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Rostock Sofort: Landwirt soll Schuppen abreißen
Mecklenburg Rostock Sofort: Landwirt soll Schuppen abreißen
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00:00 26.07.2018
Mit seinem kleinen Traktor bringt Gerhard Arndt frisches Heu auf die Koppel zu seinen Galloway-Rindern. Quelle: Foto: Doris Deutsch
Sildemow

Mit seinem kleinen Traktor bringt Gerhard Arndt den Galloway-Rindern frisches Heu auf die Koppel. Gemäht auf seiner Wiese. Dann lässt er Wasser aus dem Tank in eine Badewanne, damit die robusten, schwarzen Tiere bei dieser Hitze saufen können. 18 Galloways hält Arndt in Sildemow, das letzte Kalb ist jetzt drei Wochen alt.

Seit 2008 betreibt der inzwischen 73-Jährige hier auf 3,8 Hektar eigener Fläche einen landwirtschaftlichen Betrieb. Bis 2015 zunächst mit einem Partner als GbR mit Schafen, Rindern, Geflügel, dann als Einzelunternehmer. „Alles ordnungsgemäß angemeldet“, betont Arndt. Ein Holzgebäude hat er errichtet für Futter und Technik. Dazu hat er mehrere Schuppen und Unterstände auf dem Gelände gebaut, für Hühner und Enten, zu Lagerzwecken. Das alles soll nun weg. „Das beeinträchtigt angeblich das Biotop“, ärgert sich der Landwirt.

Sein Grundstück sei vorher eine illegale Müllkippe gewesen, die er für den Landwirtschaftsbetrieb beräumt habe. „Abgekippte Koniferen im nun geschützten Biotop sind von mir eingebuddelt“. Der rüstige Rentner liebt die Natur: Auf seinem Grundstück hat er Blühstreifen für die Bienen angesät, die Schwalben dürfen in seinen Ställen und Unterständen nisten. Doch das zählt nicht.

Vor einem Jahr flatterte dem Sildemower eine „Beseitigungsanordnung mit Sofortvollzug“ ins Haus. Die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises fordert Arndt auf, sämtliche Baulichkeiten auf seinem Grundstück zu entfernen. Der Bauer versteht die Welt nicht mehr. „Acht Jahre hat sich hier niemand blicken lassen und nun werden die Tiere im Biotop gestört, und alles soll von heute auf morgen verschwinden.“ Arndt geht den Rechtsweg und legt Widerspruch ein. Dieser Tage erhielt er Post vom Verwaltungsgericht Schwerin, das den Landkreis im Recht sieht.

Seine Holzschuppen dienten nicht einem Landwirtschaftsbetrieb. Für die Haltung der Galloway-Rinder seien sie nicht erforderlich, und zur Begründung wird im Gerichtsbeschluss auf die Beschreibung der „für ganzjährige Freilandhaltung geeigneten Hausrinder“ in Wikipedia verwiesen. Arndts Argument, dass er in diesen Holzgebäuden Spezialfutter und Technik zur Versorgung der Galloways lagere, wird weggewischt. Selbst eine Spüle im Schuppen, wo sich Bauer und Veterinär mal die Hände waschen können, wird in Frage gestellt: „Sofern Wasser zu Waschzwecken tatsächlich notwendig sein sollte, kann dies in Regenauffangbehältern gesammelt oder per Kanister zur Weide mitgenommen werden“, befindet das Gericht.

Arndts Rechtsanwalt Bernd Risch hat nun Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Doch er hat wenig Hoffnung. Es fehlen Baugenehmigungen für die Holzgebäude und die würden auch im Nachhinein aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht gewährt. Risch sieht jedoch auch Fehler bei den Behörden, die von Betriebsanzeigen und Gesprächen in den Ämtern plötzlich nichts mehr wüssten. „Warum nach acht, neun Jahren nun diese Eilbedürftigkeit des Abrisses“, fragt sich der Anwalt. Risch hat eine Verlängerung für den Bestand der großen Holzschuppen bis 2020 beantragt.

Gerhard Arndt ist müde. Landwirtschaft im Einklang mit der Natur, das sei sein Credo. Doch das honorierten die Behörden nicht. Seine Geflügelzucht samt Ställen gibt er auf. Nur die Galloways, die behält Arndt, bis das letztgeborene Kalb drei Jahre alt und zeugungsreif ist. „Wir haben zusammen angefangen und wir beenden das Ganze gemeinsam“, sagt er.

Robuste Hausrinder

Galloways sind eine

Robust-Rasse, die aus dem namensgebenden Kreis Galloway im Südwesten Schottlands stammt. Ein wesentliches Merkmal der Hausrinder ist ihr doppelschichtiges Fell mit langem, gewelltem Deckhaar und feinem, dichtem Unterhaar. Dies und ihre vergleichsweise dicke Haut sowie der angepasste sparsame Stoffwechsel machen die Galloways besonders widerstandsfähig. Deshalb können sie auch harte Winter im Freien überstehen.

Doris Deutsch

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