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Rostock Seemannsclub Hollfast: Ohne Ehrenamt geht es nicht
Mecklenburg Rostock Seemannsclub Hollfast: Ohne Ehrenamt geht es nicht
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17:39 15.01.2019
Dieses Team arbeitet in der Rostocker Seemannsmission – und nie sind alle gleichzeitig da:Ulrich Hein (v.l), Folkert J. Janssen, Regina Qualmann, Marie-Kristin Liebold, Dorothea Flake und Rolf Spannaus. Quelle: Privat
Rostock

Ein paar Sofas und Sitzecken stehen im Club, es gibt eine Leseecke, Computer-Arbeitsplätze, Billiardtische und einen Tresen, hinter dem heute Regina Qualmann steht. Sie ist eine von drei fest angestellten Mitarbeitern im Seemannsclub Hollfast, seit mittlerweile sieben Jahren. Während sie einem der Gäste ein Bier einschenkt, erzählt sie gut gelaunt: „Jeder Tag ist anders, man sitzt nicht nur am Computer, man ist unterwegs, man geht auf die Schiffe, man trifft sehr viele Leute von überall her, sehr unterschiedliche Leute – das macht einfach Spaß.“ Dass die Matrosen, die hierher kommen, oft auch schweres seelisches Gepäck zu tragen haben, gehört für sie ganz einfach zum Alltag. „Sie sind weit weg von ihren Familien und Freunden. Und dann passieren manchmal wichtige Dinge, aber sie können nicht einfach nach Hause fahren. Das ist schwer auszuhalten.“ Gerade die Feiertage am Jahresende seien für viele nicht leicht gewesen. Doch Regina Qualmann weiß aus Erfahrung: Meist hilft es schon, wenn die Seeleute einfach mal mit jemandem darüber reden können.

Eine, die erst seit Mitte Oktober zum Team gehört, ist Marie-Kristin Liebold. Die Theologiestudentin hat die Arbeit der Seemannsmission bei einem Auslandspraktikum im nordenglischen Middlesbrough kennengelernt. Mit einem Schmunzeln erinnert sie sich: „Ich wollte eigentlich in verschiedenen Kirchengemeinden Erfahrungen sammeln, aber dann kam die Anfrage, ob ich nicht eine Urlaubsvertretung in der deutschen Seemannsmission machen könnte.“ Die Frau, die ursprünglich aus dem Erzgebirge stammt und große Schiffe bis dahin nur aus der Ferne kannte, ließ sich auf das Abenteuer ein – und war begeistert. Romantisch hatte sie sich das Leben an Bord vorgestellt. Doch der Alltag holte sie schnell auf den Boden der Realität. „Es ist unglaublich eng auf den Frachtern. Die Seeleute können nicht mal eben in ein Einkaufszentrum gehen und Schokolade kaufen, sondern sind eben auf dem Schiff, verdienen ihr Geld und gerade die Filipinos schicken fast alles, was sie verdienen den Familien, damit es denen auch gut geht.“

Ein Platz, um zur Ruhe zu kommen

Um auch langfristig weiter bei der Seemannsmission arbeiten zu können, wechselte die 31-Jährige im Sommer ihren Studienort und kam nach Rostock. Als geringfügig Beschäftigte jobbt sie jetzt nebenbei im Seehafen, wo sie vor allem den Fahrdienst für Matrosen übernommen hat, die mal kurz in die Stadt oder zu einem Einkaufszentrum gebracht werden möchten.

Viele Seeleute kommen in den Club, um Telefonkarten zu kaufen oder einen der Computerarbeitsplätze zu nutzen. Andere freuen sich, dort ins Gespräch zu kommen oder einfach mal auf festem Boden zur Ruhe zu kommen. Im hinteren Bereich gibt es einen kleinen Andachtsraum für Menschen unterschiedlichster religiöser Gesinnung. Weiter vorne stehen die Billardtische, an denen gerade zwei Russen ein Match austragen. Auf einem der Sofas hat es sich Denis Remot aus Manila gemütlich gemacht. Er tippt irgendetwas in sein Handy und erzählt kurz darauf von einer Frau und den fünf Kindern. „Die habe ich jetzt seit zweieinhalb Monaten nicht gesehen. Aber das ist noch eine vergleichsweise kurze Zeit. Mein Vertrag geht über ein halbes Jahr und ich würde ihn gerne noch verlängern.“ Auch wenn das nicht immer leicht sei ist er froh: „Die Arbeit ist ein kleiner Segen für uns.“ Denn für die Kinder werde das Geld, das er so verdient, dringend gebraucht.

Ehrenamtliche unterstützen Seemannsclub

Dazu, dass der Seemannsclub Tag für Tag offen steht, sorgen neben den Festangestellten auch eine Reihe ehrenamtlicher Helfer. Einer von ihnen ist Pit Lorenz. Hauptberuflich ist er zweiter Offizier auf einer der Scandlines-Fähren, die zwischen Dänemark und Deutschland pendeln. In seiner Freizeit aber hilft er im Club, wann immer er Zeit dafür hat. „Früher bin ich selbst auf großer Fahrt unterwegs gewesen, besonders in Asien und den USA. Wenn man selber mal auf der anderen Seite gewesen ist, dann weiß man, wie wichtig so eine Einrichtung ist.“

Freiwilliges Soziales Jahr in der Seemannsmission

Im Freiwilligen Sozialen Jahr beziehungsweise im Bundesfreiwilligendienst bei der Seemannsmission haben junge Menschen Kontakt zu Seeleuten aus aller Welt, sie lernen verschiedene Nationen, Kulturen und Religionen sowie das Leben an Bord aus nächster Nähe kennen. Die Voraussetzung: Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, über gute Englisch- und PC-Kenntnisse verfügen. Auch Praktikanten sind willkommen. Kontakt über Folkert Janssen Tel.: 03 81 / 6 70 04 31.

Und nicht zuletzt gibt es auch noch die FSJler, junge Menschen, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in der Seemannsmission absolvieren. Der 19-jährige Lukas Evers hat diese Zeit gerade hinter sich und taucht noch immer ab und an im Hollfast auf. Er erzählt begeistert: „Mir hat das viel Spaß gemacht, einfach was für die Leute machen zu können.“ Folkert Janssen, der Chef der Rostocker Seemannsmission, ist nun auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Lukas und natürlich auch nach weiteren Ehrenamtlichen – damit das Team seinen Gästen auch weiterhin gemeinsam einen festen Halt bieten kann.

Katja Bülow

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