dem Planungspapier. Auch für ältere Mieter will die Wiro attraktiv bleiben.

„Es ist kein Geheimnis, dass die Wiro intensiv daran arbeitet, einen eigenen Pflegedienst aufzubauen“, sagt Unternehmenssprecher Carsten Klehn. Der Vermieter will vielen Mietern den „Herzenswunsch“ erfüllen, in der eigenen Wohnung alt werden zu können. „Diesem Projekt hat der Aufsichtsrat nun mit großer Mehrheit zugestimmt.“ Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) hat sich ebenfalls bereits zu dem Vorhaben bekannt: Die Wiro helfe der Hansestadt, auf den demografischen Wandel zu reagieren, und weite mit der „PIR“ ihr soziales Engagement aus. Schon jetzt hat der Vermieter einen eigenen Sozialdienst, der Mieter in schwierigen Lebenslagen begleitet und unterstützt.

Andreas Meyer

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