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Schulen protestieren gegen Sparkurs des Bischofs

Südstadt Schulen protestieren gegen Sparkurs des Bischofs

Katholisches Bistum streicht Förderung / Eltern und Schulvereine wehren sich

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In den katholischen Schulen Mecklenburgs sind sie gerade nicht gut auf den Hamburger Erzbischof Stefan Heße zu sprechen. FOTOS (2): OVE ARSCHOLL

Südstadt. In den katholischen Schulen Mecklenburgs und in Schleswig-Holstein sind sie überhaupt nicht gut auf ihren Bischof zu sprechen. In Ludwigslust und Lübeck verweigert das Erzbistum Hamburg die Unterschriften für notwendige Neubauten, in Schwerin und Rostock fürchten Eltern und Schulvereine, im bischöflichen Sparzwang unterzugehen, beziehungsweise, die in den vergangenen Jahren erreichten Standards zu verlieren. Eine halbe Million Euro hat Erzbischof Stefan Heße für dieses Jahr bereits gestrichen.

Nicht alle sind katholisch

750 Schüler in 30 Klassen besuchen derzeit etwa die Don-Bosco-Schule – eine katholische Schule, die Grundschule, Regionalschule und Gymnasium mit Orientierungsstufe umfasst. Nur ein Drittel der Schüler sind jedoch katholisch, ein weiteres Drittel evangelisch und der Rest konfessionslos.

Die Eltern der Don-Bosco-Schüler in der Südstadt wollen eine Initiative gegen das Finanzgebaren im Bistum gründen. Aus Sorge um die Qualität der Schule, erklärt Claudia Flocke, die zu den Organisatoren des Widerstands gehört. „Es geht grundlegend auch um die Art und Weise, wie die katholische Kirche handelt.“ Die Eltern kämpfen für den Erhalt aller vier katholischen Schulen in Rostock, Schwerin, Ludwigslust und Lübeck, betont Claudia Flocke. Der Niels-Stensen-Schulverein aus Schwerin startete dazu bereits eine Unterschriftensammlung. „Sie sollen als Ausdruck des Elternwillens aus dem Land im März dem Erzbischof übergeben werden“, erklärt der Vorsitzende Georg Diederich. Immer wieder öffentlich auf das Problem aufmerksam zu machen, sei derzeit das beste Mittel, ergänzt Jens Meinert, der dem Schulverein der Don-Bosco-Schule mit ihren 750 Schülern vom Erstklässler bis zum Abiturienten vorsteht.

Konkret geht es zunächst um eine halbe Million Euro, die bisher aus Hamburg jährlich in die Bernostiftung als Träger der katholischen Schulen floss und für 2018 gestrichen wurde. Der laufende Betrieb sei dadurch nicht in Gefahr, erklärt Jens Meinert. „Die Schulen tragen sich weitgehend selbst.“ Dank des in MV gezahlten Schullastenausgleichs. Die halbe Million aus Hamburg nutzte die Bernostiftung bisher, um Kredite für Neubauten zu bedienen. „Investitionen sind dann nicht mehr möglich“, befürchtet Meinert. „Die Bernostiftung erhält weiterhin rund 700000 Euro für bestimmte Aufgaben“, teilt Bistumssprecher Manfred Nielen mit. Die Regelzuweisung von 500000 Euro dagegen sei bis auf weiteres ausgesetzt. „Dieser Status hält solange an, bis die tatsächlichen Bedarfe ermittelt sind. Dazu werden wir eine intensive Analyse durchführen.“

Die aktuelle Finanzlücke ist das eine, die Zukunft des Schulträgers das andere. In den 90er Jahren haben sich Mecklenburger bewusst entschieden, die wieder gegründeten katholischen Schulen nicht an den Hamburger Schulverband anzugliedern, sondern in die Hände einer eigenen Stiftung zu legen. Die Gemeinden St. Anna zu Schwerin und die damalige Christusgemeinde in Rostock gründeten 2006 die gemeinsame Bernostiftung als Träger der Schulen. Perspektivisch rechnen Meinert und Diederich mit dem Ende der Stiftung. Es sei zu befürchten, „dass die im Land als Schulträger hoch anerkannte Bernostiftung ins finanzielle Aus gebracht werden soll“, schreibt Georg Diederich. „Das liegt drohend in der Luft“, ergänzt Jens Meinert. Der Bischof könne die Stiftung zwar nicht auflösen, aber möglicherweise „austrocknen“, so die große Sorge.

„Es ist unser fester Wille, die katholischen Schulen in Rostock und Schwerin zu erzbischöflichen Schulen zu machen“, erklärt Manfred Nielen. Die Mecklenburger fürchten dabei, dass die Sanierung Hamburger Schulen dann auf ihre Kosten geht. „Alle Schulen sind für uns wertvoll. Deshalb gibt es für uns diese Rangfolge nicht“, versichert Nielen. Aktuell wird in Hamburg heftig über die geplante Schließung von acht der 21 Schulen diskutiert. Die Schulen in Rostock und Schwerin sollen in den Investitionsplan des Erzbistums aufgenommen werden, um sie so langfristig zu sichern. Erreichte Qualitätsstandards sollen erhalten und die Schulen weiterentwickelt werden, lautet der Plan in Hamburg. In Rostock stoßen solche Aussagen auf Skepsis. „Wir Mecklenburger denken, wir laufen besser damit, wenn wir es weiter allein machen“, sagt Jens Meinert selbstbewusst.

Thomas Niebuhr

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