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Rostock Schimmel-Kita nicht zu retten: Neubau für „Kinnerhuus“
Mecklenburg Rostock Schimmel-Kita nicht zu retten: Neubau für „Kinnerhuus“
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00:00 10.01.2018
Nur 17 Jahre nach dem Bau muss die Kita „Richard Baumann“ abgerissen werden. Eine Sanierung wäre zu teuer. Quelle: Fotos: O. Arscholl, J. Wagner, Dpa
Brinckmansdorf

Giftige Pilzsporen in der Luft, Schimmel in Wänden und Böden – und als Konsequenz die sofortige Schließung der Kita „Kinnerhuus Richard Baumann“: Ende Oktober sorgte diese Nachricht für Wirbel in Rostock, fast 100 Kinder mussten raus aus ihren Räumen in Brinckmansdorf. Nun ist klar: Die Jungen und Mädchen werden nicht in „ihre“ Kita zurückkehren können. Das Haus am Korl-Beggerow-Weg ist nicht mehr zu retten und wird abgerissen. Das hat der Eigentümer, der städtische Immobilien-Betrieb KOE entschieden. Ab Sommer sollen die Kinder nun vorerst in Containern untergebracht werden – bis ein Neubau errichtet ist.

2,6 Millionen Euro für neue Kita / Kinder sollen in Containerdorf ziehen

„Kinnerhuus“ und ILL

98 Kinder betreut das Institut Lernen &

Leben in der Kita „Richard

Baumann“ – 26 davon besuchen die Krippe, 72 den Kindergarten. Sie werden derzeit im Schulcampus betreut.

13 Kitas betreibt das ILL, eine 14. ist in Planung.

Eigenbetrieb will 2,6 Millionen Euro ausgeben

Dass die Kita hochgradig mit Pilzsporen belastet ist – das kam damals auch für den KOE völlig überraschend. Erst im August 2017 hatte der Immobilien-Verwalter der Hansestadt das Gebäude von der Wiro gekauft. Bekannt war lediglich, dass es bereits 2015 einen Regenschaden an dem erst 17 Jahre alten Haus gegeben hatte. 2016 wurden dann bei Messungen erstmals Pilzsporen in der Raumluft nachgewiesen. Nach einer Reinigung der gesamten Kita schien das Problem aber behoben. „Nach der Übernahme von der Wiro haben wir erneut Messungen durchgeführt – mit erschreckendem Ergebnis“, so KOE-Chefin Sigrid Hecht im Oktober. Sie habe keine andere Wahl gehabt, als die Kita zu sperren: „Die Grenzwerte werden zum Teil deutlich überschritten.“ Eine Gefährdung für die Gesundheit der Kinder sei nicht auszuschließen gewesen. Zusammen mit dem Träger der Kita „Richard Baumann“, dem Institut Lernen & Leben (ILL), reagiert die Stadt binnen weniger Tage: Die 98

Kinder der Kita werden seitdem in Räumen des ILL-Schulcampus in Kassebohm betreut.

Sanierung wäre fast so teuer wie ein Neubau

In den vergangenen Wochen wurde das „Kinnerhuus“ nun von Gutachtern untersucht. Ergebnis: Ja, eine Sanierung wäre möglich – aber extrem teuer. „Wenn wir das alte Gebäude sanieren, wäre das nur rund zehn Prozent günstiger als ein komplett neues Gebäude zu errichten. Langfristig sind ein Abriss der alten Kita und ein Neubau an selber Stelle die wirtschaftlichste Lösung“, so KOE-Chefin Hecht.

Rund 2,6 Millionen Euro will der Eigenbetrieb in das Bauvorhaben investieren.

