Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Zum Erhalt alter Apfelsorten
Mecklenburg Rostock Zum Erhalt alter Apfelsorten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 05.12.2018
Dr. Friedrich Höhne sammelt alte Apfelsorten. Quelle: Sabine Hügelland
Satow

Er kann einen Apfel mit allen Sinnen erfassen. Dr. Friedrich Höhne ist Pomologe und erkennt viele Sorten an Farbe, Geruch, Geschmack, der Oberfläche und nicht zuletzt auch an der Form sowie den Kernen. Über 20 typische Merkmale gibt es. „Nicht alle alten, fast ausgestorbenen Sorten sind bestimmbar. Das sind dann UFOs – unbekannte Fruchtobjekte“, sagt Höhne und schmunzelt. Er gilt als die Paradiesfrucht: der Apfel. Verführerisch lockte die Schlange Eva im Paradies, ihrem Partner einen zu reichen, um damit Erkenntnis zu erlangen. Äpfel haben von jeher eine große Bedeutung und sind wertvolle Vitamin- und Energielieferanten. Aus diesem Grund gibt es Spezialisten, die sich mit der Frucht an sich befassen. Es ist fast eine Wissenschaft.

Dr. Friedrich Höhne ist der Sprecher der Landesgruppe MV des Pomologen-Vereins. In seinem Garten stehen 14 Apfelbäume, auf denen 50 verschiedene Sorten wachsen. Höhne ist sozusagen ein Apfelsorten-Sammler. Sonnenapfel und Santa Barbara sind seine eigenen Züchtungen. Sieben bis acht Sorten wachsen bei dem 67-Jährigen an einem Baum. 30 verschiedene Obstarten hat er insgesamt in seinem Garten. „Als ich vor 20 Jahren herzog, hatte ich nur drei Apfelbäume“, so Höhne. Die kleinsten Früchte ließ er für die Vögel als Winterfutter. Seine Ernte lagert im Schuppen und in Regenfässern, die er in die Erde eingegraben hat. „Oben liegen die Äpfel, die zuerst weg müssen“, sagt er. Auch Saft und anderes wurde aus der diesjährigen Ernte, die mit 900 Kilogramm sehr üppig ausfiel. „So viel hatte ich noch nie. Wir haben mit drei Kindern, ihren Partnern und fünf Enkeln eine große Familie und einiges ging auch an die Nachbarn und Freunde.“

Bundesweit 1400 Mitglieder im Pomologenverein

Die Pomologen-Landesgruppe zählt mehr als einhundert Mitglieder. Der 80-jährige Horst Friedrich war bis vor Kurzem noch deren Sprecher, wollte aber kürzer treten. „Horst Friedrich machte unsere Gruppe zu dem, was sie jetzt ist. Begonnen haben wir mit nur zehn Mitgliedern“, sagt Friedrich Höhne. „Deutschlandweit gehören mehr als 1400 Mitglieder zum Pomologen-Verein. Darunter sind Interessierte aller Bevölkerungsschichten, die sich für den Erhalt alter Obstorten und Streuobstwiesen engagieren.“ 1860 bis 1920 gab es bereits einen Deutschen Pomologen-Verein. Dann erst wieder nach der Wende. „Mittlerweile gelten schon fünf Obstbäume als Streuobstwiese. Sie sind mächtig in Gefahr. Viele wurden vor 80 bis 100 Jahren gepflanzt und sterben ab oder werden abgeholzt. In 20 Jahren könnte es schon keine mehr geben“, sagt der Fachmann. „Auch Obstbäume an Straßen verschwinden.“

Dr. Friedrich Höhne wuchs mit einer kleinen Gärtnerei in der Lutherstadt Wittenberg auf. Durch sein vierjähriges Gartenbau-Studium und die spätere Aspirantur an der Humboldt Universität zog er nach Berlin. Anschließend verbrachte er drei Jahre in Moskau und promovierte dort. Wieder in Deutschland angekommen, zog es ihn nach Pillnitz (Sachsen) ans Institut für Obstforschung. „Es war angenehm, morgens mit dem Rad durch den Schlosspark zu fahren“, erinnert er sich. „Wir haben uns auf Produktionsverfahren, neue Technik, Lager- und Wachstumsforschung konzentriert sowie auf die Züchtung neuer Obstsorten. Es reichte bis zur Ökonomie, wo ich tätig war.“ Als ihm die Stelle des Leiters in der Obstversuchsstation Rostock angeboten wurde, nahm er sie an. 1992 ging ein Teil der Forschung in die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV über. 2006 wurde der Bereich nach Gülzow verlagert. „Bis Ende 2016 habe ich dort gearbeitet“, sagt Höhne.

Einige Sorten verschwanden, weil sie nicht lagerfähig waren

Ein alter Obstbauer bot ihm in der Versuchsstation Bäume alter Apfelsorten an. Das war der Beginn seiner Sortenbestimmungen, die gar nicht so einfach sind. „Man kann zwar Bücher zu Hilfe nehmen und vergleichen, aber am Ende muss man es praktisch lernen, an der Frucht“, macht er klar. So sieht der Mecklenburger Königsapfel einem Spartan ähnlich und anderen. Viele Sorten verschwanden, weil sie kaum Ernte brachten, nicht lagerfähig waren oder einfach nicht schmeckten. Die Doberaner Renette wurde bereits 1899 als wohlschmeckend beschrieben. „Die Schale ist jedoch hart, auch der Baum wächst unmöglich, mit langen Ästen nach oben, und trägt nur alle sieben bis acht Jahre prächtig, so verschwand er aus den Gärten. Wie auch andere Sorten“, sagt Höhne. „Ich bin bestrebt, robuste Sorten zu halten, und spritze nicht, sondern nehme das Laub im Herbst unter den Bäumen weg. So kann man den Apfelschorf etwas eindämmen.“ Dr. Höhne hält an der Universität Rostock Obstbauvorlesungen für angehende Agrarwissenschaftler. Außerdem Vorträge für Kleingärtner, in Streuobstnetzwerken und für andere Pomologen. „Ich hatte das Glück, über meine Arbeit mehrere 100 Sorten zu prüfen, in der Hand zu halten und dadurch kennenzulernen, und ich lerne immer noch hinzu.“

Sabine Hügelland

Unbekannte brachten einen 76-Jährigen aus Rostock um 900 Euro – und forderten noch mehr.

05.12.2018
Rostock Drogenhandel: Prozessbeginn in Rostock - Junger Syrer legt Geständnis ab

Vor dem Landgericht Rostock hat am Mittwoch die Hauptverhandlung gegen einen syrischen Heranwachsenden wegen Handels mit Betäubungsmitteln begonnen. Die Staatsanwaltschaft Rostock legt dem 20-jährigen Abdmahamoud O. zur Last, zwischen dem 18.10.2017 und dem 8. Februar dieses Jahres in drei Fällen mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gehandelt zu haben.

Der 16-Jährige, den die Polizei am Hauptbahnhof festnahm, hatte 1,4 Promille.

05.12.2018