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Rostock Schwänzen oder Schule? Senator stellt sich hinter Klimaschutz-Demonstranten
Mecklenburg Rostock Schwänzen oder Schule? Senator stellt sich hinter Klimaschutz-Demonstranten
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19:40 14.03.2019
Unter dem Motto „Fridays for Future“ wollen Schüler in mehr als 1650 Städten in 105 Ländern nach dem Vorbild der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg für mehr Klimaschutz demonstrieren Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Rostock

Zur Schüler-Demo für mehr Klimaschutz werden am Freitagvormittag viele Hundert Teilnehmer in der Hansestadt erwartet – während der Schulzeit. Viele Schulen unterstützen das Engagement der Kinder und Jugendlichen bei „Fridays for Future“, manche Klassen gehen sogar geschlossen hin. Nur wenige drohen mit Konsequenzen für Schulschwänzer. Schulsenator Steffen Bockhahn (Linke) stellt sich klar auf die Seite der Demonstranten.

Die Werkstattschule zeigt sich offen – unter einer Bedingung: „Unseren Schülern wird eingeräumt, mit der Erlaubnis ihrer Eltern an der Demonstration teilzunehmen“, heißt es aus dem Sekretariat. „Wir haben ein Formular vorbereitet, dass die Eltern unterschreiben konnten und die Schüler dann in der Schule abgegeben haben.“ Wer mit diesem Einverständnis demonstrieren gehe, habe keine Konsequenzen zu befürchten.

Nur ausnahmsweise

Auch an der Internationalen Schule Ecolea in Warnemünde wurden die Freistellungsanträge der Eltern genehmigt. „Grundsätzlich haben wir Regeln zu beachten, gegen die die Demo-Teilnahme verstößt“, stellt zwar Träger Thomas Olsen fest. „Natürlich befürworten wir aber politisches Engagement unserer Schüler, gerade bei einer so wichtigen und guten Sache wie dem Klimaschutz.“ Die Freistellung müsse aber eine Ausnahme bleiben: „Bei einer regelmäßigen Teilnahme an der Demonstration können wir das nicht mehr genehmigen“, so Olsen. „Natürlich wäre es einfacher, würden die Schüler außerhalb der Schulzeiten demonstrieren.“ Er verstehe aber, dass das Schwänzen als Zeichen zivilen Ungehorsams die gewollte Aufmerksamkeit erzeugen soll.

Kein Härtefall

Das Innerstädtische Gymnasium als staatliche Schule könne den Schülern nicht einfach freigeben, erklärt Schulleiter Markus Riemer. Er verweist auf die Vorgabe des Schulamts, wonach „aus rechtlicher Sicht keine Möglichkeit besteht, Freistellungen für dieses Ereignis auszustellen.“ Diese könnten nur in Härtefällen genehmigt werden, zu denen Demonstrationen nicht zählten. Wer zum Unterricht nicht erscheine, um an der Demo teilzunehmen, gelte daher als unentschuldigt. Riemer unterstützt zwar das Anliegen der Demonstranten, aber: „Mir wäre es lieber, wenn eine solche Veranstaltung während einer Projektwoche mit mehreren Schulen zusammen organisiert werden könnte.“ Damit würde das Event zum Projekttag, an dem alle Schüler problemlos teilnehmen könnten.

Der Schulleiter des Schulcampus’ Evershagen, Gerald Tuschner, steht der Demo dagegen aufgeschlossen gegenüber: „Wenn unsere Schüler das ernsthaft wollen und ihre Eltern sie darin unterstützen, dann unterstützen wir als Schule das natürlich auch“, sagt er. Wer teilnehmen möchte, könne sich von der Schule eine Beurlaubung ausstellen lassen.

Konsequenzen tragen

Etwas schwammig formuliert die Don-Bosco-Schule ihre Position. Auf der Homepage heißt es: „Wenn unsere Schülerinnen und Schüler es so wichtig finden, für mehr Klimaschutz zu streiken, dass sie bereit sind, die Konsequenzen dafür zu tragen, sind wir aber auch stolz darauf, dass sie ihre demokratischen Rechte wahrnehmen.“ Welche Konsequenzen das sein könnten, bleibt offen.

Die Kooperative Gesamtschule hingegen macht die Demo sogar zum Unterrichtsstoff: „Die Fachlehrer gehen mit ihren Klassen dorthin und gestalten das als ,Unterricht am anderen Ort’, zum Beispiel für die Fächer Biologie oder Geografie“, erklärt Schulleiterin Marion Roscher. Wichtig sei aber, dass auch die Vor- und Nachbereitung entsprechend ausfalle, damit die Demo auch wirklich einen schulischen Nutzen habe.

Auch Senator hat als Schüler gefehlt

Senator Bockhahn erinnert die heutige Demonstration an seine eigene Schulzeit. „Ich bin auch gegen das Steinkohlekraftwerk und den Irak-Krieg auf die Straße gegangen und habe dafür auch ein paar Stunden gefehlt“, erklärt der heute 40-Jährige. „Ich finde, Erwachsene sollten es begrüßen, wenn sich Schüler engagieren und für ihre Interessen eintreten. Wenn einige darunter sind, die den Stundenausfall höher bewerten, dann ist das halt so.“

Bockhahn verweist mit Blick auf „Fridays for Future“ auch auf das Landesschulgesetz. „Darin steht, dass die Entwicklung von mündigen, vielseitig entwickelten Persönlichkeiten das Ziel der Schulbildung und -erziehung sei. Für mich gehört dazu auch die Kenntnis des Demonstrationsrechtes“, so Bockhahn. Auf seinem privaten Twitter-Profil hatte der Senator am Donnerstag den Schülern noch einen Tipp gegeben, wie sie Stress wegen Schwänzens vermeiden können: „Überzeugt eure Lehrer mitzugehen und eine Stunde Unterricht am außerschulischen Ort zu machen.“

Claudia Labude-Gericke, Jana Schubert und Maria Rosenberger

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