Positiver Nebeneffekt: „Die neue Kita wird größer als die bestehende.“ Statt gut 100 Plätzen soll es im neuen Haus mehr als 125 geben. „Wir können die Kapazität also um ein Viertel steigern – was angesichts der Nachfrage nach Kita- und Krippen-Plätzen in Rostock auch Sinn macht.“ Bereits in den kommenden Wochen soll das Planungsbüro B3 konkrete Entwürfe erarbeiten. „Wir wollen noch im Frühjahr die Baugenehmigung beantragen“, sagt Hecht.

Übergangslösung in Containern?

Ein Problem müssen Stadt, KOE und Träger aber noch klären: Die Kita-Kinder aus dem „Kinnerhuus“ können nur bis zum Sommer in ihrem Ausweichquartier in Kassebohm bleiben. Danach benötigt die Schule die Räume für sich selbst: „Wir stocken in der Schule auf, werden eine zusätzliche Klasse einschulen“, sagt ILL-Sprecherin Henrike Thaut. Mit dem Neubau der Kita soll aber frühestens Ende 2018 begonnen werden, mit der Fertigstellung rechnet der KOE nicht vor Ende 2019. „Wir haben also einen Zeitraum von mindestens eineinhalb Jahren, in denen wir die Kinder anderenorts unterbringen müssen“, sagt Sigrid Hecht. Sie favorisiert eine Container-Lösung. Soll heißen: Der KOE will ein Provisorium aus Wohn- Container errichten. „Dafür suchen wir im Bereich Brinckmansdorf / Kassebohm noch einen geeigneten Standort.“ Und weiter: „Wir wollen in jedem Fall vermeiden, dass die Kinder auf andere Kitas in der ganzen Stadt verteilt werden müssen. Das wollen wir weder den Jungen und Mädchen, noch ihren Eltern zumuten“, sagt Hecht.

Auch das Institut Lernen & Leben, das auch die Kita im Neubau betreiben soll, spricht sich für eine „lokale Lösung“ aus: „Schön wäre, wenn die Kita als Ganzes im Sozialraum verbleibt, um Eltern und ihren Kindern weiterhin kurze Wege zu ermöglichen“, so ILL-Chef Sergio Achilles. Noch sei das aber nicht entschieden, betont der zuständige Jugendsenator Steffen Bockhahn (Linke). „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, für die Kinder und Eltern schnellstmöglich eine vernünftige Unterbringungsmöglichkeit ab September zu finden.“ Es gäbe „verschiedene Optionen“, die derzeit gemeinsam mit allen Beteiligten und den zuständigen Ämtern diskutiert würden.

Schuldfrage bleibt noch offen

Offen bleibt nach OZ-Informationen auch die „Schuldfrage“: Wer wusste ab welchem Zeitpunkt von dem Ausmaß des Pilz-Befalls in der Kita? Und: Hätte womöglich schon früher reagiert werden müssen? Aus dem KOE heißt es, dies sei kein Thema mehr. Weder der Wiro noch der Stadt oder dem ILL seien in der Causa ein Vorwurf zu machen. Angeblich soll die Wiro in diesem Jahr aber rund eine Million Euro mehr als geplant an die Stadt abführen – laut Gerüchten als eine Art „Kompensation“ dafür, dass dem städtischen KOE eine so marode Kita verkauft wurde.

Zwischenzeitlich hatte sich auch die Staatsanwaltschaft der Hansestadt Rostock mit dem Fall der „Schimmel-Kita“ befasst: „Bei uns war eine anonyme Anzeige wegen des Verdachts auf Körperverletzung eingegangen“, bestätigt Maureen Wiechmann, die Sprecherin der Ermittlungsbehörde. Das Verfahren sei aber zwischenzeitlich eingestellt worden: „Es konnte nicht dargelegt werden, dass ein Kind wirklich nachweislich durch die Belastung der Raumluft krank geworden ist. Wäre dies der Fall gewesen, hätten wir selbstverständlich ermittelt.“

Andreas Meyer

Die Rostocker Rotary Clubs veranstalteten in der Stadthalle mittlerweile zum vierten Mal einen Projekttag für Fünftklässler des Schulcampus in Evershagen.

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