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Rostock Sensible Schwimmer schützen Rostocks Wasser
Mecklenburg Rostock Sensible Schwimmer schützen Rostocks Wasser
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00:01 11.12.2017
Wasserwerksleiter Thomas Panwitt begut- achtet seine tierischen Mitarbeiter.
Steintor-Vorstadt

Sie sehen aus wie zu klein geratene Scampi, sind gerade mal eineinhalb Zentimeter groß. Doch die kleinen, sensiblen Tierchen schützen die Menschen in der Hansestadt vor unsichtbaren Gefahren – vor Giften, Schadstoffen, Verunreinigungen. Seit wenigen Wochen lässt der Versorger Eurawasser das Trinkwasser in Rostock von 300 winzigen Bachflohkrebsen überwachen. Sie schlagen Alarm, noch bevor schädliche Substanzen in die Wasserleitungen gelangen. „Und sie sind zuverlässiger als jede moderne Technik“, sagt Thomas Panwitt, Leiter des Rostocker Wasserwerks.

Eurawasser lässt das Trinkwasser von Mini-Krebsen überwachen / Sie reagieren auf jedes Gift und jede Gefahr, bevor es zu spät ist

32 Millionen Liter

Wasser holt Eurawasser jeden Tag aus der

Warnow. Das kühle

Nass wird aufwendige aufbereitet und dann ins Wassernetz der

Hansestadt eingespeist.

Tierisches Frühwarnsystem für das Trinkwasser

Einige Hundert Meter flussaufwärts vom Mühlendamm entfernt leben und arbeiten die kleinen Krebse mit dem lateinischen Namen Gammarus Pulex. Denn dort – aus einem Stichkanal der Warnow – entnimmt Eurawasser das Wasser für Rostock. „Bisher haben wir das Rohwasser aus dem Fluss nur mit technischen Geräten und Sensoren überwacht“, sagt Michael Hermann, Verfahrenstechniker für Trinkwasser. Teure Geräte messen noch vor der Aufbereitung den pH-Wert, die Leitfähigkeit und die Trübung. Auch der Nitrat- und Phosphatgehalt des Wassers sowie dessen Reaktion auf UV-Licht wird überwacht. Doch die Technik sei nicht ausreichend: „Die Sensoren erfassen nur einen einzigen, ganz bestimmten Wert. Da könnte uns schlimmstenfalls auch mal was entgehen“, erklärt Panwitt. Den Bachflohkrebs jedoch entgeht keine Gefahr: „Sie reagieren sofort und unmittelbar auf Öl im Wasser, auf Gifte und sogar auf Pflanzenschutzmittel. Und zwar auf allerkleinste Mengen.“

Die Wasserversorgung gilt als besonders kritische Infrastruktur. Mehrfach hat die Bundesregierung davor gewarnt, dass nicht nur Computer- oder Stromnetze, sondern auch die Wasserwerke Ziel von Angriffen werden könnten. Hermann: „Ja, die Terror-Gefahr spielt sicher auch eine Rolle. Wir haben auch deshalb die Sicherheit erhöht.“ Eurawasser ist einer der ersten Versorger bundesweit, der die sensiblen Krebse einsetzt. Im Bergbau waren Tiere schon vor Jahrhunderten als lebende Sensoren im Einsatz: Zwitschernde Kanarienvögel und Mäuse warnten Kumpel unter Tage vor austretenden, geruchlosen Gasen oder Sauerstoffmangel.

Eine Woche Überwachung, eine Woche frei

Die kleinen Krebse kommen nun in einem Frühwarn-System der Firma Sensa Guard aus Kiel zum Einsatz. „Noch bevor das Flusswasser in die Aufbereitung kommt, muss es an den Krebsen vorbei“, erklärt Pannwitt. In der Anlage gibt es acht Sensor-Kammern, in jeder sitzt ein Krebs. „Mit Bewegungs- sensoren und Kameras beobachtet das System die Bewegungen der Krebse. Bewegen sie sich zu schnell oder gar nicht mehr, schlägt die Technik Alarm.“ Zu schnelle Bewegungen würden auf Panik deuten – auf Gefahren im Wasser. „Wenn sie sich gar nicht mehr bewegen, sind sie möglicherweise schon zu sehr geschädigt worden“, so Pannwitt.

Schlägt das System Alarm, kann die Leitstelle von Eurawasser sofort die Wasserzufuhr aus dem Fluss stoppen. „Außerdem werden sofort Wasserproben gezogen, die im Labor analysiert werden“, sagt Hermann. Die Krebse sind immer eine Woche in der Sensor-Kammer im Einsatz. Danach kommen sie zu ihren Artgenossen in ein Aquarium und haben Urlaub. „Die Bachflohkrebse sind genügsame Tiere und kommen auch in der Warnow vor. Tierschützer hatten keine Bedenken gegen ihren Einsatz als Frühwarnsystem“, versichert Eurawasser-Sprecherin Gabi Kniffka. Als Belohnung erhalten die Krebse Blätter und Fischfutter.

Trinkwasser aus dem Fluss

Eurawasser holt an zwei Entnahmestellen das Wasser für die Rostocker aus der Warnow. In zwei Stufen wird das sogenannte Oberflächenwasser von Trübungen und Schwebstoffen befreit. Kies- und Aktivkohlefilter holen die restlichen unappetitlich, aber ebenso ungefährlichen Partikel aus der Flüssigkeit. Mit Hilfe von Ozon wird das Wasser dann desinfiziert und zudem geschmacklich „frisch“

gemacht. Pro Tag holt Eurawasser rund 32 Millionen Liter aus der Warnow.

Andreas Meyer

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