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Rostock Schlosshotel „Nordland“ aus Dornröschenschlaf erwacht
Mecklenburg Rostock Schlosshotel „Nordland“ aus Dornröschenschlaf erwacht
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03:45 07.09.2013
Hoteldirektorin Mandy Parkendorf ist der gute Geist im Schlosshotel „Nordland“. Charmant empfängt sie die Gäste. Quelle: Claudia Haiplick
Groß Potrems

Für Mandy Parkendorf ist das Schlosshotel „Nordland“ ihr ganz persönlicher Ausstieg. Hosenanzug, Stöckelschuhe und Geschäftsessen hat sie hinter sich gelassen. „Und ich bin glücklich damit“, sagt die 52-Jährige, die 20 Jahre als Direktorin in einem Weimarer Hotel arbeitete. Jetzt ist sie Direktorin im Schlosshotel „Nordland“ und Empfangsdame und Zimmermädchen — was eben gerade gebraucht wird. Seit Juni ist wieder geöffnet.

Das Gutshaus in Groß Potrems ist das zweite alte Haus, das Jörg Bochow und seine Frau Johanna gekauft haben. Schloss „K“ in Klein Kussewitz gehört dem Ehepaar bereits. „Alte Häuser besitzen einen unvergleichlichen Charme und viel Wärme. So ein Haus sein Eigen zu nennen, ist ein Lebenstraum von mir“, sagt er. Nach einem Konzept für Groß Potrems gefragt, sagt Bochow: „Wie immer, ich habe keins.“ Gutshäuser sind für das Ehepaar ein Stück Lebensqualität. Mit guten Geistern, wie Mandy Parkendorf an der Seite werde sich alles finden.

Statt Anzug trägt Mandy Parkendorf jetzt einen hübschen Rock mit Poloshirt. „Ich genieße das alte Gutshaus mit seiner Geschichte, den Möbeln und dem Park. Früher habe ich angewiesen und kontrolliert.

Jetzt kontrolliere ich mich selbst“, sagt sie. Charmant schlüpft sie von einer Rolle in die andere. Im März hatte Mandy Parkendorf zum ersten Mal das Gutshaus gesehen und sich sofort ins Haus verliebt.

„Das Haus ist so schön wie eine Puppenstube. Wir haben sogar ein Spukzimmer“, sagt sie. Eine Anzeige hatte sie nach Groß Potrems geführt. Mandy Parkendorf war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Sie liebäugelte damit, sich mit einer kleinen Pension selbstständig zu machen. Auf ihre Annonce meldete sich Jörg Bochow, der das Gutshaus in Groß Potrems 2012 gekauft hatte. Er suchte jemanden, der sich mit der Führung eines Hotels auskannte. Denn Bochow hatte mit dem Gutshaus zugleich ein Hotel erworben.

„Als wir die Türen öffneten, war es, als ob wir Dornröschens Schloss betraten. Alles war noch so, wie man das Haus verschlossen hatte“, erinnert er sich. Die komplette Einrichtung von der Tischdecke bis zum Kaffeelöffel war vorhanden. Vier Jahre lang hatte es darauf gewartet, dass jemand das alte Haus samt Hotel wieder wach küsste.

„Da noch alles da war, konnten wir auch zügig das Haus wiedereröffnen“, sagt Bochow. Im Juli eröffnete das Standesamt Sanitz erneut eine Außenstelle im Schlosshotel. Seitdem fanden fünf Trauungen statt. Für 2014 gibt es erste Anmeldungen. „Es hat sich herumgesprochen, dass man bei uns wieder heiraten kann“, so Mandy Parkendorf.

Früher Dorfkonsum
Das ehemalige Gutshaus gehörte einst der Familie von Gadow. Zu DDR-Zeiten als Dorfkonsum genutzt, erwarb 1993 der Berliner Hotelbesitzer Erwin Opel das Haus, der es aufwendig sanierte. 1996 wurde das Schloss-Hotel „Nordland“ eröffnet. Im Januar 2009 stellte es den Betrieb ein.

Claudia Haiplick