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Rostock Schweriner Klinik fordert Millionen von Rostocker Uni-Medizin
Mecklenburg Rostock Schweriner Klinik fordert Millionen von Rostocker Uni-Medizin
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10:06 29.06.2018
Christian Schmidt, ärztlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Uni-Medizin Rostock (Archivbild) Quelle: Cornelius Kettler
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Rostock

Mit zitternder Stimme steht Birgit Hesse vor dem Schweriner Landtag. Die Opposition will Antworten von ihr – im Fall Christian Schmidt. Was genau wird dem Chef der Rostocker Uni-Medizin vorgeworfen? Wie wird der Aufsichtsrat reagieren? Hesse bleibt die Antworten schuldig, will schriftlich antworten. Doch eines ist ihr anzusehen: Dass ausgerechnet Schmidt beschuldigt wird, er habe versucht, sich auf Kosten der Klinik privat zu bereichern, erschüttert auch die Politik. Denn Deutschlands Klinik-Manager des Jahres 2017 gilt als Liebling der Landesregierung – und als persönlicher Freund der Ministerin.

2014 war Schmidt aus Köln in den Nordosten gekommen. Und binnen weniger Monate krempelte er die Rostocker Uni-Klinik um: Aus dem Sorgenkind wurde eines der erfolgreichsten öffentlichen Krankenhäuser Deutschlands. In besten Zeiten fuhr Schmidt mit der Uni-Klinik sieben Millionen Euro Gewinn im Jahr ein. Grund genug für das Land – allen voran für Bildungsstaatssekretär Sebastian Schröder (SPD), den Aufsichtsratschef des Krankenhauses – Schmidt auch nach Greifswald zu holen. Dort sollte er beweisen, dass auch diese Landesklinik wirtschaftlich „in die Spur“ gebracht werden kann. Kritik an Schmidt wurde in Schwerin ignoriert und abgetan. Egal, ob es um unzufriedene Ärzte oder um fehlendes Personal ging.

Doch mit seinem rigorosen Sparkurs hat sich Schmidt in der Uni-Klinik viele Feinde gemacht – auch unter den Führungskräften: „Schmidt und sein kaufmännischer Vorstand Harald Jeguschke regieren die Klinik mit Angst und Schrecken“, sagt eine ehemalige Führungskraft, die seit Monaten freigestellt ist. Wer den Kurs des Vorstandes nicht mitträgt, wird entlassen oder zum Abschied gedrängt. „Wer den Mund aufmacht, dem wird auch mal das Personal gekürzt“, so der Insider, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Für den Profit wird fast alles gemacht. Schließlich soll der Vorstand eine Gewinnbeteiligung haben.“ Zusätzlich zu Schmidts Grundgehalt von mehr als 400 000 Euro pro Jahr.

Die Anschuldigungen gegen den Chef sollen nun aus Reihen der Professoren kommen. Monatelang hätten diese Beweise für angebliche Verfehlungen gesammelt: Schmidt soll Nebentätigkeiten nicht angemeldet haben. Und: Er habe Leistungen in Rechnung gestellt, die eine Firma erbracht hat, die ihm und seinem Vater gehört. „Zwei von drei Anschuldigungen sind im Grund harmlos“, erfuhr die OZ aus der gestrigen Aufsichtsratssitzung. Doch dass behauptet wird, der Manager habe einer Software-Firma einen Auftrag erteilt und dann privat Geld von eben jenem Unternehmen erhalten – daran kommen nun auch die Aufseher nicht vorbei. Nach einer Mammut-Sitzung stellte der Aufsichtsrat Schmidt gestern „bis auf Weiteres“ frei. Die Anschuldigungen sollen weiter untersucht werden. Schmidt will sich erst äußern, wenn er Fragen des Aufsichtsrats beantwortet hat.

Ärger droht der Klinik indes noch von einer anderen Seite: Die Uni arbeitet in puncto Herz-Operationen mit dem Helios-Klinikum in Schwerin zusammen. Der private Krankenhaus-Betreiber hat gestern nun Zahlungsklage gegen die Uni-Medizin vor dem Landgericht Rostock eingereicht. „Die Uni schuldet uns noch 2,7 Millionen Euro – unseren Anteil an gemeinsam erbrachten Leistungen“, so Helios-Sprecher Christian Becker. Seit November hätten die Rostocker nicht mehr gezahlt. Das habe Helios auch dem Aufsichtsrat mitgeteilt – mit der Bitte zu prüfen, ob diese Außenstände denn auch in der Bilanz korrekt verbucht worden seien. Helios vermutet, die Uni wolle mit der Zahlungsweigerung Druck aufbauen: „Wir denken, die Klinik will trotz gültiger Verträge bessere Konditionen für sich in der medizinisch erfolgreichen Kooperation raushandeln“, so Becker.

Uni-Vorstand Jeguschke reagierte gelassen auf die Klage und wirft Helios genau dieselbe Intention vor: „Wir wollen diese sehr erfolgreiche Kooperation fortsetzen, allerdings zu fairen Bedingungen. Die Rendite des privaten Partners zu Lasten unseres landeseigenen Unternehmens kann von uns nicht akzeptiert werden.“ Helios habe auf Gesprächsangebote bisher nicht reagiert. Der Betrieb in der Uni-Klinik sei von der Freistellung Schmidts übrigens nicht betroffen, versichert Jeguschke.

Andreas Meyer

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