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Rostock Sanitzer Plattsnacker tragen Grün
Mecklenburg Rostock Sanitzer Plattsnacker tragen Grün
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00:00 27.09.2018
Die Knirpse der Kita „Buchenkopf“ in Groß Lüsewitz lernen Platt und überbringen mit Valeska Jürß (l.), Lea Kelm (r.) und Annerose Schulz an der Gitarre ein Ständchen.
Sanitz

„Ik bün Farus un veer Johr oolt“, stellt sich ein kleiner Lockenkopf vor. „Un ik bün Kassandra un sess Johr oolt“, sagt das Mädchen neben ihm. Die Knirpse besuchen die Kita „Buchenkopf“ in Groß Lüsewitz und lernen Plattdeutsch. Mit ihrer Kita-Leiterin Valeska Jürß und Annerose Schulz, die vor 20 Jahren eine Plattsnacker-Gruppe in der Gemeinde Sanitz ins Leben gerufen hat.

Seit 20 Jahren wird niederdeutsche Sprache gepflegt / Auch Kitaknirpse lernen Platt

Im Herbst 1998 trafen sich „de groten Plattsnacker“ das erste Mal. Zuerst waren sie sechs bis acht Frauen und Männer, die Spaß an der niederdeutschen Sprache hatten. Heute kommen regelmäßig 20 bis 25 Einwohner zu den Treffs ins Sanitzer Gemeinschaftshaus.

„Die niederdeutsche Sprache ist ein wichtiger Teil unserer Landeskultur“, sagt Kultusministerin Birgit Hesse (SPD). „Für alle ist Plattdüütsch identitätsstiftend und eine Bereicherung für ein Heimatbewusstsein von heute.“ Das sieht die Sanitzer Interessengemeinschaft genauso, die sich der Pflege des Plattdeutschen verschrieben hat, „damit unsere Regionalsprache nicht untergeht“. Die ehemalige Lehrerin Annerose Schulz begeistert auch die Jüngsten. Die 76-Jährige leitete Schülergruppen und unterbreitete Lernangebote up Platt in den Kitas in Sanitz und Groß Lüsewitz.

„Mit Lütt Matten, de Has, bün ik inn Kinnergoorn gahn“, denkt die leidenschaftliche Plattsnackerin an die Anfänge zurück und hält einen kleinen Plüschhasen hoch. „Dat hett soveel Spaß maakt.“ Der Nachwuchs tritt bei Wettbewerben an, unterhält die Gäste bei Dorffesten, Familienfeiern oder Firmenjubiläen. Und bei so manchem Anfänger hat sich das Platt erfolgreich eingeprägt. Der ehemalige Sanitzer Schüler Jan Ahrend zum Beispiel, heute Schmied in Strahlendorf, gehört schon seit etwa 17 Jahren zum Ensemble der Niederdeutschen Bühne Rostock.

Nach einer Spracherhebung zum Niederdeutschen können 60 Prozent der Menschen in MV Plattdeutsch gut verstehen, 23 Prozent auch gut sprechen. Und die Menschen hierzulande wollen, dass mehr für Plattdeutsch getan wird, wie aus einer Umfrage des Instituts für Deutsche Sprache und des Instituts für niederdeutsche Sprache hervorgeht. 63,8 Prozent der Befragten gaben an, dass dies in der Schule geschehen solle.

„Sprachen lernen macht klug, das ist schon lange bewiesen. Kinder, die Sprachen lernen, können Zusammenhänge besser herstellen und sich besser konzentrieren. Sie können eben besser ’achter denn Horizont kieken’“, stimmt Bildungsministerin Hesse zu. 63 Lehrkräfte mit einer Ausbildung für Niederdeutsch sind derzeit an den Schulen in MV angestellt. Kita-Trägern ist es freigestellt, niederdeutsche Sprachförderung und Heimatpflege anzubieten. „Plattdeutsch im Norden, unsere schöne Sprache, lebt dann, wenn alle, die sie gut beherrschen, sie auch sprechen. Für Kinder und Jugendliche bietet der Plattdeutschwettbewerb eine gute Gelegenheit dazu“, sagt Hesse. An diesem Wettbewerb haben 2018 insgesamt 370 Kinder, davon Schüler aus 27 unterschiedlichen Schulen, teilgenommen.

Die Sanitzer Plattsnacker haben sich zum 20-jährigen Jubiläum ein Buch geschenkt, in dem ihr Werdegang in Wort und Bild festgehalten ist. Möglich war dies mit Unterstützung der Ehrenamtsstiftung, die 1000 Euro locker gemacht hat. Spendierhosen hatte auch Bürgermeister Joachim Hünecke an. Er sorgte dafür, dass die Plattsnacker der Gemeinde künftig auch äußerlich gut zu erkennen sind, mit grünen Halstüchern, auf denen das Sanitzer Wappen zu sehen ist. „Dat hett he sik afkeken von de Holtz-Apteiker ut Bützow, de hebben gele Döker“, verrät Annerose Schulz, die inzwischen „Ehren-Holtz-Apteiker“ bei der befreundeten Bützower Plattdeutsch-Gruppe ist. „Ja, nun haben auch unsere Plattsnaker ein auffälliges Outfit“, freut sich Hünecke.

Doris Deutsch

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