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Hansaviertel Sie sehen Fußballspiele mit den Ohren

Seit rund zehn Jahren bietet der FC Hansa Rostock eine Audiodeskription für blinde Fans

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Bernd Rohsmannek ist seit Jahrzehnten ein großer Fan des FC Hansa Rostock. An seinem Revers steckt das europäische Blindenabzeichen. Die Spiele im Stadion kann er nur mithilfe von Audioguides verfolgen.

Quelle: Fotos: Johanna Hegermann / Andy Büning

Hansaviertel. Sie sind durch und durch Fans des FC Hansa Rostock. „Bei Sonnenschein, bei Regen oder bei Sturm: Wir sind dabei“, sagt Bernd Rohsmannek vom Fanclub „Blindfische“. Doch sehen können sie das Spiel nicht. „Wir sehen mit den Ohren“, erklärt der 58-Jährige aus Güstrow. Dabei geht es nicht nur um die Atmosphäre und die Fanchöre, seit gut zehn Jahren können sie mit einem speziellen Funkgerät das Spielgeschehen genau verfolgen.

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Seit rund zehn Jahren bietet der FC Hansa Rostock eine Audiodeskription für blinde Fans

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Bernd Rohsmannek ist seit mehr als 30 Jahren blind. Durch eine Augenentzündung trübte sich seine Hornhaut. Eine Transplantation schlug fehl. „Jeder stellt sich vor, wenn ich die Augen zumache, dann ist es, als wäre ich blind“, erzählt er. Doch viele könnten noch Konturen oder Schemen erkennen. Als gesetzlich blind gilt man, wenn man eine Sehstärke von null bis zu zwei Prozent hat. „Für mich ist es, als wenn man nach dem Duschen durch eine beschlagene Scheibe nach außen guckt“, versucht es der Güstrower zu beschreiben. Dies sei nur eines von vielen Beispielen für Sehbehinderungen.

Auch seine Frau ist blind, nutzt sogar einen Blindenstock, um sich zurechtzufinden. „Man erarbeitet sich Wege, um selbstständig voranzukommen“, sagt Bernd Rohsmannek. Ebenso erarbeite man sich Möglichkeiten am alltäglichen Leben teilzunehmen, eben auch an den Spielen seines Lieblingsclubs. 2005 hat Rohsmannek zum ersten Mal im Hamburger Stadion die Audiodeskription live miterlebt. Wie in einem Museum bekam er ein Gerät an die Hand, daran festgemacht zwei Kopfhörer. „Ich war begeistert.“ Denn, was er hörte, war keine normale Moderation, sondern eine akustische Bildbeschreibung. Ein weiterer Schritt in Richtung Barrierefreiheit.

„Ich habe gleich den Kontakt zu Hansa Rostock gesucht“, erzählt der Fußballfan. Doch so einfach war die Umsetzung nicht. „Das Rad dreht sich nun einmal sehr langsam“, sagt Rohsmannek gelassen. Über mehrere Jahre wurden Gespräche geführt, und gleichzeitig musste der Verein auch nach Möglichkeiten suchen, die Audiodeskription zu bezahlen. „Rund 10000 Euro sollte die Anlage kosten“, erinnert sich der Güstrower. Dann ging es auf einmal ganz schnell. „2007 hatten wir uns zusammengesetzt und dem Aufsichtsrat von der Idee erzählt.“ Er sei begeistert gewesen. „Dann wurde schon darüber gesprochen, wohin wir uns setzen sollen“, erzählt Rohsmannek lächelnd.

Doch auch Moderatoren mussten für das Projekt gewonnen werden. „Wir hatten schon Interessenten, bevor das Geld da war.“ Pro Spiel müssten zwei Sprecher das Geschehen auf dem Fußballplatz und im Stadion beschreiben. Bisher konnte seit 2007 noch jedes Spiel besetzt werden. „Dabei machen unsere Moderatoren das ehrenamtlich und wurden sogar geschult.“ Jede Picke, Hacke oder Grätsche wollen die Fans erfahren. „Sie sollen auch weiterhin ihre Eindrücke schildern, wenn für sie scheinbar ,nichts’ auf dem Spielfeld passiert“, erzählt der 58-Jährige. So etwas gebe es nicht. Immer renne jemand herum. Immer sei etwas los. „Und wenn es darum geht, welche Emotionen die Menschen zeigen oder welche Dekorationen im Stadion hängen. Wir möchten mittendrin sein.“ Neben den zwei Stamm-Moderatoren haben auch schon zahlreiche Gastkommentatoren einen Auftritt gehabt. Dazu gehören unter anderem die Profi- Kommentatoren Oliver Schubert, Jörg Meyer und Hans-Jörg Goldhofer.

Doch wer nutzt die Audioguides überhaupt? „Es gibt ungefähr 25 Interessierte in ganz Mecklenburg- Vorpommern“, erklärt Rohsmannek. Zehn Geräte können dadurch an Fans mit einer Sehbehinderung verteilt werden. Mit kleinen Verteilern könnten maximal doppelt so viele mithören. Mittlerweile wird das Hansa Radio jedoch auch online übertragen. „Ich habe mir das auch schon ein paar Mal angehört, wenn ich nicht zum Spiel gehen konnte.“

Doch noch gebe es einige Probleme. „Mittlerweile sitzen wir seit etwa drei Jahren im Block 12“, erzählt Rohsmannek. Damit ist die Entfernung zwischen den Sendern und den Funk-Empfängern relativ groß.

Hinzu kommen Tausende Handy-Signale, die die Frequenz der Empfänger störe. „Wir haben akustische Probleme.“ Rohsmannek möchte daher auf eine digitale Anlage umsatteln. Doch das koste wiederum Geld.

„Dafür müssen wir noch eine Lösung finden.“ Doch noch stehe man hier ganz am Anfang.

Das Hansa Radio

In der Saison 2007/2008 hat der Fußballclub Hansa Rostock erstmals die Audiodeskription angeboten. Damit gibt es das sogenannte „Hansa Radio“ mittlerweile seit fast zehn Jahren. Ob und wie die Interessengemeinschaft „Blindfische“ den Jahrestag feiern möchte, ist noch unklar.

Unter www.barrierefrei-ins-stadion.de/club/hansa-rostock-dkb-arena sind alle Angebote für Menschen mit Behinderung für Spiele in Rostock aufgezählt.

Johanna Hegermann

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