Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Schimmel bei den Heidehummeln
Mecklenburg Rostock Schimmel bei den Heidehummeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:32 27.04.2018
Hausmeister Lars Seidler (l.) und Roy Potrykus räumen die Kita Heidehummeln in Rövershagen wegen extremen Schimmelbefalls aus. Quelle: Foto: Frank Söllner
Rövershagen

Rohrbruch, feuchte Wände, Schimmel – die Kita „Heidehummeln“ in Rövershagen sorgt derzeit für viel Aufregung, vor allem unter besorgten Eltern. Der Schaden ist in der Tat so massiv, dass die Kinder umziehen und in den kommenden Wochen und Monaten im Freizeitzentrum und dem Schulgebäude betreut werden müssen. Der Trägerverein „Auf der Tenne“, Vertreter der Gemeinde, die Eigentümer des Gebäudes ist, und diverse Sachverständige informierten bei einer Elternversammlung am Dienstag über den aktuellen Stand.

Rövershäger Kita kämpft mit Wasserschaden / Kinder müssen umziehen

Hintergrund: Bereits seit mehreren Monaten ist der 2014 in Betrieb genommene Anbau der Kita von massiver Feuchtigkeit befallen. „Das wurde bei Ausbesserungsarbeiten entdeckt“, berichtet die ehemalige Kitaleiterin Karin Wulff, die im März die Funktion der Fach- und Praxisberaterin im Bereich Kindertagesstätten beim Trägerverein übernommen hat. Die Gemeinde sei sofort informiert worden, worauf Feuchtigkeitsmessungen und die Beauftragung eines Gutachters folgten. „Es kam heraus, dass ein Rohrbruch im Saunabereich vorliegt, es wurden sofort Trocknungsarbeiten veranlasst“, so Karin Wulff.

Durch die großen Mengen an Schmelzwasser nach Ostern ist das Problem jedoch noch größer geworden. Weitere Messungen ergaben: Es liegt eine erhöhte Belastung mit Schimmelsporen vor.

Nachdem die Ergebnisse aller Proben vorlagen, entschieden sich Träger und Gemeinde in der vergangenen Woche auf Anraten der hinzugezogenen Sachverständigen dafür, die Kita zu räumen. „Jetzt muss eine Lösung gefunden werden, eine Trocknung alleine reicht in diesem Fall nicht aus“, sagt Karin Wulff.

Bei vielen Eltern herrscht erheblicher Unmut über die Situation. Sie seien bis zur Versammlung zu keinem Zeitpunkt offiziell über die Situation informiert worden, beschwert sich ein besorgter Vater gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Der Schimmelbefall sei komplett verschwiegen worden. Das Problem sei verschleppt worden, viel zu lange seien Träger und Eigentümer darauf bedacht gewesen, den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten und hätten die Gesundheit der Kinder damit aufs Spiel gesetzt. „In meinen Augen wurde grob fahrlässig gehandelt“, macht sich der Vater Luft.

Karin Wulff wehrt diesen Vorwurf ab und verweist auf die Aussagen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS). Die Experten hätten keine massive gesundheitliche Gefährdung für die Kinder feststellen können. Dementsprechend erfolge der Umzug der Kinder auch nicht wegen des Schimmels per se, sondern um die Ursache für die Feuchtigkeit im Gebäude endgültig aus der Welt zu schaffen. „Das Gebäude ist nicht verseucht“, so Wulff. Das sei bei der Elternversammlung auch explizit formuliert worden.

Damit wollen sich die Eltern aber nicht zufrieden geben. Ihr Frust ist weiterhin so groß, dass sie sich nun direkt an Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) wandten. In einem Brief an die Politikerin schreibt der Elternbeirat unter anderem: „Uns ist bewusst, dass auch ein Kitabetrieb letztlich ein Wirtschaftsbetrieb ist, aber diese Wirtschaftlichkeit kann nicht zu Lasten der Schwächsten in unserer Gesellschaft gehen.“ Und weiter: „Wir bitten Sie daher darum, dass Ihr Ministerium als Fachaufsicht über den Bereich Kita-Angelegenheiten auch die Aufsicht über die Sanierungsarbeiten übernimmt.“

Auch der Rövershäger Vater kann die Aussagen des Trägers und der Gemeinde nicht nachvollziehen. Er fühlt sich von den Verantwortlichen hintergangen. „Wer ein immungeschwächtes Kind hat, sollte selbst die Entscheidung treffen, ob er es in so einem Fall nicht doch aus der Kita nimmt. Wie hier gehandelt wurde, ist nicht nachvollziehbar“, betont er.

Der Umzug der Kinder ist in vollem Gange, wie lange die Kita geschlossen bleibt, steht jetzt aber noch nicht fest. „Wir versuchen, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden“, sagt Bürgermeisterin Verena Schöne. „Genaueres können wir erst sagen, wenn uns das schriftliche Gutachten vorliegt.“

Christina Milbrandt

Mehr zum Thema

Der Sutjeska-Nationalpark in Bosnien und Herzegowina ist ein Naturjuwel. Dort erwartet Besucher einer der letzten Urwälder Europas. Nur ist der Park in Deutschland so gut wie unbekannt. Ein ambitionierter Fernwanderweg könnte das ändern - irgendwann.

28.04.2018

Wyoming ist größer als Großbritannien und hat weniger Einwohner als Dortmund. Der Staat in den Rocky Mountains zählt zu den am dünnsten besiedelten Gegenden der USA - und steckt voller Attraktionen, auch abseits der Hauptverkehrsströme. Einheimische stellen fünf Orte vor.

29.04.2018

Die Hansestadt bleibt auf Wachstumskurs - und könnte noch in diesem Jahr auf Platz 37 der größten deutschen Städte vorrücken. Das hat Rostock vor allem Ausländern zu verdanken: Auch aus den USA oder Brasilien ziehen immer mehr Menschen an die Warnow.

27.04.2018

Die Lange Nacht der Wissenschaften bot buntes Programm / Finale des OZ-Digital-Wettbewerbs

27.04.2018

Neubau für Leibniz-Institut: Forscher wollen fossile Brennstoffe überflüssig machen

27.04.2018

Ab August gibt es sieben neue Stellen für Schulsozialarbeiter / Einige Schulen warten seit Jahren / Stadt trägt die Kosten

27.04.2018
Anzeige