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Sechs von zehn Kindern können nicht richtig schwimmen

Hansaviertel Sechs von zehn Kindern können nicht richtig schwimmen

Nach der hohen Zahl von Badetoten bieten Experten besondere Sicherheitskurse an.

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Unter der Leitung von Stefanie Neumann von Aqua-Splash aus Rostock lernen die Kinder beim Wassersicherheitstraining, wie sie sich richtig im und am Wasser verhalten.

Hansaviertel. Platsch. Nino, Jette, Anastasia, Fabian und Melanie fallen mit ihren Sachen von der Eisscholle ins Wasser der Neptunschwimmhalle. Lachend schwimmen sie zum Beckenrand. Keine Selbstverständlichkeit. Denn von 1679 Grundschülern aus Rostock und dem Landkreis, die im Schuljahr 2012/13 offiziell am Schulschwimmunterreicht teilnahmen, schafften es 60 Prozent nicht, den Deutschen Jugendschwimmpass zu erwerben. Ein Warnsignal — Experten reagieren.

Als Nichtschwimmer gilt zwar offiziell erst, wer die Prüfung zum „Seepferdchen“ nicht besteht, aber Stefanie Neumann, Inhaberin des Rostocker Gesundheits- und Schwimmsportanbieters „Aqua Splash“, warnt: „Das ,Seepferdchen‘ ist die Lizenz zum Absaufen.“ Beispielsweise sei die Ostsee mit Strömung und Wellen ein ganz anderes Gewässer, als die 25 Meter in der geschützten Schwimmhalle, stellt die von der Industrie- und Handelskammer (IHK) geprüfte Sport- und Fitnesskauffrau klar.

Das „Seepferdchen“-Abzeichen bekommt, wer 25 Meter am Stück schwimmen und anschließend einen Gegenstand tauchend aus schulterhohem Wasser in der Schwimmhalle heraufholen kann. Für 85 Kinder beim Schwimmunterricht ein unüberwindbares Hindernis — nicht bestanden. „Diese Kinder werden nun offiziell als Nichtschwimmer gewertet“, erklärt Lars Hennig von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Rostock.

„Wenn auch nur ein Kind unseres Kurses es schafft, sich aus einer Notsituation allein ans Ufer zu retten, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Stefanie Neumann. Sie bietet unter anderem den Kurs „Wassersicherheitstraining“ an. Hier sollen Kinder, die das Seepferdchen-Abzeichen schon auf ihre Badesachen genäht bekommen haben, künftig lernen, wie sie sich auch in brenzligen Situationen im Wasser und am Ufer richtig verhalten.

„Die Anzahl der Badetoten in diesem Jahr war Grund genug, diesen Kurs anzubieten“, erklärt sie ihre Motivation zur Gründung des Spezialkurses. Denn trotz Schulschwimmunterrichts ist die Statistik der Verunglückten bei Bade- und Bootsunfällen hoch: 25 Einheimische und Urlauber, Erwachsene und Kinder verloren bereits in der Bade- und Wassersportsaison 2013 in Mecklenburg-Vorpommerns Gewässern ihr Leben. Und ein paar schöne Tage am Wasser werde es noch geben ...

An Rostocks Grundschulen steht der Schulschwimmunterricht in der dritten Klasse auf dem Lehrplan. Im Schuljahr 2012/13 nahmen zusätzlich Grundschulen aus den Landkreisen Neubukow, Schwaan, Bad Doberan, Bernitt, Bentwisch, Rethwisch, Kritzmow und Lichtenhagen Dorf am Unterricht teil. Offiziell wurde somit 1 679 Schüler zwischen acht und zehn Jahren das Schwimmen gelehrt. Doch der Großteil hat das Unterrichtsziel erreicht. Und nicht alle haben am Unterricht teilgenommen. Ingesamt 23 Kinder aus Rostock und den umliegenden Gemeinden begründeten mit einem ärztlichen Attest ihr Wegbleiben vom gesamten Schwimmunterricht. Das sind 1,4 Prozent der Schulkinder, die ebenfalls als Nichtschwimmer gelten.

Dabei sind sich Stefanie Neumann und Lars Hennig einig, dass man mit dem Schwimmenlernen gar nicht früh genug anfangen kann. „Mit dem Projekt ,Rette sich wer‘s kann — Schwimmen lernen im Kindergarten‘ klärt die Wasserwacht in Zusammenarbeit mit den DRK-Kindergärten über das richtige Verhalten am und im Wasser auf“, berichtet Hennig.

An diesem Punkt knüpft auch das Wassersicherheitstraining von Stefanie Neumann und ihrem Team an. „Bei uns lernen die Kinder, wie sie sich richtig und sicher verhalten, wenn sie beispielsweise mit Sachen ins Wasser fallen. Wir vermitteln in den Unterrichtsstunden spielerisch, wie sich Kinder allein aus diesen Notlagen befreien können.“

 

Andreas Handke

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