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Rostock Sind Schüler in MV überfordert? Das sagen OZ-Leser
Mecklenburg Rostock Sind Schüler in MV überfordert? Das sagen OZ-Leser
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18:59 30.08.2018
In ihrem Appell hat die Schülerin Lilly Blaudszun aus Ludwigslust den zu hohen Leistungsdruck und falsche Lehrinhalte an Gymnasien in MV kritisiert. Viele Leser äußerten sich daraufhin zu dem Thema. Quelle: privat
Rostock

Zwölftklässlerin Lilly Blaudszun geht in Ludwigslust auf das Gymnasium. In einem Gastbeitrag für die OZ berichtet die 17-Jährige über den Leistungsdruck, fehlende Freizeit und Aufputschmittel im Klassenzimmer. Der Artikel hat bereits kurz nach seiner Veröffentlichung für Diskussionen unter unseren Lesern gesorgt. Viele Stimmen der jungen Frau zu.

Hilke Vergils lobt den „sehr guten und realistischen Artikel“. Ihre Kinder waren Schüler in nicht weniger als drei unterschiedlichen Gymnasien-Varianten: von der fünften bis  13. Klasse, von der fünften bis zwölften Klasse und von der siebten bis zwölften Klasse. „Die beste Variante war die erste, da war genug Zeit für Schule und Freizeit, trotz der – gerade im ländlichen Bereich – zusätzlich langen Anfahrtswege.“ Auch Monika Schumacher spricht von einem „tollen Artikel“. Nur leider werde der nichts ändern. Es sei so schön bequem, alles beim Alten zu belassen – etwa uralte Schinken auswendig zu lernen, weil das angeblich für die Kultur wichtig sei. Ulrich Reymann kritisiert besonders den Bildungsföderalismus. Der sei „Unsinn“. Doreen Siefke sagt, dass es ihrem Kind in der 11. Klasse genauso gehe. Sie kann jeden Abiturienten verstehen, der sich danach erst mal eine Auszeit vom Lernen nimmt.

Auch Dani Lahm gibt Lily Blaudszun „vollkommen Recht“. Es herrsche sehr viel Druck und das viele Auswendiglernen sei unnötig. Sandro Dro schließt sich an: „Ja das hat sie richtig erkannt. Schüler sollen um Gotteswillen nur nicht kritisch und analytisch denken können. Und dies ändert sich auch im Studium nicht.“ Silke Schack findet den Beitrag der Schülerin genau auf den Punkt gebracht. „Nicht selten sitzen die Schüler in ihrem Urlaub (Ferien) über den Schulbüchern und lernen oder müssen Hausaufgaben machen.“ Wenn der allgemeine Leistungsdruck in der Schule so hoch sei, müsse sich keiner über die „Null-Bock-Stimmungen“ bei vielen Schülern wundern. Manuela Schmidt meint: „Es kann nicht sein, dass unsere Kinder mit solchem psychischen Stress tagtäglich umgehen müssen.“ Dörte John sagt: „Auch meine 15-jährige Tochter leidet sehr unter diesem System. Dank des Artikels kann ich es besser verstehen.“

Als Lehrerin und Mutter beobachtet Ute Hammerschmidt immer wieder das Phänomen, dass das Abitur einerseits an Qualität verliert, gleichzeitig vor allem Eltern für ihre Kinder als einziger in Frage kommender Abschluss erscheint. „Darin schwingt eine Missachtung von Ausbildungsberufen mit und die Einstellung, dass eher körperliche Arbeit unter ihrer Würde ist.“ Ein gesellschaftliches Umdenken würde einerseits den Druck von vielen Abiturienten nehmen und gleichzeitig dem vielbeschworenen Fachkräftemangel in Deutschland entgegenwirken.

Allerdings gibt es durchaus auch Stimmen, die den Appell von Lilly Blaudszun kritisch sehen:

„Wer das eine will, muss das andere mögen“, schreibt etwa Jette Ziegler. Uwe Plümer spricht von „Gejammer auf sehr hohem Niveau“. Und Tino Wulf sagt: „Wir sind damals sogar Samstags zur Schule gegangen, da gab es nur den Sonntag als einzigen freien Tag und trotzdem leben wir noch.“

Bella Alleb meint: „Jeder hat die Option, einen Realschulabschluss zu machen. Die Schule ist nicht gezwungen, dir bei deiner Steuererklärung zu helfen. Nein, ein Gymnasium ist dazu da, dich Geschichte, komplizierte Mathematik und mehr zu lehren, was dich dann für ein Studium der Informatik, Germanistik o.ä. qualifiziert. Wer aber ein Studium nicht erwägt, oder das Pensum nicht halten kann, kann gerne auch einen leichteren Weg zum Abitur wagen. Niemand sollte diese Kinder zwingen.“

Sandra Lucil erinnert ebenso daran, dass das Abitur nun einmal der höchste Schulabschluss, ist, welcher ein gewisses Maß an Leistung erfordert. „Wer dem nicht gewachsen ist, sollte einen anderen Abschluss in Erwägung ziehen.“ Bei entsprechendem Studien- und anschließendem beruflichen Werdegang könne man immerhin höchste Einkommen erzielen. Matias Wensch findet allerdings: „Sicherlich erfordert das Abi ein gewisses Maß an Leistungen, aber doch nicht so, dass die Kinder an ihre Grenzen stoßen.“ Es werde zunehmend übertrieben mit dem Leistungsdruck. „Es sind trotzdem Kinder und sie sollten nicht mehr als Erwachsene leisten müssen.“

Manuela Berg schreibt: „Man soll lernen, wie das wirkliche Leben funktioniert. 40 Stunden Arbeitswoche, zwei Stunden pro Tag Hin- und Rückfahrt zur Arbeit (keine Seltenheit), Haushalt, Einkauf, Kinderbetreuung usw. Da ist auch keine Zeit für Hobbys oder Ähnliches. Sie hat auch recht mit dem Thema, dass man in der Schule zu viel lernt, was unwichtig ist, aber leider nicht die wichtigen Dinge, wie Steuererklärung, Versicherungen abschließen oder was bei der Wohnungssuche zu beachten ist.“ Till Wichert widerspricht: „Das Gymnasium ist allerdings nicht zum Vermitteln von solchen praktischen Werten da, sondern zum Lehren theoretischen Wissens und Methoden, welche später sicher auch bei der Steuererklärung helfen.“ Auch wer das Abitur machen möchte, hat ein Recht auf Freizeit in der Jugend. Und Sabine Wirth entgegnet: „Im Gegensatz zur normalen 40h Woche muss man aber nach der Schule weiterarbeiten, weil man Hausaufgaben machen oder lernen muss. Das hat nichts mit einer normalen Arbeitswoche zu tun.“ Sie sei während des Abis ausgebrannter gewesen als sie es jetzt während ihres Berufslebens ist – obwohl sie im Schichtsystem arbeitet.

Dass sich etwas ändern muss am Bildungssystem, darüber sind sich die meisten Leser einig: „Mehr Lehrer, Lehrpläne ausmisten, Lehrmethodik verbessern – und das Abi nach zwölf Jahren ist kein Problem“, glaubt Dirk Wiegel.

OZ

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