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Rostock Wiebke Gehm aus Rostock ist „Studentin des Jahres“
Mecklenburg Rostock Wiebke Gehm aus Rostock ist „Studentin des Jahres“
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21:05 08.04.2019
Wiebke Gehm (24) ist angehende Ärztin und steht kurz vor dem 3. Staatsexamen. Neben ihrem Studium kümmert sie sich ehrenamtlich um kleine Patienten, die in Rostock im Krankenhaus liegen. Quelle: Ove Arscholl
Rostock/ Berlin

Wiebke Gehm (24) bewirkt im Kleinen Großes und kommt damit jetzt ganz groß raus. Die angehende Ärztin hat kranken Kindern die wohl beste Medizin zu bieten: Sie zaubert ihnen ein Lachen aufs Gesicht. Wiebke Gehm leitet „Tommy nicht allein“, kurz TNA. Die Studenten-Initiative kümmert sich um Jungs und Mädchen, die in Rostocks Kinderklinik behandelt werden müssen. Für ihr ehrenamtliches Engagement ist Wiebke Gehm am Montag in Berlin als „Studentin des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Das Zimmer ist karg und steril. Die Gerüche, die Geräusche, die Damen und Herren in weißen Kitteln – alles hier ist fremd. Das, was lieb und vertraut ist, fehlt dagegen. Wenn ein Kind ins Krankenhaus muss, ist das ein Ausnahmezustand für seine Seele. Umso mehr, wenn Mama und Papa nicht so oft zu Besuch kommen können, wie sie es gern möchten. Genau dann springen die Kliniknannys von „Tommy nicht allein“ ein. „Wir wollen den Kindern ein paar schöne Stunden bescheren, ihnen Zuwendung schenken, damit sie sich nicht so alleine fühlen“, sagt Wiebke Gehm. Mit dieser Mission ist sie regelmäßig in der Kinderklinik auf Stippvisite. Wird sie zu einem Knirps ans Krankenbett gerufen, gibt sie wahlweise den Mensch-ärger-dich-nicht-Gegner oder die Märchentante.

Kinder von ihren Sorgen ablenken

Zu diesem „Nebenjob“ ist die Medizinstudentin 2015 gekommen. Damals hatten vier Kommilitonen die Initiative „Tommy nicht allein“ gegründet, nachdem sie bei einem Praktikum auf der Kinderstation auf einen Jungen namens Tommy trafen. Der Kleine weinte häufig, weil er seine Eltern vermisste. Das ging den Studenten so ans Herz, dass sie kurzerhand einen Besuchsdienst arrangierten. Schnell wurde klar: Den hat nicht nur Tommy nötig. Viele Kinder im Krankenhaus wünschen sich, dass jemand kommt, der ihnen die Zeit und damit die Ängste vertreibt. So entstand das Projekt.

Als Wiebke Gehm davon erfuhr, war für sie gleich klar: Hier will ich helfen. Dass sich Krankenschwestern und Pfleger im Klinikalltag nur wenig Zeit für die kleinen Patienten nehmen können, hat sie schon während eines Schülerpraktikums hautnah miterlebt. „Damals dachte ich mir, es müsste Leute geben, die mit den Kindern spielen und sie von ihren Sorgen ablenken.“ Nicht zuletzt dank ihres Einsatzes gibt es in Rostock inzwischen gut 40 davon, die sich ehrenamtlich um kleine Patienten kümmern.

40 Kliniknannys im Einsatz

„Tommy nicht allein“, kurz TNA, ist 2015 von vier Medizinstudenten ins Leben gerufen worden, die während eines Praktikums in der Kinderklinik Tommy kennenlernten und sich um den Jungen kümmerten, weil dessen Eltern in nicht regelmäßig besuchen können. Heute sind rund 40 „Kliniknannys“ im Einsatz und vertreiben jungen Patienten ehrenamtlich die Langeweile. Das Projekt sucht weitere Helfer.

Kontakt: tna.rostock@gmail.com; Facebook: TNA Rostock

Jede freie Minute im Ehrenamt

In das Projekt steckt Wiebke Gehm viel Herzblut und jede freie Minute. Dabei hat sie von letzteren eigentlich gerade nicht so viele. In fünf Wochen steht das dritte Staatsexamen an. Dennoch wirbt sie unermüdlich um weitere Mitstreiter für „Tommy nicht allein“, organisiert Schulungen für Neu-Mitglieder und Aktionen für kleine Patienten. Am liebsten ist sie jedoch als Kliniknanny unterwegs. „Die Kinder sind so bezaubernd. Wenn wir sie besuchen, leben sie richtig auf. Ihr Lächeln ist unser Lohn“, sagt die Medizinstudentin.

Um Knirpse zum Lächeln zu bringen, muss sie mitunter behutsam vorgehen. „Manche Kinder sind sehr schüchtern. Dann dauert es einen Moment, um miteinander warm zu werden.“ Was hilft, um das Eis zu brechen? Detektivarbeit. „Ich sehe mich im Zimmer um. Je nach dem, was dort liegt, versuche ich auf die Interessen zu schließen.“ Kartenspielen, Malen, Singen: Die Wünsche ihrer Schützlinge sind vielfältig, Wiebke Gehm erfüllt alle gern.

„Landarzt werden? Warum nicht!?“

Kiddies bei Laune halten ist für Wiebke Gehm ein Kinderspiel. Schließlich gab sie früher zu Hause häufiger den Babysitter. „Ich habe vier jüngere Geschwister.“ Aufgewachsen ist Wiebke Gehm in Kremmen, einer Kleinstadt im Norden Brandenburgs. Für ihr Studium zog sie zunächst nach Greifswald, wechselte dann an die Rostocker Uni. Sie könne sich aber durchaus vorstellen, in die Provinz zurückzukehren. „Landarzt werden? Warum nicht!?“

Am Montag ging es allerdings nicht ab aufs Dorf, sondern in die Spreemetropole. Bei der „Gala der Deutschen Wissenschaft“ in Berlin bekam Wiebke Gehm nicht nur den Titel „Studentin des Jahres“, sondern auch 5000 Euro Preisgeld verliehen. Für beides waren insgesamt 62 weitere Studenten aus allen Teilen der Republik nominiert. Die Jury, bestehend aus Vertretern vom Deutschen Hochschulverband und dem Deutschen Studentenwerk, entschied sich für die Rostockerin und ehrte zugleich die Initiative „Tommy nicht allein“. „Ich freue mich sehr darüber“, sagt Wiebke Gehm. Doch aller Gala-Glanz verblasst im Vergleich zum Lächeln der Kinder, denen sie und ihre Mitstreiter Glücksmomente bescheren.

Antje Bernstein

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