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Rostock Schulfrei für immer: Direktor geht in Rente
Mecklenburg Rostock Schulfrei für immer: Direktor geht in Rente
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06:34 31.01.2018
School's out forever: Thomas Döring hat ab Donnerstag schulfrei für immer. Nach 16 Jahren verabschiedet sich der Direktor des Innerstädtischen Gymnasiums in den Ruhestand. Quelle: Ove Arscholl
Rostock

In seinem Direktorenzimmer packt Thomas Döring die letzten Kartons. Im Wandregal klaffen bereits Lücken. Den Großteil seiner persönlichen Sachen hat Döring ausgeräumt. Nur auf seinem Schreibtisch sieht’s noch aus wie immer. An dem wird Döring heute zum letzten Mal Platz nehmen. Der Schulleiter des Innerstädtischen Gymnasiums (ISG) verabschiedet sich in den Ruhestand. Mit Freuden, sagt Döring und zwinkert verschmitzt durch seine Brille. „Es ist doch höchste Zeit.“ Mit seinen 65 Jahren sei er schließlich einer der wenigen Lehrer, die bis zur Pensionsgrenze „durchziehen“.

16 Jahre hat Thomas Döring das Gymnasium am Goetheplatz geleitet. Am Donnertag beendet er seine Lehrerlaufbahn. Worauf er sich jetzt freut, was er vermissen wird und wie er einst einen Schüler aus einem Südtiroler Kloster holte.

Gut 16 Jahre hatte Thomas Döring den Direktorenposten am ISG inne. „Und in dieser Zeit viel gelernt, über andere und mich selbst“, resümiert er. Etwa, wo seine Belastungsgrenzen liegen. Aber auch, dass man gemeinsam viel bewirken kann. Wie die Generalsanierung des Schulgebäudes, die Schüler, Eltern und Lehrer mit Protesten gegen die Sparpläne der Stadt durchsetzten. Auf solche Erfolge ist Döring stolz. Auf Lobhudeleien ist er hingegen nicht aus. Warum auch? Dass seine Schule so gut dastehe, sei schließlich nicht sein alleiniger Verdienst. „Wer glaubt, dass ein Schulleiter die Schule leitet, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet“, lacht er. Als Direktor sei man „eine Figur unter vielen, mal Buhmann, mal Aushängeschild.“ Deshalb will er um seinen Abschied auch gar nicht viel Brimborium machen. Er habe die Kollegen „zum Kaffeekränzchen eingeladen. Anwesenheit ist keine Pflicht“, sagt er bescheiden. „Ich will einfach Danke sagen – denen, die mich begleitet und denen, die unter mir gelitten haben“, scherzt Döring.

Wenn Thomas Döring morgen Nachmittag endgültig das Schulhaus verlässt, tut er es mit beschwingtem Schritt. Denn eine „Last“ lässt er gern zurück: Papierkram und Verwaltungsarbeit zählt nicht zu den Aufgaben, mit denen sich der Französisch- und Sozialkundelehrer gern befasst. Damit darf sich ab sofort sein Nachfolger herumschlagen: Markus Reimer. Der Englisch- und Musiklehrer ist ab morgen offiziell neuer ISG-Direktor. „Schon jetzt wenden sich alle hier an ihn“, sagt Döring. Ganz ohne Wehmut wohlgemerkt. Der Abschied falle ihm nicht schwer. „Ich musste in meinem Leben schon oft loslassen.“

Zum Beispiel Anfang der 1990er. Damals kam der gebürtige Berliner aus dem Rheinland nach Rostock. Eine Scheidung lag gerade hinter, der berufliche Neuanfang vor ihm. Am Ernst-Barlach-Gymnasium in Dierkow tritt Döring 1992 seine erste Lehrerstelle in Rostock an. 2000 wechselt er ans Goethegymnasium, wird 2002 dessen Direktor und bleibt es als die Bildungsstätte drei Jahre darauf mit der Großen Stadtschule zum ISG fusioniert.

Ein besonderes Erlebnis seiner Lehrerlaufbahn werde ihm immer in Erinnerung bleiben, sagt Thomas Döring: An einem Freitag, Döring ist quasi schon auf den Weg in den Feierabend, klingelt das Telefon im Schulleiterbüro. Am anderen Ende meldet sich der Pförtnerbruder eines Südtiroler Klosters. Ein junger Mann sei aufgetaucht, nicht mehr dabei als eine Gitarre und einen Rucksack. Weil dem Geistlichen das suspekt war, hat er im Gepäck nachgeschaut und dabei ein Schülerausweis mit Verweis aufs ISG gefunden. Ob Döring den Betreffenden kenne? Und ob, seit Tagen ist der nicht mehr zum Unterricht erschienen. Wie sich herausstellt, hatte sich der Gymnasiast auf „Sinnsuche“ nach Norditalien abgesetzt. Die Geschichte geht gut aus: Der Schüler kehrt zurück, überwindet seine Probleme und macht am ISG doch noch sein Abitur.

Den Kontakt zu Jugendlichen, sie in einer entscheidenden Lebensphase zu begleiten, das werde er vermissen, räumt Thomas Döring ein. „Vielleicht alter’ ich ohne das schneller“, vermutet er und schmunzelt. Das weiß seine Familie offenbar zu verhindern: Im Mai wird Döring Opa. „Das Timing passt perfekt“, lacht er. Aber auch so wird ihm ohne Schule wohl kaum langweilig werden. Zu Hause warte ein großer Garten. Seinen Alltag werde er allerdings neu ordnen müssen. Einen Vorsatz dafür hat er schon: Morgens um halb sechs will er sich künftig nicht mehr aus den Federn quälen. Länger liegen bleiben wird er wohl am Donnerstag, seinem ersten Tag als Rentner. Der soll prickelnd beginnen. „Ein Sektfrühstück mit meiner Frau wär’ schön.“

AB

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