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Rostock Seelsorge im Strandkorb
Mecklenburg Rostock Seelsorge im Strandkorb
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00:00 31.08.2018
Pastorin Tatjana Pfendt lädt Urlauber und Einheimische jeden zweiten Dienstag zu Strandkorbgesprächen für die Seele. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Graal-Müritz

Das Meer rauscht und die Möwen fliegen über die Köpfe der Sonnenhungrigen hinweg. Tatjana Pfendt legt die Bibel auf ein kleines Tischchen, stellt Blumenstrauß und Wassergläser dazu und setzt sich in den XXL-Strandkorb. Die Pastorin der Evangelisch-lutherischen Lukaskirche Graal-Müritz wartet. Auf Urlauber und Einheimische, die mit ihr reden wollen – über Gott, die Welt und das Leben.

Von Juni bis September ist sie hier anzutreffen im Wechsel mit Gemeindereferentin Ursula Soumagne vom Erzbistum Hamburg. Zum „Strandkorbgespräch für die Seele“, von 9.30 Uhr bis 12 Uhr, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Es ist die zweite Saison dieser Seelsorge am Strand unterhalb der Seebrücke. Eine Idee der jungen Pastorin, die aus Hamburg kommt und jahrelang auf Helgoland Urlaub gemacht hat. Ein Küstenkind also, früher Nordsee, jetzt Ostsee – und das inzwischen mit ganzem Herzen. Nach ihrem Vikariat im Ostseebad Rerik wurde die 33-Jährige im Februar 2016 von der Nordkirche nach Graal-Müritz entsandt.

Ein Glücksfall für die Kirchgemeinde des Ostseeheilbades, die, wie viele andere auch, überaltert ist. „Unsere Pastorin hat hier Frische reingebracht, junge Gedanken, die sie mutig äußert“, sagt Manfred Jördens, Vorsitzender des Kirchgemeinderates. „Sie hat so eine mitreißende Art, mit der sie die Menschen für Projekte gewinnt“, schwärmt er. Der Vorschlag der Seelsorge am Wasser habe den Kirchgemeinderat zunächst sprachlos gemacht. „Wie soll das gehen“, hätten Skeptiker gefragt. „Ich nehme mir einen Strandkorb, setze mich rein und dann probieren wir es mal, hat sie geantwortet“, erzählt Jördens. So ist sie, die Frau Pastorin. „Mutig, frisch, mitreißend, motivierend – das fehlt heute in vielen Gemeinden“, sagt Jördens. „Und deshalb wollen wir sie auch behalten.“

Über 600 Mitglieder zählt die Gemeinde der Lukaskirche. „Aber eigentlich sind es doppelt so viele“, bemerkt die Pastorin mit Blick auf die Urlauber, Kurgäste, Reha-Patienten, die in Graal-Müritz Station machen und in die Gestaltung des Gemeindelebens einbezogen werden wollen und sollen. Als Ostseepastorin sei sie offen in alle Richtungen. Die Menschen hätten Redebedarf, ob von hier oder woanders her. Alltagssorgen, Gesundheitsprobleme, Beziehungsstress, Ärger im Job – über all das, was auf der Seele liegt, wird im Strandkorb geredet. Barrierefrei, ohne Termin. „Ich höre zu“, sagt Tatjana Pfendt, „lasse einfach erzählen, bringe mich ein, wenn es gewünscht wird.“ Sie sei keine Psychologin, könne keine Lösung auf dem Silbertablett präsentieren. Aber durch Reden eine Last nehmen.

Die Bibel ist immer dabei. Manchmal schlage sie einen Bibelspruch nach, gebe ihre Perspektive mit auf den Weg. „Damit die Leute sehen, wie Glaube Kraft geben, Gott eine Stütze sein kann“, erklärt die junge Pastorin. Der „Sack voller Sorgen“ gehe nicht weg, „aber er wird leichter“, sagt sie. Neben der Seelsorge am Wasser gibt es auch Abendandachten am Strand, von den Katholiken ins Leben gerufen. Tatjana Pfendt lobt die Ökomene in Graal-Müritz, „ein gutes Miteinander“. Auch mit der Tourismus und Kur GmbH, Feuerwehr, Gemeinde gäbe es eine gute Zusammenarbeit. „Ich fühle mich hier pudelwohl“, sagt die Pastorin. Gern würde sie über die drei Probedienstjahre hinaus in Graal-Müritz bleiben, um ihre Kinder- und Jugendprojekte in Fahrt zu bringen. So hat sie den Ki-Ki-Klub (Kinderkirchenklub) ins Leben gerufen und den Theo-Treff für junge Erwachsene. „Ich bin dankbar, für die vielen Gestaltungsmöglichkeiten hier.“

Doris Deutsch

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