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Spitzen-Ärzte kehren Uni-Klinik den Rücken

Rostock Spitzen-Ärzte kehren Uni-Klinik den Rücken

Der Direktor der Rostocker Uni-Augenklinik hat gekündigt - weil er genug hat vom Personalmangel im größten Krankenhaus des Landes. Insider fürchten nun, dass weitere Top-Mediziner seinem Beispiel folgen könnten.

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Hat genug von den Umständen in der Rostocker Uni-Klinik: Prof. Dr. Anselm Jünemann hat gekündigt und geht zurück nach Süddeutschland. Insider fürchten, dass weitere Spitzen-Mediziner seinem Beispiel folgen könnten.

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock. Diese Kündigung könnte Signalwirkung haben: Prof. Dr. Anselm Jünemann, Chef der Uni-Augenklinik, hat gekündigt und verlässt Rostock. Der Grund: Er ist unzufrieden über fehlendes Personal, für Forschung und Lehre bleibe zu wenig Zeit. Diese Kritik äußern längst auch andere Professoren.

 

Personalnot gefährdet Patienten

Jünemann ist nicht irgendein Professor: 2014 kam der Fachmann für Glaukome – den so genannten „grünen Star“ – aus Erlangen an die Warnow. Mehrfach war Jünemann – unter anderem vom Magazin „Focus-Gesundheit“ – als einer der bundesweit besten Ärzte auf seinem Fachgebiet ausgezeichnet worden. Doch nach nicht mal vier Jahren ist Schluss: „Ja, ich habe gekündigt“, bestätigte Jünemann nun der OSTSEE-ZEITUNG. Er sei in Rostock mit dem Anspruch angetreten, „einen Leuchtturm der Augen-Medizin“ aufzubauen – doch das sei unter den Umständen nicht möglich: „Es ist in der Tat so, dass die Personaldecke sehr dünn ist. Das gilt für die gesamte Uni-Medizin in Rostock, nicht nur für die Augenklinik“, sagt Jünemann. Für ihn das Limit erreicht: „Wir bewegen uns an der Grenze des Akzeptablen – und auf einem sehr, sehr niedrigen Sicherheitslevel.“ Weil permanent Personal fehlt, seien die Ärzte im Dauerstress und überlastet: „Das birgt viel Potenzial, dass etwas schief läuft - zum Beispiel, wenn keine richtigen Übergaben mehr stattfinden können, weil die Stationsärzte fast täglich wechseln. Ich bin so etwas nicht gewohnt.“

Vorstand achte nur auf die Zahlen

Aus Jünemanns Sicht trage der Vorstand die Verantwortung für die Entwicklung: „Alles wird auf Wirtschaftlichkeit getrimmt.“ Und ja, rein wirtschaftlich gesehen gehe es der Augenklinik blendend: „Die Klinik blüht. Wir hatten 2017 fast 1000 Patienten mehr im OP. Die Zahl der ambulanten Behandlungen konnten wir verdoppeln, den Gewinn steigern. Aber das ist nun mal nicht die primäre Aufgabe von Ärzten“, so der scheidende Direktor. Der Fokus der Professoren an einer Uni-Klinik habe aus Jünemanns Sicht auf der Forschung und Lehre zu liegen: „Für beides bleibt zu wenig Zeit und zu wenig Geld. Die Lehre läuft parallel, quasi nebenbei“, so Jünemann. Und weiter: „Die Forschung machen wir nach Feierabend. Wenn wir es denn schaffen, genügend Mittel von Dritten einzuwerben.“

Klinik-Chef Schmidt: Kennen die Situation genau

Zum Fall Jünemann will sich Klinik-Vorstand Christian Schmidt nicht öffentlich äußern. Er bestätigt lediglich die Kündigung. Fragen zur Personalsituation und der Arbeitsverdichtung beantwortet der Vorstand ausweichend: Ja, im Fakultätsrat sei das Thema diskutiert worden. „Seit vielen Jahren sehen wir saisonale Schwankungen des Arbeitsaufkommens. Besonders im letzten Quartal des Jahres ist dabei der Patientenzuspruch besonders hoch“; so Schmidt. Der Vorstand führe monatlich Gespräche mit allen Kliniken. „Wir sind jederzeit über die Situation informiert.“

Andreas Meyer

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