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Rostock Seit 25 Jahren aktiv: Landfrauen feiern Jubiläum
Mecklenburg Rostock Seit 25 Jahren aktiv: Landfrauen feiern Jubiläum
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00:00 06.12.2017
Vor sieben Jahren wurde Ursula Henniker (l.) Vorsitzende des Kreislandfrauenverbandes. Jutta Kischel gehört der Ortsgruppe Satow an und ist eine der 14 Gründerinnen des Kreislandfrauenverbandes. Quelle: Foto: Sabine Hügelland
Satow

Damals nach der Wende verloren viele Frauen ihre Arbeit. Einige damit auch ihr Selbstwertgefühl, und ein positiver Blick in die Zukunft fiel ihnen schwer. Das war die Geburtsstunde des Kreislandfrauenverbandes Bad Doberan. Sein Ziel war es, diesen Frauen in der schwierigen Lebensphase zu helfen, ihnen durch die Mitarbeit neue Lebensinhalte zu vermitteln. 25 Jahre ist das nun her.

22 Verbände, 500 000 Mitglieder

Mehr als 140 Mitglieder gehören dem Kreislandfrauenverband Bad Doberan an.

22 Landfrauenverbände gibt es in Deutschland mit knapp 500000 Mitgliedern.

Sie sind in 430 Kreis-und mehr als 12000 Ortsverbände organisiert.

Der Ursprung war vor mehr als 120 Jahren, als die Gutsfrau Elisabeth Boehm die Landfrauenbewegung ins Leben rief.

Heute engagieren sich mehr als 140 Mitglieder im Kreislandfrauenverband, der jetzt das Jubiläum im Gesellschaftshaus „Zum Raben“ in Kröpelin beging. Jutta Kischel gehört der Ortsgruppe Satow an. Sie ist eine der 14 Gründerinnen der Landfrauen und war bis zum Jahr 2000 erste Vorsitzende. „1992 mochte kaum jemand Mitglied werden. Die arbeitslosen Frauen hatten zunächst andere Sorgen, als sich zu organisieren. Auch mussten ihnen die Ziele und Aufgaben des Verbandes erklärt werden“, erinnert sich die 72-Jährige, die in der Landwirtschaft tätig war.

„Der Landesfrauenverband MV und der Kreisbauernverband Bad Doberan unterstützten uns bei der Gründung. Nach wie vor besteht zu beiden ein gutes Verhältnis“, sagt sie. Mit vom Bundesland geförderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen entwickelte sich der Kreislandfrauenverband als Projektträger und Arbeitgeber. „Erstes Anliegen war, Menschen in den verschiedenen sozialen Notlagen zu helfen und zu betreuen, sie wieder in die Gesellschaft zurückzuführen“, so Jutta Kischel.

Doch die Ursprünge der Landfrauen reichen viel weiter zurück. Die Gutsfrau Elisabeth Boehm rief bereits vor mehr als 120 Jahren die Landfrauenbewegung ins Leben. So war die Gründung in den neuen Bundesländern zwar keine Neuerung, für die Frauen dort jedoch eine große Hilfe. Vor sieben Jahren wurde Ursula Henniker Vorsitzende in Bad Doberan: „Es geht heute um die Aufrechterhaltung von Traditionen“, sagt sie. „Der Zusammenhalt wird gefördert wie auch das gesellschaftliche Leben.“ In diesem Jahr gründete sich eine neue Ortsgruppe in Westenbrügge. Zum Kreislandfrauenverband Bad Doberan gehören dann noch Satow, Diedrichshagen, Landfrauen Aktiv Jennewitz, Rederank, Gerdshagen (bei Lohme) und Rerik, berichtet Ursula Henniker, deren Ortsverband 26 Mitglieder im Alter von Ende 40 bis 85 Jahren zählt.

Auch wenn es um Landfrauen geht, so sei der Zugang auch Männern gestattet: „Und bei uns sind sogar zwei dabei“, so Ursula Henniker. Sie ist in ihrem Ehrenamt viel unterwegs – dies verschlinge viel Zeit und Spritkosten. Auch das Telefon stehe selten still, denn sie ist Ansprechpartner – auch bei privaten Belangen der Mitglieder. Landfrauen helfen sich untereinander, es ist ein Netzwerk.

Die ehemalige Sekretärin arbeitete früher auf dem Gut Satow und später in der Steuerberatung. 1998 trat sie in den Verband ein: „Vorher hatten ich keine Zeit und war immer erst spät zu Hause, weil ich in Rostock gearbeitet habe“, sagt die 73-Jährige, die Angelika Kuhz als Vorsitzende ablöste. Zur Arbeit des Kreislandfrauenverbandes Bad Doberan zählte von 1998 bis 2015 auch der „Brotkorb Bad Doberan“. „Wir konnten das allein nicht mehr schaffen, es hat uns viel Kraft gekostet, und wir werden nicht jünger“, so Ursula Henniker. Und weiter: „Zum Glück übernahm die Tafel das Projekt.“ Die Arbeit der Kreislandfrauen ist breit gefächert, so packten sie in diesem Jahr mehr als 1500 Biobrotboxen für Schüler.

„Wir nehmen am Tag des offenen Hofes teil und unterstützen das gesellschaftliche Leben in den Gemeinden“, sagt Ursula Henniker. Nur Bäuerinnen seien leider kaum noch im Verband vertreten. Es gibt kaum noch welche. Die Frauen, die heute im Verband tätig sind, kommen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, was ein gutes Zeichen dafür sei, dass die Landfrauen auch heutzutage gebraucht und geschätzt werden.

Sabine Hügelland

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