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Rostock Rumpelpisten sorgen für Kostenexplosion
Mecklenburg Rostock Rumpelpisten sorgen für Kostenexplosion
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04:30 24.05.2013
Die Hundertmännerstraße hat es schlimm erwischt. Sie ist für alle Zweiradfahrer oder für Menschen im Rollstuhl kreuzgefährlich. Quelle: OVE ARSCHOLL
Stadtmitte

In Rostock wächst jährlich die Zahl der Schlaglöcher. Und überhaupt nehmen die Winterschäden so sehr zu, dass sie der Stadt förmlich über den Kopf zu wachsen drohen. Es fehlt an Geld und an Personal.

„Wir haben nur 20 Mitarbeiter, die in zwei Reparaturtrupps unterwegs sind. Allein 2012 mussten sie 3000 Reparaturaufträge abarbeiten“, umreißt Stefan Kersten aus dem Tiefbauamt den Umfang der Aufgaben. Ohne schon konkrete Zahlen zu haben, weiß er, dass in diesem Jahr am Ende deutlich mehr Aufträge zusammenkommen werden. Da es viele Straßen in diesem Jahr richtig schlimm erwischt habe, müssten beispielsweise die vielen kleineren Schäden in der Maxim-Gorki-Straße in Evershagen noch warten, bis sie ausgebessert werden könnten, so hat es Stefan Kersten dem Ortsbeirat in Evershagen erklärt.

„Die Hundertmännerstraße ist uns in diesem Winter regelrecht um die Ohren geflogen“, nennt Kersten ein Beispiel für eine regelrechte Rumpelstraße. „Das haben wir so nicht erwartet, und da haben wir auch nichts geplant.“ Doch jetzt gebe es dort dringenden Handlungsbedarf. Da dort mit Flicken nichts mehr zu machen sei, müsse die Straße völlig neu gedeckt werden. Ähnlich sehe es auch im Tannenweg, in der Einsteinstraße und der Industriestraße aus, begründet er den erhöhten finanziellen Bedarf. Doch noch sei kein Geld dafür da, so Kersten.

Frank Giesen (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses und Mitglied im Ortsbeirat Evershagen, erinnert daran, dass sich sein Ausschuss ja dafür eingesetzt habe, dass im vergangenen Jahr überhaupt eine Million Euro im Haushalt für Straßensanierungen verankert worden seien. Doch die kaputten Straßen forderten offenbar einen höheren Finanzbedarf.

Von dieser vorhandenen einer Million Euro seien in der Tat bereits 950 000 Euro verplant, bestätigt Stefan Kersten, ohne dass alle notwendigen Arbeiten berücksichtigt werden konnten. Darum habe das Tiefbauamt jetzt für Arbeiten an den kaputten Straßen zusätzlich 500 000 Euro beantragt. Die Entscheidung stehe noch aus.

Über diese Gesamtsumme von nunmehr 1,5 Millionen Euro für die Straßensanierung wird die Bürgerschaft wohl auf ihrer Juni-Sitzung entscheiden. Ob jedoch die Hundertmännerstraße noch so lange warten kann, ist fraglich. „Da ist eigentlich hochgradig Gefahr im Verzug“, sagt ein Anwohner. Er verstehe nicht, warum es für solche akuten Fälle keinen Notfonds in der Stadtverwaltung gebe.

„Wenn dort jemand beim Queren der Straße mit seinem Rollstuhl in einem der zahlreichen Löcher hängenbleibt, kann er nur per Notruf die Feuerwehr rufen, denn allein kommt da keiner raus“, beschreibt auch Jan Zblewski vom Behindertenbeirat der Hansestadt die Dramatik. Ob die Straße kurzfristig die dringend benötigte neue Deckschicht bekommen kann, ist allerdings völlig offen.

Programm des Landes war einmalig
Mit rund vier Millionen Euro des Landes wurden durch das Schlaglochprogramm im Jahr 2012 einige Straßen wie die Rövershäger Chaussee, die Straße durch den Fischereihafen oder der Schmarler Damm komplett saniert, die zuvor die schlimmsten Schlagloch-Pisten in Rostock waren.

Die Bürgerschaft hat 2012 zudem beschlossen, dass eine Million Euro für die Straßeninstandhaltung zur Verfügung stehen. In den Vorjahren war es gerade mal die Hälfte. Dieser Betrag soll möglichst auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt werden. Das Land legt kein neues Schlaglochprogramm auf.

Thomas Sternberg

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