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Rostock Schüler wählen ihren eigenen Bundestag
Mecklenburg Rostock Schüler wählen ihren eigenen Bundestag
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04:30 13.09.2013
Julia Märker wirft zum ersten Mal in ihrem Leben einen Wahlschein in die Urne. Fotos (5): Thomas Ulrich
Graal-Müritz

Den Bundestag erst mit 18 wählen? Das dauert den Schülern der privaten „Greenhouse School“ in Graal-Müritz entschieden zu lang. Ihre Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe ist eine von 89 Schulen in MV, die an der bundesweiten „Juniorwahl 2013“ teilnimmt. Und die besteht aus deutlich mehr, als nur zwei gesetzten Kreuzen.

Wochenlange Unterrichtsvorbereitungen inklusive einer Einführung in das politische System Deutschlands, quer gelesenen Wahlprogrammen und sogar Wahlkampfanalysen liegen hinter den kompetenten Juniorwählern. „Uns war wichtig, dass unsere Schüler mitnehmen, wie wichtig es ist, wählen zu gehen“, erklärt Ulrike Laube (42), die verantwortliche Lehrerin für das Juniorwahl-Projekt. Sie ist begeistert, wie die Schüler das Projekt annehmen. „Manche Eltern berichten, wie ihre Kinder mit ihnen plötzlich über politische Inhalte sprechen wollen“, erzählt Laube und präsentiert eine Informations-Pinnwand mit Zeitungsartikeln und Unterrichtsmaterialien der Bundeszentrale für politische Bildung, die sie gemeinsam mit ihren Schülern im Unterricht zusammengestellt hat.

Gestern war die Wahl das große Thema für die Schüler. So fallen auf Schulhof und Korridoren häufig Parteinamen und ebenso Zitate aus Wahlprogrammen. Auch Julius Abert (15) ist vom allgemeinen Politik-Fieber infiziert.

Der Jugendliche ist Wahlvorsteher und damit hauptverantwortlicher Wahlhelfer. „Bevor man seine Stimme abgibt, muss man sich wirklich tüchtig informieren“, bekräftigt der Zehntklässler. Außerdem wurde ihm bewusst, wie aufwändig die Organisation einer Wahl ist. Denn die simulierte Bundestagswahl in der Schule kommt den echten Abläufen so nah wie möglich. Zunächst müssen Wählerverzeichnisse angelegt werden, damit jeder Schüler seine Wahlbenachrichtigung erhalten kann. Kabinen, Urnen und Stimmzettel müssen vorbereitet und die Wahl schließlich auch dokumentiert werden. Schriftführerin Michelle Meiburg (13) sowie Sebastian Kreusch, Jonas Grützmacher und Nick Martientz (alle 15) nehmen sich dieser Aufgaben an.

„Auf die Auswertung waren unsere Schüler dann am meisten gespannt“, berichtet Ulrike Laube schon am Nachmittag. Nicht wenige zählten nach der regulären Unterrichtszeit noch Stimmzettel aus und zogen Bilanz: Von 102 vergebenen Stimmen entfielen 44, und damit die meisten, auf Peter Stein (CDU). Auch insgesamt schnitt die CDU bei den Junioren am besten ab (41 Stimmen). Mit größerem Abstand folgt mit Michael Slobidnyk (16 Stimmen) von der Piratenpartei (18 Stimmen) eine richtige Überraschung. SPD, Linke und Grüne ziehen mit jeweils 8 Zweitstimmen noch knapp in den Bundestag ein, und die NPD wählte niemand.

Mit dem Ergebnis seien die Greenhouse-Schüler auch ganz zufrieden, erzählt Ulrike Laube glücklich. Sie ist froh, ihren Schützlingen etwas fürs Leben vermittelt zu haben und spendiert ihren fleißigen Wahlhelfern noch ein Eis.

Die Juniorwahl
Die Juniorwahl ist ein Projekt von Bund und Ländern, das Schulen etwa einen Monat parallel zu Landtags-, Bundestags- und Europawahlen begleitet. Durchgeführt wird das Projekt mit Schülern aller Schulformen ab der 7. Klasse.


Rund 2200 Schulen nahmen in diesem Jahr bundesweit an der Juniorwahl teil. Dabei gab es deutlich mehr Bewerber, bei denen es aber an der Finanzierung scheiterte. Eine Juniorwahl kostet jede Schule 250 Euro für Materialien.


Auch in MV haben sich deutlich mehr als die 89 teilnehmenden Schulen beworben. In Rostock und Umgebung (Wahlkreis 14) sind allein 47 Schulen angemeldet, in der Stadt Rostock nehmen zehn Schulen teil.

Leonard Kehnscherper