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Rostock Schwede erforscht Bio-Rhythmus von Tieren
Mecklenburg Rostock Schwede erforscht Bio-Rhythmus von Tieren
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00:01 12.12.2017
Mit nur diesen drei Gleichungen an der Tafel kann der Schwede Pål Westermark (44) den Bio- Rhythmus der Tiere beschreiben. Quelle: Foto: Stefanie Adomeit
Dummerstorf

. Wer kennt das nicht, der eine ist um 21 Uhr müde und sehnt sich nach seinem Bett, der andere geht nicht vor Mitternacht ins Bett und steht ungern früh auf.

Viele Menschen tun das als Gewohnheit ab – doch so einfach ist das nicht. „Wir können zeigen, dass das zum großen Teil genetisch bedingt ist, und sich nicht so leicht ändern lässt“, sagt Pål Westermark.

Und er muss es wissen – seit 11 Jahren forscht er an der Inneren Uhr von Lebewesen. In Berlin an der Charité hat er den Bio-Rhythmus von Mäusen untersucht, denn: „Menschen und Tiere haben den gleichen Mechanismus. Das ist seit über Jahrmillionen so“, sagt der 44-Jährige.

Die amerikanischen Wissenschaftler Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young haben in diesem Jahr den Nobelpreis in Medizin und Physiologie für ihre Entdeckungen molekularer Mechanismen, die den Bio-Rhythmus steuern, bekommen. Untersucht haben sie dies bei einer Fruchtfliege. Pål Westermark ist einer der Autoren der Arbeit „Richtlinien für die Auswertung von biologischen Rhythmen“.

„Wir freuen uns alle sehr über die Auszeichnung, denn so bekommt unser Forschungsfeld mehr Aufmerksamkeit“, sagt Westermark. Da die innere Uhr bei Nutztieren bisher so gut wie gar nicht erforscht ist, widmet sich nun der Skandinavier diesem Thema am Dummerstorfer Leibniz-Institut. Ziel ist es, herauszufinden, wie sich durch Berücksichtigung des Bio-Rhythmus etwa von Kühen, die Qualität und Quantität der Tiere steigern lässt. Wann geben sie mehr und hochwertigere Milch? Wie kann der Ausstoß von Kohlendioxid verringert werden?

Wichtigste Forschungsfrage für Westermark: Wie individuell sind die Tiere in Bezug auf ihren biologischen Rhythmus?  

Erste Erkenntnisse soll es bereits im Frühjahr des nächsten Jahres geben. Geforscht wird allerdings erst einmal wieder an Mäusen. Schwerpunkt des Wissenschaftlers ist die Entwicklung von mathematischen Methoden, um die gewonnenen Daten auszuwerten.

Bei den bisherigen Untersuchungen kam heraus: „Die biologische Uhr beeinflusst unheimlich viele Prozesse in einem Tier. Und eine gesunde biologische Uhr ist wichtig für die Gesundheit des Menschen.“

So seien besonders Schichtarbeiter gefährdet und hätten ein höheres Risiko an Krebs und Diabetes zu erkranken, weiß Westermark. Außerdem sei der Stoffwechsel ebenfalls eng mit der inneren Uhr verknüpft. So untersuchte er an Mäusen, wie der Stoffwechsel und der Bio-Rhythmus den Aufbau von Muskeln beeinflusst. „Das wollen wir auch bei Nutztieren herausfinden. Wie wirkt sich ein glückliches Leben auf deren Produktivität aus“, erklärt Westermark.

Die Ergebnisse können auch auf den Menschen übertragen werden. „Wir hoffen, dass irgendwann auch in der Arbeitswelt Arbeitsplätze individueller gestaltet werden können, nach sogenannten Lerchen – Frühaufstehern und Eulen, die lieber nachtaktiv sind“, sagt der Wissenschaftler.

Von den Apps, die es derzeit auf dem Markt gibt, um den Bio-Rhythmus des Menschen zu bestimmen und auszuwerten, hält er nicht viel: „Da wäre ich vorsichtig, es gibt noch nicht genug Kenntnisse.“ Was er aber selbst aus Interesse für sich macht: Westermark misst seinen Herzrhythmus und wertet ihn aus. „Das macht für mich als Wissenschaftler einfach Spaß.“

Seine innere Uhr wird allerdings auch gerade gehörig durcheinander gebracht. Grund: sein fünf Monate alter Sohn.

Der Skandinavier – der in Stockholm aufgewachsen ist und gern historische Bücher liest – fühlt sich wohl in Mecklenburg. „Als Schwede in Norddeutschland kommt man ziemlich gut klar. Und ich bin froh, dass ich hier auch guten Fisch bekomme“, sagt Westermark und lacht. Seit einem Jahr wohnt er mit seiner Frau, die er in Berlin kennengelernt hat, in Rostock.

Leibniz-Institut in Dummerstorf

1993 wurde das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf gegründet. Seit 2009 heißt

es Leibniz-Institut für Nutztierbiologie. Tierzuchtforschung wird dort aber schon seit der Einweihung des

Kaiser-Wilhelm-Instituts 1939 betrieben.

Das Institut verfügt derzeit über 4000 qm Labor- und 10000 qm Stallfläche. Rund 240 Menschen arbeiten hier, davon sind 61 wissenschaftlich tätig. Insgesamt gibt es sechs

Institute. Forschungsthemen sind Schweine, Rinder, Ziegen, Schafe, Geflügel und inzwischen auch Fische.

Stefanie Adomeit

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