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Rostock Rostocks „stiller Macher“ geht in Rente
Mecklenburg Rostock Rostocks „stiller Macher“ geht in Rente
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10:10 27.04.2018
Jochen Bruhn lenkte drei Jahrzehnte lang die Geschicke der wichtigsten städtischen Gesellschaften in Rostock. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Er gilt als einer der einflussreichsten Männer der Stadt, als ruhiger Entscheider und Macher hinter den Kulissen. Doch nun zieht sich Jochen Bruhn endgültig zurück ins Privatleben: Knapp drei Jahre nach seinem Abschied als Vorstand der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) gibt der 62-Jährigen nun auch den Chef-Posten bei der stadteigenen Beteiligungsholding RVV aus. „Meine Arbeit ist getan“, sagt Bruhn und führt „private Gründe“ für den überraschenden Schritt an. Vor seinem Abschied rechnet er aber noch mit dem privaten Wasserversorger Eurawasser ab: Der versuche derzeit massiv der Stadt und ihren Unternehmen zu schaden.

34 Jahre bei der Straßenbahn

Offiziell ist Bruhn bereits seit 2015 Rentner. Damals hatte er seinen Posten als kaufmännischer Chef der RSAG abgegeben – nach 30 Jahren im Amt. 1981 war er zur RSAG gekommen, nur vier Jahre später übernahm er die Aufgabe des kaufmännischen Leiters. In seine Zeit fällt unter anderem der Ausbau des Straßenbahnnetzes nach der Wende. Beinahe wäre Bruhn aber bei einer anderen großen Gesellschaft der Stadt gelandet: „Ich habe auch Seeverkehr und Hafenwirtschaft studiert, meine Diplom-Arbeit über den Stückgut-Pier 1 im Seehafen geschrieben.“

„RVV ist ein Erfolgsmodell“

Mit Häfen hatte er in seiner Karriere erst später wieder zu tun: Denn bis gestern war Bruhn Chef der RVV – der Rostocker Verkehrs- und Versorgungsholding. Unter dem Dach der Beteiligungsgesellschaft bündelt die Hansestadt einen Großteil ihrer eigenen Gesellschaft – die RSAG, die Stadtentsorgung, den Flug- und auch den Fischereihafen zum Beispiel. Das Ziel: Synergien nutzen, Angebote für Bürger und Stadtkasse so günstig wie möglich zu machen. „Anfangs ging es in der Tat nur darum, Gelder zwischen den einzelnen Gesellschaften zu verteilen – zum Beispiel von den rentablen Stadtwerken zur defizitären RSAG. Aber seit 2000 haben wir mit einem kleinen Team angefangen, die stadteigenen Gesellschaften neu aufzustellen: Sie übernehmen mehr und mehr Aufgaben für das Rathaus und die Bürger dieser Stadt“, sagt Bruhn. Der Fischereihafen zum Beispiel habe vor einigen Jahren noch vor dem Aus gestanden: „Heute wächst und floriert das Geschäft, von der neuen Ausrichtung profitieren die Stadt und die Wirtschaft.“ Der Flughafen in Laage, dessen größter Gesellschafter die Hansestadt ist, sei ein weiteres Beispiel: Von Insolvenz sei dort vor gar nicht allzu langer Zeit noch die Rede gewesen. „Heute eilt der Airport von einem Passagierrekord zum Nächsten.“

Nordwasser auf gutem Weg

Eine der schwierigsten Aufgaben seiner Zeit bei der RVV sei aber die Re-Kommunalisierung der Wasserversorgung gewesen. „Ich habe da mit viel Widerstand gerechnet. Aber das es so heftig werden würde – das war mir nicht klar“, sagt Bruhn. Mitte des Jahres wird die RVV-Tochter Nordwasser den privaten Versorger Eurawasser ablösen. „Eurawasser und sein Mutter-Konzern Remondis versuchen derzeit, die RVV und seine ,Töchter’ – den Flughafen etwa – in Misskredit zu bringen. Das geht überhaupt nicht“, so Bruhn. Am Start von Nordwasser werde dies aber nichts ändern: „Wir haben jetzt endlich auch den Personal-Übergang geregelt. Der Tarifvertrag für die neuen Beschäftigten steht.“ Alles sei für den erfolgreichen Start geregelt. „Deshalb ist es für mich Zeit, meinen Hut zu nehmen.“ Die Holding wird nun von Co-Chef Oliver Brünnich (Stadtwerke-Vorstand) und Yvette Hartmann (RSAG-Vorstand) geführt.

Andreas Meyer

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