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Seehund Nick weiß, wo es langgeht

Noch bis 2019 Seehund Nick weiß, wo es langgeht

Rostocker Forscher führt Experimente zur Distanzabschätzung durch

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Eric Maaß (27) hat seinen Kindheitstraum verwirklicht: Er arbeitet mit Seehund Nick (18) zusammen.

Quelle: Foto: Pauline Rabe

Noch bis 2019. Kaum betritt Eric Maaß die schwimmende Plattform des Marine Science Centers in Rostock-Hohe Düne, dauert es nicht lange, bis Seehundmännchen Nick sich zu ihm gesellt. Der Forscher und die Robbe sind ein eingespieltes Team: „Ich untersuche seit mittlerweile drei Jahren, wie sich die Tiere trotz begrenzter Sicht und menschlicher Einflüsse im Meer orientieren können“, erzählt Maaß. Seit Oktober vergangenen Jahres lässt er Nick dafür verschiedene Distanzen „reproduzieren“ – derzeit noch mit allen Sinnen, bald mit Einschränkung durch Kopfhörer oder Masken.

Seit 2008 Forschungsanlage in Rostock-Hohe Düne

wird Eric Maaß durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit einem Stipendium gefördert. Die Stiftung fördert Personen und innovative Projekte im Bereich Umweltschutz.

„Schon als Kind war es mein Traum, später einmal mit Meeressäugern zu arbeiten“, erinnert sich der 27-Jährige zurück. Dafür wechselte er vom Bachelorstudium in Kiel zum Meeresbiologie-Master in Rostock. Hier angekommen, beschäftigte sich Maaß insbesondere mit der Frage, wie Seehunde es schaffen, Distanzen trotz veränderter Umweltbedingungen abzuschätzen und zu reproduzieren. Dunkelheit, Trübung, querender Schiffsverkehr – für uns Menschen ist die Orientierung unter Wasser ohne technische Hilfsmittel nicht möglich. Satellitenaufnahmen zeigen, dass Meeressäuger hingegen in der Lage sind, dennoch gezielt Futter- oder Paarungsplätze aufzusuchen. „Wie das funktioniert, finde ich sehr spannend“, sagt Maaß.

Erste Erkenntnisse dazu hat er bereits. Der Doktorand geht davon aus, dass Seehunde über ihr internes Sinnessystem hinaus externe Komponenten wie Raum und Zeit für ihre Orientierung nutzen: „Ähnlich wie beim Menschen üben der Kontext der Wegintegration oder das Zeitgefühl einen Einfluss hierbei aus.“ Um dies weiter zu erforschen, führt Maaß seit mehreren Monaten Distanzabschätzungsexperimente mit Seehund Nick durch. Der Versuchsaufbau gestaltet sich wie folgt: „Ich gebe dem Tier eine Strecke vor, die er anschließend reproduzieren muss“, erklärt der Forscher. Das geschieht mit sogenannten Targets, kleinen gelben Bällen, die als Markierungen für die Meteranzahl auf einer Schnur aufgezogen sind. „Diese werden durch das Tier mit der Schnauze berührt und wiederum von uns abgelesen.“

Nick erzielte bei den bisherigen Untersuchungseinheiten eine Fehlerwahrscheinlichkeit von 18 Prozent. „Das entspricht einer Abweichung von ungefähr zwei Metern bei einer Maximaldistanz von elf. Das ist sehr gut“, betont Maaß. Da die Tests nur mit dem 130 Kilogramm schweren Männchen und keinem der elf anderen im Marine Science Center lebenden Robben durchgeführt werden, können nur Aussagen für den Einzelfall getroffen werden. „Künftig werden sich die Trainingsphasen nicht nur verkürzen, Nick soll sich auch mit Einschränkungen wie einer Maske oder Kopfhörern orientieren können.“ Außerdem wollen die Rostocker Forscher Tests in freier Wildbahn durchführen. „Damit soll die gleichbleibende Umgebung als Orientierungshilfe ausgeschlossen und herausgefunden werden, ob sich die Robben beispielsweise mit Zählen ihrer Flossenschläge an Distanzen erinnern können“, erklärt der Doktorand das weitere Vorgehen. Noch bis 2019 läuft sein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Maaßs Projekt ist Bestandteil der Arbeitsgruppe „Sensorische und kognitive Ökologie“, die seit 2008 innerhalb des Instituts für Biowissenschaften an der Universität Rostock angesiedelt ist. Derzeit leben neun Seehunde, zwei Seelöwen, ein Seebär und drei Kraken in der schwimmenden Forschungsanlage. „Die Robben stammen alle aus Zoos und sind männlich", sagt der 27-Jährige. Laut Tierschutzgesetz wäre zwar Platz für noch mehr Tiere, aber eine Nachzucht soll dadurch verhindert werden. Schon so seien die Robben in der Paarungszeit charakterlich verändert. Mit einem Weibchen in der Runde wäre dies noch ausgeprägter. Maaß: „Damit die Tests überhaupt funktionieren, ist jahrelanges Training eine wichtige Voraussetzung. Macht Nick etwas richtig, erhält er Fisch als Belohnung.“ Und umso besser seine Leistung ist, desto größer falle jene aus – Freude auf beiden Seiten also.

Pauline Rabe

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