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Rostock Rostocks neuer Kunsttempel
Mecklenburg Rostock Rostocks neuer Kunsttempel
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00:00 15.05.2017
Unter Beobachtung: Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann verteilt Mörtel im Boden. OB Roland Methling (2. v. l.), Senator Chris Müller (3. v. l.), Kulturamtschefin Michaela Selling (4. v. l.), Ministerin Birgit Hesse (5. v. l.) und KOE-Chefin Sigrid Hecht schauen zu. Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

Vom Sorgenkind zum Vorzeigeprojekt: „Vor zwölf Jahren ist überlegt worden, ob die Kunsthalle überhaupt noch zu Rostock passt“, erinnert sich Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). „Würde heute jemand diese Frage stellen, würde er wahrscheinlich aus der Stadt gejagt werden.“ Für Landeskultusministerin Birgit Hesse (SPD) ist die Kunsthalle inzwischen sogar „Leuchtturm über die Grenzen des Landes hinaus“.

Grundstein für Schaudepot der Kunsthalle ist gelegt / Anbau soll 2018 fertig sein

Damit die Strahlkraft des Hauses noch weiter wächst und auch international Aufmerksamkeit erregt, bekommt die Kunsthalle nun ein neues Schaudepot. Am Sonnabend ist dafür offiziell der Grundstein gelegt worden. Auf zwei Etagen sollen rund 1100 Quadratmeter Ausstellungs- und Depotflächen entstehen. Die Gesamtkosten betragen 4,5 Millionen Euro. Zum 800-jährigen Stadtjubiläum 2018 soll der neue Kunsttempel fertig sein.

Aktuell verfügt die Kunsthalle über eine Sammlung ostdeutscher und skandinavischer Kunst, die mehr als 10000 Kunstwerke umfasst. Darunter vor allem Gemälde, Grafiken und Plastiken. „Mit dem Schaudepot soll die Kunsthalle mehr Raum für Ausstellungen erhalten und den Besuchern weitere Einblicke möglich machen“, sagt Ministerin Hesse. Auch könne die Kunsthalle so das Ziel weiterverfolgen, „sich als Kompetenzzentrum für osteuropäische Kunst zu profilieren und Kunst aus diesem Raum zu zeigen“.

Hesse lobt den Mut von Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann, auch mal andere Themen zu besetzen. „Ich konnte sogar meinen Mann begeistern, als es die Ausstellung zur Olsenbande gab“, so die Ministerin.

Auch habe sie sich über die Sibylle-Schau gefreut.

Besucher Olaf Scheffler aus Reutershagen kann diese Entwicklung nur bestätigen. Früher war er Jahreskartenbesitzer für die Kunsthalle, dann jedoch verlor er das Interesse. Zu langweilig. Doch inzwischen ziehe es den 58-Jährigen wieder ins Haus. „Die Kunsthalle hat sich gut entwickelt. Es gibt Kunst für jedermann und nicht nur Ausgefallenes. Es sind tolle Ausstellungen dabei.“

Kunsthallen-Chef Jörg-Uwe Neumann erhofft sich durch das neue Schaudepot eine längere Verweildauer der Besucher. Ohne den Neubau hätte sein Haus stark an Platz eingebüßt: „Wir müssen die Kunsthalle sanieren. Durch Brandschutzvorgaben und den Einbau von Fahrstühlen werden wir dabei Flächen verlieren.“ Das Schaudepot komme daher zur rechten Zeit. „So können wir auch unsere Gastronomie erhalten.

Was heute Standard ist“, betont Neumann.

Zur Finanzierung des Vorhabens fließen vier Millionen Euro aus dem Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus. Die Kunsthalle Rostock war als einziges Vorhaben aus ganz Mecklenburg-Vorpommern für diese Förderung im Jahr 2015 ausgewählt worden. 500 000 Euro zahlt die Stadt.

Tag der Städtebauförderung

Es ist daher auch kein Zufall gewesen, dass die Stadtverwaltung den Termin für die offizielle Grundsteinlegung auf den bundesweiten Tag zur Städtebauförderung am Sonnabend legte. Dazu gab es ein Fest in der Kunsthalle. Hier stellten sich das Rostocker Stadtzentrum und die fünf Fördergebiete Evershagen, Schmarl, Dierkow und Toitenwinkel vor.

Mehr als 400 Millionen Euro flossen seit 1991 aus dem Programm der Städtebauförderung in diese Stadtteile. Durch weitere öffentliche und private Investitionen seien daraus am Ende mehr als zwei Milliarden Euro geworden, sagt Finanzsenator Chris Müller (SPD). Er spricht von einem „Bau-Turbo“.

Auch OB Methling betont: „Das Programm hat einen wesentlichen Anteil daran, dass Rostock sein Gesicht positiv verändert hat“. Beispiele seien die Straßenbahnschienen in die Südstadt, die Entwicklung der östlichen Altstadt oder die Neugestaltung der Wallanlagen.

Doch Städtebauförder-Gelder fließen nicht nur in Bauvorhaben. Auch in Quartiermanager und Bürgerprojekte, in Zusammenhalt und Lebensqualität sei investiert worden, sagt Senator Müller.

Dass sich ihr Stadtteil positiv entwickelt, bestätigt Agathe Gatz aus Toitenwinkel. Inwiefern das mit der Städtebauförderung zusammenhänge, habe die 77-Jährige jedoch erst jetzt beim Festtag gesehen.

„Dadurch habe ich einen ganz anderen Blick bekommen. Ich habe mich davor nicht so damit auseinandergesetzt“, sagt Gatz.

Doch Senator Müller betont: „Es bleibt noch einiges zu tun.“ Ein Thema sei zum Beispiel der Theaterneubau am Bussebart.

88 Prozent der Baukosten für das neue Schaudepot kommen aus dem Bundesprogramm Nationale Projekte des Städtebaus. Die Kunsthalle Rostock war als einziges Vorhaben aus ganz Mecklenburg-Vorpommern für diese Förderung im Jahr 2015 ausgewählt worden.

Die Kunsthalle Rostock zählt zu den wichtigsten Architektur-Denkmalen der DDR-Moderne. National renommierte Maler, Bildhauer und Fotografen haben in dem traditionsreichen Haus am Schwanenteich ihre Arbeiten ausgestellt: unter ihnen Arno Rink, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Richard Serra, Norbert Bisky und Eugenio Recuenco.

André Wornowski

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