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Rostock Schimmel-Kita: Wer wusste was?
Mecklenburg Rostock Schimmel-Kita: Wer wusste was?
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00:01 21.10.2017
Brinckmansdorf

Der kleinen Pia (*) geht es schon seit Monaten nicht mehr richtig gut. „Ihre Augen sind ständig gereizt und tränen. Vor einiger Zeit traten dann plötzlich auch noch Allergien auf“, erzählt ihr Vater Klaus Schmidt (*). Wochenlang rätselte er über die Ursache. Nun hat er zumindest einen Verdacht: Pia besucht die Kita „Richard Baumann“ in Brinckmansdorf. Und die wurde jetzt gesperrt – weil in der Luft eine hohe Konzentration gesundheitsschädlicher Pilzsporen nachgewiesen wurde. „Wir wissen nicht, ob Pias Krankheiten damit zusammenhängen. Aber wir wollen Klarheit.“

Eltern wollen Initiative gründen

Am Donnerstagabend waren die Eltern der 98 von der Schließung betroffenen Kinder informiert worden. Auf einer eigens einberufenen Versammlung. Auch das Gesundheitsamt der Stadt nahm daran teil: Laut den Experten aus dem Rathaus soll die Sporen-Konzentration in der Kita vier- bis fünffach über der in der Außenluft liegen. Vor allem für Kinder mit Immunschwäche sei das gefährlich. Die Folgen der Pilzsporen könnten Augen- und Schleimhautreizungen, aber auch Allergien sein. „Das passt zu den Symptomen, die unsere Kinder haben“, sagt ein weiterer Vater, der seinen Namen ebenfalls nicht öffentlich nennen möchte.

Auf der Sitzung hätten sich sechs Familien gemeldet, deren Kinder über Probleme klagen. Die Eltern wollen nun eine Initiative gründen und verlangen vom Träger der Kita – dem Institut Lernen & Leben (ILL) – und dem letzten und aktuellen Eigentümer der Immobilie – das sind die Wohnungsgesellschaft Wiro und der städtische Immobilienverwalter KOE – Aufklärung. „Wie lange waren die Probleme bekannt?

Was wurde getan? Wir wollen wissen, ob eine Gefahr billigend in Kauf genommen wurde.“ Ein dritter Vater will in den kommenden Tagen deshalb Anzeige erstatten: Die Staatsanwaltschaft soll dem Anfangsverdacht der Körperverletzung nachgehen.

Alle Verantwortlichen wussten um bauliche Probleme

Denn dass mit dem 2001 gebauten Haus am Korl-Beggerow-Weg etwas nicht in Ordnung ist, war seit 2015 bekannt. Schon einmal hatte es Probleme mit Pilzsporen in der Luft gegeben. Nach einer gründlichen Reinigung waren die Probleme aber behoben, sagt Wiro-Sprecher Carsten Klehn. Bis August war das Wohnungsunternehmen Eigentümer der Kindestagesstätte. Dann übernahm der KOE.

Dass die Kita dringend saniert werden muss, war zu diesem Zeitpunkt allen Beteiligten längst klar: „Die allen Parteien bekannten baulichen Probleme wurden im Zuge des Verkaufs intensiv besprochen und auch transparent in den Kaufvertrag aufgenommen.“ Nach Informationen der OZ empfahlen Gutachter schon 2016 eine Komplettsanierung der Wände. Die seien schon damals kontaminiert gewesen.

Von einer erneuten Belastung mit Pilzsporen wollen aber weder Wiro noch KOE und auch das ILL etwas gewusst haben. In einem Schreiben wurde den Eltern 2016 mitgeteilt, dass es keine Belastungen mehr gäbe. „Wir wissen einfach nicht, ab wann es wieder Probleme gab“, sagt KOE-Chefin Sigrid Hecht.

Doch bereits der Verkauf des Kita-Gebäudes wirft Fragen auf: Nach OZ-Informationen hatte sich das ILL im August 2016 entschieden, das Haus zu kaufen und selbst zu sanieren. Im April 2017 gab der Wiro-Aufsichtsrat dafür zunächst auch „grünes Licht“ – allerdings unter einer Bedingung: Die Kita sollte zunächst dem städtischen KOE angeboten werden. Dessen Chefin Sigrid Hecht habe zunächst abgelehnt und erst nach massivem Druck aus der Politik dem Kauf zugestimmt. ILL-Sprecherin Henrike Thaut bestätigt lediglich: „Ja, wir haben ein Kaufangebot vorgelegt. Der Aufsichtsrat der Wiro hat aber letztlich beschlossen, dass der KOE das Gebäude erwerben darf.“

Dem Haus droht nun der Abriss

Die Kinder aus der Schimmel-Kita sollen nun zunächst bis Sommer 2018 in den Schulcampus Kassebohm umziehen. „Uns war wichtig, dass die Gruppen zusammenbleiben und wir die Kinder nicht auf Einrichtungen in der ganzen Stadt verteilen müssen“, sagt ILL- Geschäftsführer Sergio Achilles. Der KOE prüft nun, ob das Gebäude in Brinckmansdorf saniert oder komplett neu gebaut wird.

(*) Namen von der Redaktion geändert

Andreas Meyer

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