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Rostock Rostocks Gedächtnis wird digitaler
Mecklenburg Rostock Rostocks Gedächtnis wird digitaler
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00:00 25.09.2018
Stadtmitte

Im Jahr des 800. Geburtstages ist die Hansestadt Rostock Gastgeber für viele hochkarätige Veranstaltungen. Von heute bis Freitag sind es die deutschen Stadtarchivare, die sich in der Stadthalle zur jährlichen Tagung treffen. Das Motto des Treffens: „Demokratie braucht Archive“.

Zu Karsten Schröders Aufgaben im Stadtarchiv gehört auch der Erhalt historischer Dokumente. Quelle: Foto: Ove Arscholl

Dokumente müssen erhalten werden

1500 Rostocker nutzen jährlich das Stadtarchiv, teilt Leiter Karsten Schröder mit. Da geht es dann zum Beispiel um verlorene Geburtsurkunden oder andere Papiere. Eine der zentralen Aufgabe sei es, städtische Dokumente zu archivieren. Etwa zehn Prozent müssen dauerhaft aufbewahrt werden.

Es ist der 88. Deutsche Archivtag, der zum ersten Mal überhaupt nach Mecklenburg-Vorpommern kommt. Rostocks Stadtarchivar Karsten Schröder freut sich, im Jahr des Jubiläums Gastgeber für die Veranstaltung zu sein, die es schon 1899 zum ersten Mal gab. Der digitale Wandel spielt in der Stadthalle eine zentrale Rolle. „Das ist für uns in Rostock, aber auch für alle anderen Archive eine der großen Herausforderungen“, erklärt Schröder.

Die digitale Revolution habe eine unüberschaubare Masse an Daten frei verfügbar gemacht, noch nie in der Geschichte der Menschheit sei so einfach gewesen, sich Informationen zu beschaffen, beschreiben die Archivare die Herausforderung. „In Zeiten von Fake-News und gezielten Manipulationen von sozialen Netzwerken fragen sich viele Bürger, welchen Quellen sie noch vertrauen können. Ob für Zivilgesellschaft, Forschung, Medien oder den Staat, die Archive sind unverzichtbar“, sagt Ralf Jacob, Vorsitzender des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare (VDA), der den Kongress ausrichtet. Erwartet werden etwa 700 Besucher aus dem In- und Ausland. Bei der Eröffnungsveranstaltung heute um 18.30 Uhr spricht als Festredner der Grünen-Politiker und langjährige Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele zum Thema „Geheimdienstakten ins Bundesarchiv – Neuregelung des Archivrechts“. Rund 50 Einzelveranstaltungen wird es geben.

Der digitale Wandel sei eine Herausforderung, der sich alle kommunalen Archivare stellen müssten, auch er in Rostock, erklärt Karsten Schröder. Die Zeit, einfach nur beschriebenes Papier, Pergamente oder Tontafeln aus dem Regal zu ziehen, sei auch für die Hüter des städtischen Gedächtnisses vorbei. Eine zentrale Aufgabe der kommunalen Archive sei es, die Dokumente der Gegenwart für die Zukunft zu sichern. Standesamt oder Kfz-Zulassung, vieles liege nur noch in digitaler Form vor. „Das betrifft immer mehr Bereiche.“ Etwa zehn Prozent aller Schriftstücke der Verwaltung seien dauerhaft gesichert, so Karsten Schröder.

„Da stellt sich dann zum Beispiel die Frage nach einer sicheren Speicherung.“ Damit nichts in irgendwelchen Clouds auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Auch Aspekte des Datenschutzes spielen eine Rolle, wenn Bürger Informationen brauchen. „Wer heute etwas will, muss noch selbst kommen.“ Noch sei es nicht möglich, die Wünsche digital zu erfüllen. Rund 1500 Rostocker nehmen jährlich die Dienste des Stadtarchivs in Anspruch, beispielsweise um die verlorene Geburtsurkunde oder das verlorene Schulzeugnis zu ersetzen. Eine Hälfte schreibt Anträge, die andere Hälfte kommt in den den Lesesaal. Wegen des Kongresses bleibt das Archiv bis Donnerstag geschlossen Unterlagen für die Zukunft zu sichern sei eine, der Erhalt geschichtlicher Zeugnisse eine andere Aufgabe des Archivars. Er schätze es noch, Papier in den Händen zu halten, sagt Karten Schröder. Aber genau das macht den Archivaren bundesweit Sorgen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Säure eingesetzt, um den „Papierbrei“ schneller bearbeiten zu können. Reste genau dieser Säure seien die Ursachen für den Zerfall und das Vergilben von Papier.

Mit sehr aufwendigen und teuren Verfahren versuchen nun die Archive, ihre Bestände zu retten. „Das Entsäuern kostet viel Geld, und wir müssen Prioritäten setzen“, sagt Karten Schröder. Alles könne im Original nicht erhalten werden, in vielen Fällen müsse eine Fotokopie oder die Ablichtung reichen. Das betreffe zum Beispiel die Zeitungen. „Es wird gar nicht möglich sein, jede einzelne Ausgabe vor dem Zerfall zu retten.“ So bedauerlich das auch sei.

Thomas Niebuhr

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